Ge­mein­sam ge­gen Ab­schot­tung

Spa­ni­en An­ge­la Mer­kel ver­bringt mit ih­rem Kol­le­gen Pe­dro Sán­chez ein Ar­beits­wo­chen­en­de. Ein The­ma ist die Mi­gra­ti­on.

Südwest Presse (Ulm) - - Themen Des Tages / Politik -

Ber­lin/ma­drid. Wenn An­ge­la Mer­kel ne­ben Pe­dro Sán­chez steht, strahlt sie. Viel­leicht ist es Zu­fall, dass die Fo­to­gra­fen im­mer ent­spann­te Mo­men­te zwi­schen der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin und dem spa­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten er­wi­schen. Aber es gibt jetzt, nach den gut zwei Mo­na­ten, die Sán­chez im Amt ist, schon ei­ne gan­ze Men­ge Bil­der von den bei­den. Sie ver­mit­teln Ein­ver­ständ­nis. Oder, in den Wor­ten von Sán­chez: Es ge­be ei­ne „po­si­ti­ve und kon­struk­ti­ve Be­zie­hung“.

Das soll­te ja der Nor­mal­fall sein. Seit der Rück­kehr Spa­ni­ens zur De­mo­kra­tie nach dem Tod Fran­cos En­de 1975 ha­ben sich die bei­den Län­der im­mer or­dent­lich ver­tra­gen. Zwei, die sich be­son­ders gut ver­stan­den, wa­ren Fe­li­pe Gon­zá­lez und Hel­mut Kohl.

So sieht es nun wie­der aus. Sán­chez‘ kon­ser­va­ti­ver Vor­gän­ger Ma­ria­no Ra­joy stand im Ruf, ei­ner der treu­es­ten Ver­bün­de­ten Mer­kels zu sein. Ra­joy mach­te Mer­kel wäh­rend der Wirt­schafts­kri­se kei­nen Är­ger, er ge­hör­te nicht zu de­nen, die al­le Übel Eu­ro­pas der deut­schen Kanz­le­rin und ih­rem Fi­nanz­mi­nis­ter an­las­te­ten. Das war schon was. An­sons­ten hielt sich Ra­joy aber aus der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik her­aus. Viel­leicht war er so­wie­so nicht zum Po­li­ti­ker ge­bo­ren. Nach­dem Sán­chez ihn An­fang Ju­ni per Miss­trau­ens­vo­tum ge­stürzt hat­te, kehr­te Ra­joy flucht­ar­tig auf sei­nen Pos­ten als Grund­buch­be­am­ter zu­rück, den er 28 Jah­re zu­vor ver­las­sen hat­te.

Rich­ti­ger Mann für die Kanz­le­rin

Vom So­zia­lis­ten Sán­chez könn­te man sich ei­ne sol­che Ges­te nicht vor­stel­len. Er will Po­li­tik ma­chen. Und er will ei­ne ge­wich­ti­ge Stim­me in Eu­ro­pa sein. Nach sei­nem An­tritt­be­such in Ber­lin am 26. Ju­ni gab der Ma­dri­der Mon­cloa-pa­last die Mel­dung her­aus: „Pe­dro Sán­chez ver­ein­bart mit An­ge­la Mer­kel, die Kon­struk­ti­on Eu­ro­pas wie­der­zu­be­le­ben.“Selbst­be­wusst­sein ge­paart mit Op­ti­mis­mus. Das ist der rich­ti­ge Mann für Mer­kel.

Das in­ter­na­tio­na­le po­li­ti­sche Um­feld ist heu­te ein an­de­res als zu Kohls und Gon­zá­lez’ Zei­ten. Sán­chez‘ Au­ßen­mi­nis­ter Jo­sep Bor­rell gab vor ein paar Ta­gen dem deut­schen Han­dels­blatt ein In­ter­view, in dem er un­ter an­de­rem die „bru­ta­le Ab­schot­tungs­po­li­tik“des ita­lie­ni­schen In­nen­mi­nis­ters Mat­teo Sal­vi­ni ge­gen Mi­gran­ten be­klag­te, „ei­ne Po­li­tik nicht nur auf Kos­ten von Spa­ni­en, son­dern auf Kos­ten ganz Eu­ro­pas“. In der ge­mein­sa­men Ab­gren­zung ge­gen ei­nen Au­to­kra­ten­freund wie Sal­vi­ni spielt es kei­ne Rol­le, dass Mer­kel Christ­de­mo­kra­tin und Sán­chez So­zia­list ist. Ih­re Hal­tung zur Mi­gra­ti­on ist ei­ne ähn­li­che: of­fe­ne Ar­me für Flücht­lin­ge, schnel­le Rück­füh­rung von il­le­gal ein­ge­reis­ten Ar­beits­mi­gran­ten.

Mer­kel wird Sán­chez die­sen Sams­tag für ein „Ar­beits­wo­chen­en­de“im an­da­lu­si­schen San­lú­car de Bar­ra­me­da be­su­chen. Nicht weit von dort kom­men bei­na­he täg­lich die Mi­gran­ten­boo­te aus Nord­afri­ka an.

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