An­ti­se­mi­tis­mus steht im Zen­trum

Thea­ter Das LTT er­öff­net mit Max Frischs „An­dor­ra“am Sams­tag die neue Sai­son.

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Kultur Region -

Tü­bin­gen. Max Frischs „An­dor­ra“ist die ers­te Pre­mie­re des Jun­gen LTT un­ter neu­er Lei­tung. Am heu­ti­gen Sams­tag, 15. Sep­tem­ber, bringt Re­gis­seu­rin Fan­ny Brun­ner die dra­ma­ti­sche Pa­ra­bel über Ras­sis­mus und Aus­gren­zung auf die Büh­ne. Der Klas­si­ker von Max Frisch ist für jun­ge Men­schen ab 14 Jah­ren auf­wärts ge­eig­net. Gleich­zei­tig er­öff­net da­mit das Landestheater die neue Sai­son.

Als Max Frischs Stück ur­auf­ge­führt wird, steht in sei­nem Zen­trum der An­ti­se­mi­tis­mus. Heu­te, 57 Jah­re spä­ter, steht er im Zen­trum der öf­fent­li­chen De­bat­te. Im­mer noch? Wie­der ein­mal? Und wie da­mit um­ge­hen? Re­gis­seu­rin Fan­ny Brun­ner, Grün­de­rin der Frei­en Grup­pe „drei­zehn­ter­ja­nu­ar“, die „An­dor­ra“am Jun­gen LTT in­sze­niert, setzt sich mit ge­nau die­sen Fra­gen aus­ein­an­der. „Ich ver­su­che, so frei wie nö­tig und mög­lich, der In­ten­ti­on des Au­tors auf ei­ne zeit­ge­mä­ße Art ge­recht zu wer­den“, er­klärt sie ih­re Her­an­ge­hens­wei­se. „Wir ha­ben zum Bei­spiel auf ei­ne zeit­li­che und räum­li­che Ver­or­tung der Ge­scheh­nis­se kom­plett ver­zich­tet. Da­für ha­ben wir nun auch Zeit für fan­tas­ti­sche Songs und Im­pro­vi­sa­tio­nen, die auf ei­ner ganz an­de­ren Ebe­ne wir­ken sol­len.“

Er­zählt wird die Ge­schich­te des jü­di­schen Fin­del­kin­des An­dri, der aus dem Land der an­ti­se­mi­ti­schen „Schwar­zen“ge­ret­tet und im fik­ti­ven Kle­in­staat An­dor­ra auf­ge­zo­gen wird. Von der an­dor­ra­ni­schen Be­völ­ke­rung bes­ten­falls ge­dul­det, stößt er im Lau­fe sei­nes Her­an­wach­sens auf An­fein­dun­gen und Vor­ur­tei­le. Selbst als sich her­aus­stellt, dass An­dri gar nicht jü­disch ist, hält er an der ihm zu­ge­wie­se­nen Iden­ti­tät fest. Oh­ne den Rück­halt der An­dor­ra­ner je­doch kommt es zur Ka­ta­stro­phe, als An­dor­ra von den „Schwar­zen“über­fal­len wird.

„Mir lag von An­fang an am Her­zen, das Pa­ra­bel­haf­te am Ein­zel­schick­sal An­d­ris zu un­ter­strei­chen“, sagt Fan­ny Brun­ner, denn Max Frisch hat das Stück kon­zi­piert als po­li­ti­sche Pa­ra­bel und Fall­bei­spiel in ei­nem. Die Re­gis­seu­rin be­tont aber auch: „Es ist wirk­lich ei­ne Grat­wan­de­rung, et­was von Ju­den­feind­lich­keit zu er­zäh­len, oh­ne ge­wis­se Ste­reo­ty­pe zu re­pro­du­zie­ren. Was ich hin­ge­gen lie­be, sind Über­trei­bung und Zu­spit­zung. Die Karikatur legt al­les bloß. Sie ist lehr­reich und un­ter­halt­sam zugleich.“Wie al­so wird der Um­gang mit die­sen Ste­reo­ty­pen auf der Büh­ne aus­se­hen? „Wir ha­ben die Schau­spie­le­rin­nen und Schau­spie­ler der Auf­ga­be ent­ho­ben, be­stimm­te Rol­len­ver­hal­ten dar­stel­len zu müs­sen. Mit­hil­fe ei­nes büh­nen­bild­ne­ri­schen und in­sze­na­to­ri­schen Tricks ge­ben wir ih­nen die Mög­lich­keit, sich als Per­for­me­rin­nen und Per­for­mer zu den scha­blo­nen­haft ge­stal­te­ten Fi­gu­ren ver­hal­ten und auf sie re­agie­ren zu kön­nen. Mehr ver­ra­te ich nicht.“swp

Info „An­dor­ra“von Max Frisch (ab 14 Jah­ren), mit Jo­nas Breit­stadt, Ru­pert Haus­ner, In­sa Je­bens, Eli­as Popp, Kris­tin Schein­hüt­te. Pre­mie­re ist heu­te, Sams­tag, 15. Sep­tem­ber, um 20 Uhr in der Werk­statt. Wei­te­re Vor­stel­lun­gen sind am 21. Sep­tem­ber, so­wie 9., 10., 12., 19., 25. und 27. Ok­to­ber. Kar­ten un­ter Te­le­fon (0 70 71) 15 92-49 oder auf www.landestheater-tu­e­bin­gen.de.

Re­gis­seu­rin Fun­ny Brun­ner bringt „An­dor­ra“auf die Ltt-büh­ne. Fo­to: Fun­ny Brun­ner

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