Zwei Neu­häu­ser und ih­re Aben­teu­er auf Sri Lan­ka

Neu­hau­sen Hei­ner Löff­ler und Frie­de­mann Sal­zer wa­ren mit dem Fahr­rad für den gu­ten Zweck un­ter­wegs. Sie set­zen sich ein für ge­lähm­te Kin­der. Von Pe­ter Kie­da­isch

Südwest Presse (Metzinger Uracher Volksblatt / Der Ermstalbote) - - Vorderseite -

Neu­hau­sen. Hei­ner Löff­ler und Frie­de­mann Sal­zer set­zen sich für ge­lähm­te Kin­der ein. Über ih­re Er­leb­nis­se be­rich­ten sie kom­men­de Wo­che im Ge­mein­de­zen­trum.

Die zwei Freun­de Hei­ner Löff­ler und Frie­de­mann Sal­zer sind in zehn Ta­gen 1400 Ki­lo­me­ter mit dem Renn­rad ge­fah­ren. Das wä­re gar nicht mal wei­ter er­wäh­nens­wert, doch ih­re Tour führ­te sie vor­bei an Ele­fan­ten, Wa­ra­nen und an­de­rem Ge­tier, und zwar auf Sri Lan­ka. Ein Mal über­fuhr ihr Tross, be­ste­hend aus ins­ge­samt 30 Rad­fah­rern, auch ei­ne un­vor­sich­ti­ge Schlan­ge, die ih­ren Aus­flug über den As­phalt mit dem Le­ben be­zah­len muss­te.

Die bei­den Freun­de wa­ren nicht des Spa­ßes we­gen auf der In­sel im In­di­schen Oze­an, ob­wohl ih­re Rund­fahrt um ganz Sri Lan­ka durch­aus un­ter­halt­sam war, wie sich Frie­de­mann Sal­zer er­in­nert: „Es war ei­ne un­wahr­schein­lich aben­teu­er­li­che Rei­se.“

An­ge­fan­gen hat al­les vor drei Jah­ren in Lon­don. Hei­ner Löff­ler schau­te sich da­mals ei­ni­ge Spie­le der Rugby-welt­meis­ter­schaft an. Dort traf er ei­nen Be­kann­ten. Der er­zähl­te ihm vom Leid der Kin­der auf Sri Lan­ka, die we­gen wel­chen Grün­den auch im­mer auf den Roll­stuhl an­ge­wie­sen sind, aber kei­nen be­kom­men, weil das Geld da­für nicht da ist. Um es zu be­schaf­fen, ha­ben aber ei­ni­ge ein­fluss­rei­che Per­sön­lich­kei­ten ei­ne Be­ne­fiz-fahr­rad­tour ins Le­ben ge­ru­fen. Das funk­tio­niert so: Wer mit­fah­ren möch­te, be­zahlt 1500 Eu­ro, da ist frei­lich al­les da­bei, au­ßer der Flug. Wo­bei „al­les“un­ter Um­stän­den nicht viel sein muss, denn die Tour ist un­ter­teilt in 14 Etap­pen, über­nach­tet wird un­ter­wegs, auch dann, wenn kein Ho­tel in der Nä­he ist. In sol­chen Fäl­len er­wies es sich für die bei­den Erm­stä­ler als hilf­reich, dass ein ein­fluss­rei­cher Mi­li­tär aus Sri Lan­ka mit­fuhr. Wenn gar nichts ging, or­ga­ni­sier­te er für die Rad­fah­rer ei­ne Zelt­stadt, flugs auf­ge­baut von Sol­da­ten, ein Mal über­nach­te­ten al­le in ei­ner Ma­ri­ne­ba­sis. Auch an­de­res er­in­ner­te Löff­ler und Sal­zer an den erst vor neun Jah­ren be­en­de­ten Bür­ger­krieg: „Wir sind durch ein Mi­nen­feld ge­fah­ren“, be­rich­tet Löff­ler. Das war in­so­fern ein kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko als ein Räum­team al­len Fah­rern ei­nen Pfad wies, den sie tun­lichst nicht ver­las­sen durf­ten, denn nur we­ni­ge Me­ter da­von ent­fernt wa­ren schar­fe Mi­nen. Aber wer eu­ro­päi­sche Si­cher­heits­vor­schrif­ten kennt, hat­te min­des­tens ein mul­mi­ges Ge­fühl. Da­für sorg­ten auch fri­sche Ja­gu­ar­spu­ren, die an den abends auf­ge­stell­ten Zel­ten vor­bei­führ­ten. Oder Wa­ra­ne, die über die Stra­ße schlen­der­ten. Ein Ele­fant blieb ganz und gar ste­hen, bis man ihn ver­mit­tels ei­nes Kür­bis­ses doch noch auf ei­ne Wie­se lo­cken konn­te. Ach so: Die Ja­gu­ar­spu­ren stamm­ten nicht von ei­nem Au­to.

Um 21 Uhr ging’s ins Bett, We­cken war um 4 an­ge­ord­net, um 5 fuhr der Tross los, um der nach­mit­täg­li­chen Brut­hit­ze zu ent­kom­men.

Ein Ele­fant blo­ckiert die Stra­ße: Das kann dau­ern. Fo­to: Pri­vat

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