Ban­den or­ga­ni­sie­ren Kin­der­geld-be­trug

So­zia­les Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te Wid­mann-mauz nimmt die Mehr­heit aus­län­di­scher Mit­bür­ger in Schutz. Die Po­li­zei spricht von jah­re­lan­gen Ver­säum­nis­sen der Be­hör­den.

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Themen Des Tages / Politik -

Ber­lin. Die Zahl aus­län­di­scher Kin­der­geld­emp­fän­ger in Deutsch­land steigt. Au­ßer­dem gibt es Hin­wei­se auf Be­trugs­fäl­le.

Die Bun­des­re­gie­rung will das Kin­der­geld je nach Her­kunfts­land der El­tern staf­feln. Wie re­agiert die EU? Ab­leh­nend. „Mo­bi­le Ar­beit­neh­mer ha­ben un­ab­hän­gig vom Wohn­ort ih­rer Kin­der An­spruch auf die glei­chen Kin­der­zu­la­gen wie ein­hei­mi­sche Ar­beit­neh­mer“, teil­te die Eu-kom­mis­si­on am Frei­tag mit. Un­ter an­de­rem hat­te der Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Städ­te­tags, Hel­mut De­dy, ge­for­dert, dass die Hö­he des Kin­der­gelds an die Le­bens­hal­tungs­kos­ten im Her­kunfts­land zu kop­peln sei. Sind die Be­trü­ge­rei­en beim Kin­der­geld ein Mas­sen­phä­no­men? Eher nicht. Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, An­net­te Wid­mann-mauz (CDU), weist dar­auf hin, dass „die meis­ten aus­län­di­schen Staats­bür­ger, die in Deutsch­land le­ben, ar­bei­ten und in die So­zi­al­kas­sen ein­zah­len“. Es gibt aber ein gro­ßes Dun­kel­feld, wie der von Be­hör­den ver­mu­te­te Scha­den in Hö­he von 100 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich zeigt. Bei 100 Ver­dachts­kon­trol­len in Nord­rhein-west­fa­len wur­den 40 Fäl­le ent­deckt – un­ter an­de­rem hat­ten El­tern aus Ru­mä­ni­en und Bul­ga­ri­en ge­fälsch­te Ge­burts­ur­kun­den vor­ge­legt über Kin­der, die gar nicht exis­tier­ten. Spd-che­fin Andrea Nah­les sprach von Ta­ten or- ga­ni­sier­ter Ban­den. Zu­vor hat­te der Ober­bür­ger­meis­ter von Duis­burg, Sö­ren Link (SPD), dar­über be­rich­tet, dass kri­mi­nel­le Schlep­per „ge­zielt Ro­ma nach Duis­burg brin­gen, ih­nen ei­ne häu­fig her­un­ter­ge­kom­me­ne Woh­nung ver­schaf­fen, da­mit sie ei­nen Wohn­sitz zum Be­zug des Kin­der­gel­des ha­ben“.

Wie kann man das Pro­blem auf na­tio­na­ler Ebe­ne an­ge­hen? Rai­ner Wendt, Chef der Deut­schen Po­li­zei­ge­werk­schaft, hält „ein Min­dest­maß an Ver­net­zung der un­ter­schied­li­chen Be­hör­den“für die wich­tigs­te Vor­aus­set­zung. „Da sind wir auf St­ein­zeit­ni­veau“, sagt er der SÜDWEST PRESSE. Zu­dem ha­be es beim Kin­der­geld für aus­län­di­sche Fa­mi­li­en lan­ge Zeit kei­ner­lei Plau­si­bi­li­täts­prü­fun­gen ge­ge­ben. Glei­che Kon­to­num­mern für Kin­der aus meh­re­ren Fa­mi­li­en fie­len kaum auf. Auch das ver­wand­te The­ma der Ver­mie­tung von Schrot­t­im­mo­bi­li­en kön­ne man in den Griff be­kom­men, wenn man wol­le. „Aber das kos­tet Mü­he: Man muss die­se Woh­nun­gen ein­zeln auf­lis­ten, ein­zeln be­ge­hen, ein­zeln schlie­ßen. Die­sen Auf­wand scheint man oft zu scheu­en.“Im­mer­hin ha­ben die Fa­mi­li­en­kas­sen nun an­ge­kün­digt, vom kom­men­den Jahr an in al­len deut­schen Groß­städ­ten nach Be­trugs­fäl­len zu fahn­den. Dies sol­le in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Zoll, Schul­äm­tern, den Ein­woh­ner­mel­de­äm­tern, Steu­er­be­hör­den so­wie aus­län­di­schen So­zi­al­äm­tern ge­sche­hen. Micha­el Ga­bel

Duis­burg-marxloh: In die­sem Quar­tier woh­nen vie­le je­ner Zu­wan­de­rer, we­gen de­nen Bür­ger­meis­ter nun Alarm schla­gen. Chris­to­phe Ga­teau/dpa Fo­to:

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