Pio­nie­rin­nen der Frau­en­bil­dung

Eman­zi­pa­ti­on Vor 125 Jah­ren öff­ne­te in Karls­ru­he das ers­te Mäd­chen­gym­na­si­um. Da­mals war das ei­ne Sen­sa­ti­on.

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Südwestumschau -

Karls­ru­he. Als 1893 in Karls­ru­he das ers­te deut­sche Mäd­chen­gym­na­si­um er­öff­ne­te, war zu­nächst kaum Un­ter­richt mög­lich: Aus dem gan­zen Kai­ser­reich sei­en in den ers­ten Wo­chen Ver­tre­terin­nen der Frau­en­be­we­gung nach Karls­ru­he ge­kom­men, um sich das „un­ge­heu­re Ge­sche­hen“an­zu­schau­en, er­zählt Su­san­ne Asche, Lei­te­rin des Karls­ru­her Kul­tur­amts. Vor 125 Jah­ren, am 16. Sep­tem­ber 1893, war Er­öff­nung.

Ei­ne noch frü­he­re Initia­ti­ve, Mäd­chen ei­ne hö­he­re Bil­dung zu­kom­men zu las­sen, gab es 1818 in Stutt­gart. Das „Kö­nig­li­che Er­zie­hungs­in­sti­tut“, spä­ter Kö­ni- gin-kat­ha­ri­na-stift, wur­de je­doch erst 1953 ein Gym­na­si­um. Im 19. Jahr­hun­dert zwei­fel­ten vie­le Men­schen, ob Mäd­chen ge­nau­so be­last­bar sei­en wie Jun­gen und sich ge­nau­so ernst­haft mit Lern­in­hal­ten aus­ein­an­der­set­zen könn­ten. Ver­tre­ter der Stadt Karls­ru­he be­such­ten den Mäd­chen-un­ter­richt we­ni­ge Wo­chen nach der Er­öff­nung – und ga­ben Ent­war­nung: „Die Leis­tun­gen der Schü­le­rin­nen sei­en ge­ra­de­zu stau­nens­wert ge­we­sen. Von Über­an­stren­gung der­sel­ben ha­be man nichts mer­ken kön­nen“, heißt es im „Karls­ru­her Tag­blatt“vom 5. No­vem­ber 1893.

Jah­re­lang hat­te die Frau­en­recht­le­rin Hed­wig Kett­ler (18511937) mit ih­rem Ver­ein „Frau­en­bil­dungs-re­form“in al­len Staa­ten des Deut­schen Reichs ver­geb­lich für ein Mäd­chen­gym­na­si­um ge­wor­ben. Nur im Groß­her­zog­tum Ba­den stieß sie auf Sym­pa­thie für ihr An­lie­gen.

1899 leg­ten im Ge­bäu­de des heu­ti­gen Karls­ru­her Fich­te-gym­na­si­ums die ers­ten vier ihr Abitur ab: Ra­hel Goit­ein, Jo­han­na Kap­pes, Au­gus­te Main­zer und Mag­da­le­na Meub. Ra­hel Goit­ein war dann ers­te Me­di­zin­stu­den­tin in Hei­del­berg. Su­san­ne Christine Süß-de­muth, epd

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