Städ­te fei­ern ih­re Sil­ber­hoch­zeit

Met­zin­gen Ei­ne gro­ße De­le­ga­ti­on aus Na­gy­kál­ló ist seit Frei­tag zu Gast im Erm­s­tal. Deut­sche und Un­garn wol­len ge­mein­sam auf ih­re vor 25 Jah­ren ge­schlos­se­ne Part­ner­schaft an­sto­ßen. Von Re­gi­ne Lot­te­rer

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Vorderseite -

Met­zin­gen. Ei­ne gro­ße De­le­ga­ti­on aus dem un­ga­ri­schen Na­gy­kál­ló ist seit Frei­tag zu Gast im Erm­s­tal. Deut­sche und Un­garn wol­len näm­lich ge­mein­sam auf ih­re vor 25 Jah­ren of­fi­zi­ell ge­schlos­se­ne Städ­te-part­ner­schaft an­sto­ßen.

Als die ers­ten Be­su­cher aus Na­gy­kál­ló ins Erm­s­tal ge­reist sind, trenn­te noch der Ei­ser­ne Vor­hang die Län­der Eu­ro­pas. Sei­ner­zeit, Mit­te der 1980er Jah­re, ka­men die Un­garn mit dem Wunsch nach Met­zin­gen, mehr über mo­der­ne Fer­ti­gungs­me­tho­den in der Tex­til­in­dus­trie zu er­fah­ren. Da­zu hat­ten sie Kon­tak­te zur alt­ein­ge­ses­se­nen Fir­ma Ga­ens­len & Völ­ter ge­knüpft. Aus die­sen ers­ten ge­schäft­li­chen Be­zie­hun­gen ent­stand schnell mehr, Bür­ger und Ver­ei­ne knüpf­ten Freund­schaf­ten.

Ein er­eig­nis­rei­ches Vier­tel­jahr­hun­dert ist ver­gan­gen, seit der da­ma­li­ge Met­zin­ger Ober­bür­ger­meis­ter Gott­hard Her­zig und sein un­ga­ri­scher Amts­kol­le­ge Já­nos Fo­dor die Freund­schaft zwi­schen bei­den Städ­ten of­fi­zi­ell be­sie­gel­ten. Am Frei­tag ist ei­ne gro­ße De­le­ga­ti­on aus Na­gy­kál­ló in der Sie­ben-kel­tern-stadt an­ge­kom­men, um mit den deut­schen Freun­den auf die­ses Ju­bi­lä­um an­zu­sto­ßen und um ge­mein­sam auf das Er­reich­te zu­rück­zu­bli­cken.

Vie­le Grup­pen, Ver­ei­ne, Bür­ger und Of­fi­zi­el­le aus bei­den Städ­ten ha­ben in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren ei­ne 1200-Ki­lo­me­ter-rei­se auf sich ge­nom­men, um mit­ein­an­der am Haus Eu­ro­pa zu bau­en. Dass dies nach Jahr­zehn­ten des Kal­ten Krie­ges mög­lich wur­de, ist nicht zu­letzt den Un­garn zu ver­dan­ken, die 1989 die ers­ten wa­ren, die den Ei­ser­nen Vor­hang öff­ne­ten. Be­reits 1990 fuh­ren dann die ers­ten Met­zin­ger nach Na­gy­kál­ló, der Trach­ten­ver­ein Glems und die Trach­ten­trä­ger der Su­de­ten­deut­schen Lands­mann­schaft ver­tra­ten da­mals er­folg­reich die Met­zin­ger Far­ben in Un­garn. Die Ma­gya­ren re­van­chier­ten sich mit ei­nem tem­pe­ra­ment­vol­len Auf­tritt wäh­rend der 900-Jahrfei­er Neu­hau­sens.

Frucht­brin­gen­de Kon­tak­te ent­stan­den zu­dem zwi­schen dem Dietrich-bon­hoef­fer-gym­na­si- um und dem Korá­nyi-fri­gyes-gym­na­si­um, das schon in den 1990er Jah­ren ei­nen bi­lin­gua­len Zug be­saß. Des­halb konn­ten die äl­te­ren Schü­ler prak­ti­scher Wei­se bei den ge­gen­sei­ti­gen Be­su­chen als Dol­met­scher fun­gie­ren.

Der 1993 ge­grün­de­te Part­ner­schafts­ver­ein Met­zin­gen-na­gy­kál­ló hat sich nicht zu­letzt die Auf­ga­be ge­stellt, den Nach­wuchs in sei­ne Ar­beit ein­zu­bin­den. Aus die­sem Grund wer­den für Ju­gend­li­che aus Un­garn seit vie­len Jah­ren Prak­ti­ka und Fe­ri­en­jobs in Met­zin­gen or­ga­ni­siert, da­mit die­se Deutsch ler­nen und ih­ren Ho­ri­zont er­wei­tern kön­nen. Min­des­tens vier Ju­gend­li­che sind je­den Som­mer zu Gast im Erm­s­tal. Ein­bli­cke er­hal­ten sie un­ter an­de­rem in die Ar­beit des Bau­hofs, der städ­ti­schen Kin­der­gär­ten oder des Fe­ri­en­tag­heims. Im Ju­bi­lä- um­s­jahr wa­ren so­gar acht jun­ge Un­garn zu Be­such.

Die wirt­schaft­li­chen Kon­tak­te, die am An­fang der deutsch-un­ga­ri­schen Freund­schaft stan­den, sind üb­ri­gens schnell im San­de ver­lau­fen. Die Tex­til­in­dus­trie in Na­gyál­ló über­leb­te das En­de des Ost­blocks und da­mit den Weg­fall der al­ten Ab­satz­märk­te in den so ge­nann­ten so­zia­lis­ti­schen Bru­der­län­dern nur um we­ni­ge Jah­re. Auch die Tra­di­ti­ons­fir­ma Ga­ens­len und Völ­ter exis­tiert in­zwi­schen nicht mehr. Auf dem ehe­ma­li­gen Werks­ge­län­de ent­ste­hen im Au­gen­blick neue Ge­bäu­de der Out­let­ci­ty. Ge­blie­ben und ge­wach­sen sind da­ge­gen die Freund­schaf­ten zwi­schen den Bür­gern bei­der Städ­te, zwi­schen Fuß­bal­lern und Mu­si­kern, zwi­schen Feu­er­wehr­leu­ten und Tän­zern, die al­le ge­mein­sam an ei­ner Brü­cke bau­en, die mehr als 1000 Ki­lo­me­ter zu über­span­nen ver­mag.

Am Frei­tag kam ei­ne die un­ga­ri­sche De­le­ga­ti­on am Fal­ken­berg­haus in Met­zin­gen an. Trach­ten­grup­pen aus bei­den Städ­ten ha­ben schnell Kon­tak­te ge­knüpft, auch im Ko­chen un­ga­ri­scher Ge­rich­te üb­ten sich die Met­zin­ger schon. Eck­art Ruopp und Dr. Frie­der Ga­ens­len er­hiel­ten 2012 die Eh­ren­bür­ger­wür­de von Na­gy­kál­ló. Fo­tos: Tho­mas Kiehl/privat

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