Hys­te­ri­scher Kreis­lauf

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Themen Des Tages / Politik - Ma­thi­as Pud­dig zum Zu­stand der Ko­ali­ti­on leit­ar­ti­kel@swp.de

Ver­fas­sungs­schutz­prä­si­dent Hans-ge­org Maa­ßen soll­te ge­hen. Und wahr­schein­lich wird er das auch. Da­bei geht es längst nicht mehr nur dar­um, das Ver­trau­en in den Ver­fas­sungs­schutz wie­der­her­zu­stel­len. Es geht auch um die Ko­ali­ti­on, die oh­ne Maa­ßens Rück­zug – egal wie frei­wil­lig der ge­schieht – er­le­digt wä­re. Das hat die SPD mehr als deut­lich ge­macht, und da­hin­ter kann sie auch kaum mehr zu­rück. Doch was pas­siert da­nach? Ist die Re­gie­rung dann ge­ret­tet? Wird dann end­lich am neu­en Auf­bruch für Eu­ro­pa, an ei­ner neu­en Dy­na­mik für Deutsch­land und am neu­en Zu­sam­men­halt für un­ser Land ge­ar­bei­tet, wie es der Ko­ali­ti­ons­ver­trag an­kün­digt? Eher nicht. Vom ers­ten Tag an han­gelt sich die Re­gie­rung von ei­ner Kri­se zu nächs­ten – und we­nig spricht da­für, dass sich das än­dert.

Grund da­für ist die Ner­vo­si­tät der be­tei­lig­ten Par­tei­en. Die CSU kann es nicht er­tra­gen, dass sich rechts von ihr ei­ne Par­tei eta­bliert hat. Mo­na­te­lang hat sie ver­sucht, das Pro­blem zu lö­sen, in­dem sie die AFD im Ton­fall imi­tier­te. Bis an die Gren­zen der An­stän­dig­keit hat sie auf „Law and Or­der“-politik ge­setzt und sich mit zwie­lich­ti­gen Po­li­ti­kern wie dem ös­ter­rei­chi­schen Vi­ze­kanz­ler Heinz­chris­ti­an Stra­che ge­mein ge­macht. Erst als die Stra­te­gie beim Wäh­ler nicht ver­fing, stell­te Par­tei­chef Horst See­ho­fer über­ra­schend in Sa­chen AFD fest: „Die stel­len sich ge­gen die­sen Staat.“We­ni­ge Wo­chen vor der Bay­ern-wahl ver­sucht er es mit Hal­tung – als könn­te die Par­tei auf die­sem Weg der ab­so­lu­ten Mehr­heit wie­der nä­her kom­men.

Von der träumt die SPD schon län­ger nicht mehr. Sie kämpft um die nack­te Exis­tenz. Und je län­ger sie die­sen Kampf führt, um­so mehr ver­lie­ren Andrea Nah­les und Olaf Scholz an Ver­trau­en bei den Ge­nos­sen. Ge­ra­de in der zwei­ten und drit­ten Rei­he gibt es vie­le, die frus­triert sind über schlech­te Um­fra­gen und die Ko­ali­ti­on lie­ber heu­te als mor­gen be­en­den wür­den. Sie er­hö­hen den Druck auf die Par­tei­spit­ze, der es jetzt schon im­mer schwe­rer fällt, bei der Er­neue­rung der SPD, die bis ins nächs­te Jahr an­dau­ern soll, ru­hi­ge Hand zu zei­gen. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten ha­ben recht, wenn sie sa­gen, dass sie gut re­gie­ren. Die

Al­les, was die ner­vö­se Re­gie­rung noch zu­sam­men­hält, ist die Furcht vor Neu­wah­len.

Rol­le des Sta­bi­li­täts­an­kers, die sie sich gern selbst zu­schrei­ben, kön­nen sie so aber nur be­dingt über­neh­men.

Das gilt al­ler­dings auch für die CDU. Längst wird in den Rei­hen der Christ­de­mo­kra­ten über die Zeit nach Mer­kel nach­ge­dacht. Im­mer öf­ter wer­den Stim­men laut, die mit dem Kurs der Par­tei­füh­rung so gar nicht ein­ver­stan­den sind. Grup­pie­run­gen wie die Wer­te­uni­on spie­len zwar noch kei­ne gro­ße Rol­le, das kann sich aber än­dern.

Gleich­zei­tig ist An­ge­la Mer­kel so schwach wie noch nie in den 13 Jah­ren seit ih­rem Amts­an­tritt. Sie gibt kei­ne Rich­tung vor, sie ver­rät ja noch nicht ein­mal, wie sie zum Fall Maa­ßen steht. So­lan­ge sie aber kein Ziel für ih­re Re­gie­rung for­mu­liert, wer­den die drei be­tei­lig­ten Par­tei­en un­ge­stört in ei­nem dau­er­haf­ten Er­re­gungs­kreis­lauf um sich selbst krei­sen kön­nen. Und al­les, was die ner­vö­se Re­gie­rung noch zu­sam­men­hält, ist die Furcht vor Neu­wah­len.

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