Ruhr­tri­en­na­le star­tet mit viel Bei­fall

Nach reich­lich Streit im Vor­feld wird Wil­li­am Ken­tridges Pro­zes­si­ons­thea­ter zum Auf­takt be­ju­belt.

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Feuilleton -

Duis­burg. Der Bei­fall ist ein­hel­lig und de­mons­tra­tiv: Nach 90 Mi­nu­ten mul­ti­me­dia­lem Trom­mel­feu­er er­hebt sich das Pre­mie­ren­pu­bli­kum in der rie­si­gen Duis­bur­ger Kraft­zen­tra­le von den Sit­zen, um Wil­li­am Ken­tridges Krea­ti­on „The He­ad and the Load“zu fei­ern. Die Er­leich­te­rung dar­über, dass das Fes­ti­val nun end­lich be­gon­nen hat, ist förm­lich mit Hän­den zu grei­fen.

Denn seit Wo­chen steht Ste­fa­nie Carp, die neue In­ten­dan­tin des re­nom­mier­ten Edel-fes­ti­vals im Zen­trum ei­ner kon­tro­vers ge­führ­ten po­li­ti­schen De­bat­te, über der künst­le­ri­sche Fra­ge­stel­lun­gen weit in den Hin­ter­grund ge­rückt sind. Carp hat­te durch ih­ren wan­kel­mü­ti­gen Um­gang mit der is­ra­el­kri­ti­schen Edin­burg­her Hi­p­Hop-band Young Fa­thers und ihr de­sas­trö­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons-ma­nage­ment für im­mer neue ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len ge­sorgt.

So viel po­li­ti­schen Tru­bel hat­ten die Ma­cher der Ruhr­tri­en­na­le wohl kaum im Sinn, als sie das Fes­ti­val un­ter das Mot­to „Zwi­schen­zeit“stell­ten und die stark po­li­tisch auf­ge­heiz­ten The­men Rassismus, Post­ko­lo­nia­lis­mus, Mi­gra­ti­on und Ver­trei­bung in den Fo­kus des Pro­gramms nah­men. Ex­em­pla­risch da­für steht nun tat­säch­lich „The He­ad and the Load“(„Kopf und Last“) zur Er­öff­nung, ei­ne Pro­duk­ti­on, die be­reits in der Lon­do­ner Ta­te Mo­dern zu se­hen war und die nun in Duis­burg ih­re Deutsch­land­pre­mie­re fei­ert. Auch das ein No­vum bei der Ruhr­tri­en­na­le, die sonst stets mit ex­klu­si­ven Ei­gen­pro­duk­tio­nen er­öff­net wur­de.

Rassismus und Apart­heid

Der aus Süd­afri­ka stam­men­de Ken­tridge va­ri­iert da­mit ein­mal mehr sei­ne Le­bens­the­men Rassismus und Apart­heid. Mit sei­nem mäch­ti­gen Strom par­al­lel ab­lau­fen­der Film­bil­der, Li­ve-ak­tio­nen, Pro­jek­tio­nen und Ton­spu­ren re­flek­tiert er die Rol­le Afri­kas im Ers­ten Welt­krieg. Dass da­mals auch in Afri­ka Krieg herrsch­te und Afri­ka­ner von den Ko­lo­ni­al­mäch­ten re­kru­tiert und zu­meist als Trä­ger gi­gan­ti­scher Las­ten buch­stäb­lich ver­heizt wur­den, ist bis heu­te kaum be­kannt.

Ken­tridge be­spielt mit sei­nem gi­gan­ti­schen Bil­der­bo­gen ei­ne et­wa 50 Me­ter brei­te Büh­ne, an de­ren Rück­wand Fil­me und Pro­jek­tio­nen ab­lau­fen. Ei­ne Schar von In­stru­men­ta­lis­ten des En­sem­bles „The Knights“, ein Vo­kal­ensem­ble, Ge­s­angs­so­lis­ten und ein Schau­spiel­ensem­ble agie­ren ru­he­los auf die­ser Büh­ne in ei­ner Art end­lo­ser Pro­zes­si­on.

Das Pu­bli­kum kann auf­grund der im­men­sen Brei­te des Ta­bleaus nie­mals al­les er­fas­sen, was sich dort ab­spielt, zu­mal die rück­wär­tig ab­lau­fen­den Fil­me und Bil­der die Auf­merk­sam­keit auf sich len­ken. Ein star­ker Auf­takt die­ser Ruhr­tri­en­na­le un­ter un­güns­ti­gen Vor­zei­chen. dpa

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