„Kei­nes­falls her­aus­zie­hen“

Südwest Presse (Ulm) - - Themen Des Tages / Politik -

Über die Ge­fah­ren von Mes­ser­an­grif­fen spricht Dr. Stefan Schul­zdrost, Ober­arzt der Kli­nik für Un­fall­chir­ur­gie im Un­fall­kran­ken­haus Ber­lin.

War­um sind Stich­ver­let­zun­gen so ge­fähr­lich? Stefan Schulz-drost:

Stich­ver­let­zun­gen kön­nen jen­seits der sicht­ba­ren Ver­let­zun­gen der Haut tie­fe Or­gan­struk­tu­ren ver­let­zen. Wird ein Ge­fäß ge­trof­fen, dann ver­blu­tet der Mensch. Trifft es die Haupt­schlag­ader, ge­schieht das in­ner­halb we­ni­ger Mi­nu­ten. Zum Glück ist sie re­la­tiv gut vom Brust­korb ge­schützt. Da­her ist die­se Kom­pli­ka­ti­on sehr sel­ten.

Wel­che Kör­per­re­gio­nen sind am stärks­ten ge­fähr­det?

Trifft es Ar­me oder Bei­ne, kann ein Stich mit ei­nem Mes­ser zum Funk­ti­ons­ver­lust füh­ren, et­wa, wenn Ner­ven oder Blut­ge­fä­ße ge­trof­fen wur­den. Je nä­her man zum Rumpf kommt, um­so ge­fähr­li­cher wird es, denn dort lie­gen die le­bens­wich­ti­gen Or­ga­ne, und die Ge­fä­ße wer­den im­mer grö­ßer. Ei­ne Ver­let­zung der Herz­kranz­ge­fä­ße kann durch die Blu­tung das Herz er­drü­cken, so dass es nicht mehr schlägt. Bei ei­ner Ver­let­zung der Lun­ge kann es da­zu kom­men, dass der ge­trof­fe­ne Lun­gen­flü­gel kol­la­biert. Mit je­dem Atem­zug ge­langt so Luft in den Brus­t­raum, die aber nicht ent­wei­chen kann, weil die Wun­de wie ein Ven­til wirkt. Durch den ent­ste­hen­den Druck wird der Blut­kreis­lauf re­gel­recht ab­ge­quetscht. Aber auch Hals und Leis­te sind ge­fähr­de­te Kör­per­re­gio­nen.

Wie kann man hel­fen?

Zu­nächst ist es wich­tig, auf den Ei­gen­schutz zu ach­ten und schnells­tens die Ret­tung zu alar­mie­ren. Kei­nes­falls das Mes­ser, das even­tu­ell noch im Kör­per steckt, her­aus­zu­zie­hen. Das kann zwar schwe­re in­ne­re Ver­let­zun­gen ver­ur­sacht ha­ben. So­lan­ge es aber im Kör­per steckt, wirkt es meist wie ei­ne Art Stöp­sel.

Wie hoch ist das To­des­ri­si­ko?

Stich- und Schuss­ver­let­zun­gen ma­chen et­wa fünf Pro­zent al­ler Ver­let­zun­gen aus, die von Un­fall­chir­ur­gen be­han­delt wer­den. Der Sta­tis­tik zu­fol­ge ster­ben et­wa sechs bis sie­ben Pro­zent der Schwer­ver­letz­ten dar­an. Wur­de al­ler­dings das Herz ge­trof­fen, dann steigt die To­des­ra­te sprung­haft auf mehr als zwei Drit­tel an.

Gibt es Al­ters­grup­pen, die be­son­ders be­trof­fen sind?

Nein, das geht vom jun­gen Er­wach­se­nen hoch bis ins Al­ter. Die meis­ten Fäl­le sind Op­fer häus­li­cher Ge­walt und Men­schen, die sich selbst tö­ten woll­ten, aber auch völ­lig un­be­tei­lig­te Op­fer jeg­li­chen Al­ters, die auf der Stra­ße nie­der­ge­sto­chen wur­den.

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