Droht dem Back­haus­hock sei­ne letz­te St­un­de?

Det­tin­gen Von der ers­ten Fe­st­adres­se zum La­den­hü­ter im Ver­an­stal­tungs­pro­gramm: Der Back­haus­ho­cke­te fehlt’s an Hel­fern und Re­so­nanz. Nun droht das Aus. Von Christina Hölz

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Vorderseite -

Det­tin­gen. Von der ers­ten Fe­st­adres­se zum La­den­hü­ter im Ver­an­stal­tungs­pro­gramm: Der Back­haus­ho­cke­te fehlt’s an Hel­fern und Re­so­nanz. Nun droht das Aus.

Es gab Zei­ten, da kam an die­ser Par­ty kein Fest­le­s­ho­cker vor­bei. Die Leu­te scho­ben sich nur so durch die Det­tin­ger Orts­mit­te, an Stän­den, Back­häu­sern, Bars und Bier­the­ken hieß es An­ste­hen wie zum Fass­an­stich beim Oktoberfest. Und weil das ku­li­na­ri­sche und so­zio­kul­tu­rel­le Bei­werk so bunt war wie ei­ne Piz­za „Vier Jah­res­zei­ten“, ström­ten auch sämt­li­che Al­ters­klas­sen zum Som­mer­fest Num­mer eins nach Det­tin­gen. Die Re­de ist von der Back­haus­ho­cke­te, die in der Erms­ge­mein­de seit mehr als 40 Jah­re ge­fei­ert wird.

Vier Jahr­zehn­te Tra­di­ti­on, vie­le St­un­den Ein­satz der Eh­ren­amt­li­chen in den Ver­ei­nen. Ein Fix­ter­min für Ge­ne­ra­tio­nen von Hel­fern. Aber die Zei­ten sind vor­bei, da die Ver­ant­wort­li­chen der Det­tin­ger Ver­bän­de, Sport- und Mu­sik­grup­pen nur mit den Fin­gern schnip­pen muss­ten, um Frei­wil­li­ge um sich zu scha­ren.

Im­mer we­ni­ger Ver­ei­ne sag­ten zu­letzt ih­re Teil­nah­me ab. Und eben­so pas­se´sind die Jah­re, in de­nen die Back­haus­ho­cke­te Be­su­cher aus Or­ten weit über das Erm­s­tal hin­aus nach Det­tin­gen lock­te. Im­mer we­ni­ger Gäs­te sind in jüngs­ter Zeit ge­kom­men, um rund um die drei Back­häu­ser zu fei­ern. Um orts­ty­pi­sche Spe­zia­li­tä­ten wie Rahm­ku­chen zu na­schen und sich mit Spie­len oder Mu­sik un­ter­hal­ten zu las­sen. Da nütz­te auch ein Face­lift fürs Fest (mit Räu­ber­kar­ren-ren­nen und Trö­del­markt) nicht viel.

Im klei­nen Kreis ha­ben die Ver­ant­wort­li­chen schon län­ger dis­ku­tiert – nun ge­hen Orts­ver­wal­tung und Ar­beits­kreis Kul­tur in die Of­fen­si­ve: Der Det­tin­ger Ge­mein­de­rat soll in sei­ner nächs­ten Sit­zung am Don­ners­tag ent­schei­den, ob die Back­haus­ho­cke­te als ei­gen­stän­di­ge Ver­an­stal­tung ster­ben muss.

Kon­kret heißt das: Die Ver­wal­tung schlägt vor, die Ho­cke­te „man­gels teil­neh­men­der Ver­ei­ne“in den Det­tin­ger Kunst­hand­wer­ker­markt zu in­te­grie­ren, und zwar mit ei­nem neu­en Kon­zept.

Das wür­de ei­ner­seits be­deu­ten, das Back­haus­fest ver­liert sei­nen Ter­min als Ein­zel­fest al­le zwei Jah­re im Spät­som­mer. Ge­fei­ert und ge­hockt wür­de dann aber wohl je­des Jahr Mit­te Ok­to­ber – zu­min­dest in Form ei­nes Bei­pro­gramms zum Hand­werks­markt.

Die Ver­wal­tung denkt an Schau­ba­cken in den drei Back­häu­sern, die Ver­ei­ne be­wir­ten wei­ter­hin, The­men rund ums Brot könn­ten in ei­ner Aus­stel­lung ver­mit­telt wer­den. Da­ne­ben sol­len die Bren­ne­rei­en ih­re Tü­ren öff­nen. Und der Lie­der­kranz mö­ge abends ins Sän­ger­heim bit­ten.

40 Seit et­was mehr als 40 Jah­ren fei­ern die Det­tin­ger ih­re Back­haus­ho­cke­te. Nun steht das Tra­di­ti­ons­fest auf der Kip­pe. Auch im­mer we­ni­ger Ver­ei­ne ma­chen mit.

Für wei­te­re An­ge­bo­te und Ide­en der Ver­ei­ne sei man of­fen, lässt die Ver­wal­tung durch­bli­cken.

Auch ha­ben die Ver­ant­wort­li­chen wohl be­reits Ge­sprä­che mit den drei gro­ßen Ver­ei­nen und Haupt­ak­teu­ren des Back­haus­hocks ge­führt. „Feu­er­wehr, Lie­der­kranz und Har­mo­ni­ka­club (HC) hat­ten Ver­ständ­nis und wa­ren sich der Si­tua­ti­on be­wusst.“

Al­le drei Clubs könn­ten sich laut der kom­mu­na­len Kul­tur­ma­na­ge­rin Re­gi­ne Ries das neue Kon­zepts vor­stel­len. Har­mo­ni­ka­spie­le und Lie­der­kanz ha­ben wohl be­reits In­ter­es­se be­kun­det, beim Kunst­hand­wer­ker­markt mit­zu­ma­chen, so die Rat­haus-mit­ar­bei­te­rin. Die Feu­er­wehr hat in­des­sen ei­ne ei­gen Ver­an­stal­tung im Blick.

Ge­mein­sam mit mit den be­tei­lig­ten Ver­ei­nen möch­te die Ver­wal­tung nun ein Ver­an­stal­tungs­kon­zept für den Neu­start im Jahr 2019 ent­wi­ckeln. Vor­her aber muss der Ge­mein­de­rat über die Zu­kunft der Back­haus­ho­cke­te be­fin­den.

Der Hock, der die Tra­di­ti­on um die Back­häu­ser fei­er­te, soll mit dem Kunst­hand­wer­ker­markt „fu­sio­nie­ren“: Im mitt­le­ren Back­haus am Bet­tel­steg wur­de tra­di­tio­nell der Rahm­ku­chen ge­ba­cken. Fo­to. Archiv

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