Bun­des­trai­ner möch­te die Af­fä­re Er­do­gan sport­lich lö­sen

Na­tio­nal­mann­schaft Löw geht da­von aus, dass die zu­letzt scharf kri­ti­sier­ten Spie­ler Özil und Gün­do­gan in Best­form zum ers­ten Wm-spiel an­tre­ten. Von Ar­min Gras­muck

Südwest Presse (Ulm) - - Fussball−wm In Russland -

Das rich­ti­ge Ge­spür für den Au­gen­blick ist ei­ne der her­vor­ste­chen­den Ei­gen­schaf­ten des Fuß­ball­leh­rers Joa­chim Löw. Er zeigt Här­te, wenn es sein muss. Braucht ein Spie­ler et­was Zu­spruch, fin­det Joa­chim Löw ga­ran­tiert die pas­sen­den Wor­te. In sei­nem ers­ten Auf­tritt im Rah­men der Welt­meis­ter­schaft zeig­te er ein völ­lig neu­es Ge­sicht. Der Bun­des­trai­ner schien kon­zen­triert und an­ge­spannt bis in die Fuß­spit­zen. Sein Blick wirk­te fest bis be­droh­lich. Klar for­mu­lier­te er sei­ne Wor­te: „Al­les ist auf Sonn­tag aus­ge­rich­tet“, sag­te Löw in Wa­tu­tin­ki, wo die deut­sche Mann­schaft ihr Wm-quar­tier auf­ge­schla­gen hat. Es hör­te sich an wie: We­he, es kommt mir ei­ner in Que­re!

Nur noch drei Ta­ge hat er Zeit, sei­ne Spie­ler in den Wett­kampf­mo­dus zu be­för­dern. Ein­zel­schick­sa­le oder lei­di­ge The­men wie die Af­fä­re Er­do­gan, die den Spie­lern Me­sut Özil und Il­kay Gün­do­gan zu­letzt stark zu­setz­te, emp­fin­det der Bun­des­trai­ner in der Pha­se als stö­rend. Er kämpft um das von ihm aus­ge­ge­be­ne Ziel, den Ti­tel zu ver­tei­di­gen. „Bei­de Spie­ler wa­ren si­cher von der Si­tua­ti­on be­ein­druckt und ha­ben ge­lit­ten“, sag­te Löw. „Ich muss sie so weit in Form brin­gen, dass sie in den Flow kom­men und un­se­rer Mann­schaft hel­fen.“

An­flug der Glück­se­lig­keit

Die rus­si­sche Luft scheint be­le­bend zu wir­ken. Im ers­ten Trai­ning agier­ten Gün­do­gan und Özil wie frisch auf­ge­la­den. Sie ga­ben sich be­tont lo­cker. Gün­do­gan rann­te viel und setz­te Ma­nu­el Neu­er gleich den ers­ten Voll­tref­fer in die Ma­schen. Und Özil, der nor­ma­ler­wei­se kei­ne Am­bi­tio­nen auf den Ein­satz als Gu­te-lau­neon­kel hegt, lach­te und feix­te, da­mit wirk­lich je­der den für sei­ne Ver­hält­nis­se höchst un­ge­wöhn­li­chen An­flug der Glück­se­lig­keit ver­neh­men konn­te.

„Ich er­war­te, dass je­der sich für Deutsch­land ein­setzt, mit al­lem, was er hat“, ver­such­te denn auch Reinhard Gr­in­del, der Prä­si­dent des Deut­schen Fuß­bal­lbun­des, der ne­ben Löw Platz ge­nom­men hat­te, zu be­feh­li­gen. An die Adres­se des bis­lang zur Af­fä­re schwei­gen­den Özil schob er hin­ter­her: „Und wenn er schon in In­ter­views kei­ne Ant­wort ge­ben will, dann auf dem Platz. Ich weiß, dass Me­sut und Il­kay da­zu be­reit sind.“Özil, der sich zu­letzt mit Rü­cken­pro­ble­men plag­te, ist für die Auf­takt­par­tie am Sonn­tag im Lu­sch­ni­ki-sta­di­on ge­gen Me­xi­ko of­fen­bar ein­satz­be­reit.

Die ers­ten Ein­drü­cke der deut­schen Spie­ler und Ver­ant­wort­li­chen, die rund 40 Ki­lo­me­ter süd­west­lich der Mos­kau­er In­nen­stadt un­ter­ge­bracht sind, sind po­si­tiv. Zwar ver­sprüht das „Ho­tel Wa­tu­tin­ki Spa Com­plex“, in dem die sie un­ter­ge­bracht sind, laut dem Bun­des­trai­ner „den Charme ei­ner gu­ten Sport­schu­le. Aber wir dür­fen kei­ne Ener­gie ver­geu­den und müs­sen die Din­ge so an­neh­men, wie sie sind.“

Fast al­le Spie­ler ar­bei­ten nach den lan­gen Wo­chen im Trai­nings­la­ger nun ge­zielt an ih­rer Sprit­zig­keit. Der Mix aus kon­zen­trier­tem Ein­satz und Spaß am Ball wirkt wie ein pro­ba­tes Mit­tel.

Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw. Fo­to: Pa­trik Stol­larz/afp

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