„Größ­tes Un­ver­ständ­nis“

Ge­werk­schaf­ten Ein Tref­fen samt Fo­to des Gdp-lan­des­chefs mit der Afd-land­tags­frak­ti­on sorgt un­ter den Dgb-mit­glie­dern für mäch­tig Är­ger. Von Ro­land Mu­schel

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Südwestumschau -

Land­auf, land­ab gren­zen sich die mehr­heit­lich im lin­ken Spek­trum ver­or­te­ten Ge­werk­schaf­ten von der AFD ab, wohl wis­send, dass die Par­tei auch un­ter ih­ren Mit­glie­dern nicht we­ni­ge An­hän­ger hat. „21 Ar­gu­men­te ge­gen Rechts­po­pu­lis­ten“hat et­wa der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) in Nord­rhein-west­fa­len zu­sam­men­ge­tra­gen. Ta­rif­ver­trä­ge, heißt es dort, wür­den für al­le Be­schäf­tig­ten gel­ten, „egal ob Deut­scher oder Aus­län­der, Christ oder Mos­lem, Frau oder Mann“. Der Bun­des­vor­stand der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GDP) hat 2017 ei­ne „Hand­lungs­hil­fe“zum Um­gang mit der AFD be­schlos­sen, in der die­se als „ge­werk­schafts­feind­li­che Par­tei“ge­brand­markt wird.

Be­schluss­la­ge ist ein­deu­tig

Die Be­schluss­la­ge des Dgb-be­zirks Ba­den-würt­tem­berg ist eben­falls ein­deu­tig: Man wer­de „un­ge­ach­tet des Ein­zugs der AFD in den Land­tag von Ba­den-würt­tem­berg kei­nen Kon­takt zu der Par­tei oder ih­rer Land­tags­frak­ti­on auf­neh­men“, heißt es in ei­nem Vor­stands­be­schluss vom No­vem­ber 2016. Den Dgb-mit­glieds­ge­werk­schaf­ten – da­zu zählt auch die GDP – wird in dem Be­schluss emp­foh­len, „sich eben­so zu ver­hal­ten“.

An­ge­sichts der ein­deu­ti­gen Po­si­tio­nie­run­gen sorgt ein kürz­lich er­folg­tes Tref­fen von Gdp-lan- des­chef Hans-jür­gen Kirstein und zwei­er wei­te­rer Mit­glie­der des Gdp-lan­des­vor­stands mit Mit­glie­dern der Afd-land­tags­frak­ti­on hin­ter den Ku­lis­sen für Är­ger im Ge­werk­schafts­la­ger. Das GD­P­T­rio hat­te sich nach dem Ge­spräch auch noch zu­sam­men mit den Afd-po­li­ti­kern vor ei­ner Wand ab­lich­ten las­sen, auf der die AFD ihr Lo­go plat­ziert hat. Es schwebt auf dem Fo­to di­rekt über Kirstein. Das Bild hat die Afd-frak­ti­on in den so­zia­len Me­di­en ver­brei­tet, gar­niert mit der In­for­ma­ti­on, dass man „äu­ßerst in­ter­es­san­te und tief­grei­fen­de Ge­sprä­che“mit der Ge­werk­schaft der Po­li­zei ge­führt ha­be.

In­tern soll Kirstein, der für ei­ne Stel­lung­nah­me am Frei­tag nicht zu er­rei­chen war, das Vor­ge­hen da­mit be­grün­det ha­ben, dass man we­gen ei­nes Fachthe­mas aus­nahms­wei­se ein­mal auch das Ge­spräch mit der Afd-frak­ti­on ge­sucht ha­be und ein Tref­fen Oli­ver Mal­chow Gdp-bun­des­vor­sit­zen­der

mit ei­ner im Land­tag ver­tre­te­nen Par­tei le­gi­tim sei.

Der Gdp-bun­des­vor­sit­zen­de Oli­ver Mal­chow hat da­für in­des über­haupt kein Ver­ständ­nis und Kirstein in äu­ßerst schar­fer Form zu­recht­ge­wie­sen. Mit „blan­kem Ent­set­zen“ha­be der Bun­des­vor­stand das Tref­fen zur Kennt­nis neh­men müs­sen, heißt es in ei­nem Schrei­ben Mal­chows an Kirstein, das der SÜD­WEST PRES­SE vor­liegt. Das Vor­ge­hen ha­be im Bun­des­vor­stand „für größ­tes Un­ver­ständ­nis und auch er­heb­li­chen Är­ger“ge­sorgt. Er sei da­her „ein­stim­mig be­auf­tragt“wor­den, zu über­mit­teln, „mit welch gro­ßer Ab­leh­nung und auch Ab­nei­gung eu­re Ak­ti­on auf­ge­nom­men wur­de“. Und wei­ter: „Ihr habt uns als Or­ga­ni­sa­ti­on mit eu­rem Vor­ge­hen in ein äu­ßerst schlech­tes Licht ge­bracht und sorgt für schar­fe Nach­fra­gen, u.a. aus den Rei­hen der Schwes­ter-ge­werk­schaf­ten.“

Ihr habt uns mit eu­rem Vor­ge­hen in ein äu­ßerst schlech­tes Licht ge­bracht.

Der St­ein des An­sto­ßes: Ein Tref­fen von Gdp-lan­des­chef Hans-jür­gen Kirstein (fünf­ter von rechts) mit der Afd-frak­ti­on im Land­tag. Die Par­tei ver­öf­fent­lich­te das Fo­to da­nach auf Face­book.Fo­to: Afd-frak­ti­on im Land­tag von Ba­den-würt­tem­berg/ Face­book

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