Das gro­ße Rei­ne­ma­chen am Rhein

Um­welt An und in Deutsch­lands längs­tem Fluss fin­det sich ton­nen­wei­se Müll. Ei­ne Initia­ti­ve will nun an ei­nem Ak­ti­ons­tag auf­räu­men. Von Pe­tra Wal­heim

Südwest Presse (Ulm) - - Südwestumschau - Initia­tor der Putz-ak­ti­on

Am Ufer der Do­nau, des Neckars, des Rheins oder des Bo­den­sees zu fei­ern, macht Freu­de. Das Was­ser bringt et­was Ab­küh­lung, auch oh­ne Bad da­rin. An man­chen Ufer­stel­len gibt es Gril­lund Spiel­plät­ze, an an­de­ren nicht. Ge­fei­ert wird trotz­dem. Die Leu­te schlep­pen Grill­gut, Bier­kis­ten und –do­sen, Ge­trän­ke­fla­schen al­ler Art und al­les, was zum Fei­ern ge­braucht wird, an das Ge­sta­de, und las­sen es sich gut ge­hen. Wenn ge­nug ge­fei­ert wur­de, wer­den im güns­ti­gen Fall die Sa­chen wie­der ein­ge­packt, und der Platz wird sau­ber ver­las­sen.

Die Er­fah­rung zeigt je­doch, dass das die Aus­nah­me ist und die Fei­ern­den im­mer wie­der ab­zie­hen, oh­ne sich um den Müll zu küm­mern. An je­dem son­ni­gen und war­men Wo­che­n­en­de blei­ben an Fluss- und See-ufern Ton­nen von Pa­pier, Plas­tik- und an­de­rem Müll lie­gen. Dem möch­te die Initia­ti­ve „Rhinec­le­anup“ent­ge­gen­wir­ken. Ihr Ziel ist es, die Ufer des Rheins auf den ge­sam­ten 1233 Ki­lo­me­tern Fluss-län­ge we­nigs­tens für ei­nen Tag vom Müll zu be­frei­en. Des­halb ruft sie al­le Men­schen, die am Rhein le­ben, die Sau­ber­keit lie­ben und et­was für die Um­welt tun möch­ten, da­zu auf, sich am 15. Sep­tem­ber mit Müll­sä­cken, Grei­fern, Hand­schu­hen und Warn­wes­ten aus­zu­rüs­ten und am Rhein den Müll ein­zu­sam­meln. Da­von gibt es reich­lich. „Über ei­ne Mil­li­on Ki­lo­gramm Müll wer­den je­des Jahr vom Rhein in die Nord­see ge­spült“, sagt Joa­chim Um­bach, ei­ner der vier Initia­to­ren der Sau­ber­mach-ak­ti­on. Der Müll von den Ufern sei da noch nicht da­bei. Welt­weit wer­den laut Um­bach jähr­lich vier Mil­li­ar­den Ton­nen Müll in der Na­tur ent­sorgt.

Weil der Rhein Teil des Bo­den­sees ist, stell­te Um­bach die Ak­ti­on ges­tern in Fried­richs­ha­fen vor. Der freie Jour­na­list und Pro­jekt­be­glei­ter ist auf Wer­be-tour, ver­sucht, mög­lichst vie­le Kom­mu­nen am Rhein da­für zu be­geis­tern. „Hier am See be­tei­ligt sich bis jetzt nur Kon­stanz“, räumt er ein. Doch er hofft auf das In­ter­es­se wei­te­rer Kom­mu­nen.

„Mit­ma­chen kann je­der“, be­tont er. Initia­ti­ven, Grup­pen, Vereine, Ein­zel­per­so­nen.“Wich­tig ist, dass sich die Teil­neh­mer an­mel­den, da­mit sie mit den ört­li­chen Müll­ent­sor­gern ver­netzt wer­den kön­nen. „Nichts wä­re schlim­mer, als wenn die Leu­te Müll ein­sam­meln und der wird dann nicht ent­sorgt.“Das Hand­werks­zeug fürs Müll­sam­meln wer­de von Spon­so­ren fi­nan­ziert, sagt Um­bach. Das Ziel sei, je­den, der sich an­mel­de, da­mit zu ver­sor­gen. Joa­chim Um­bach

Um ei­nen Über­blick zu be­kom­men, wie viel Müll an dem Tag an 2466 Ki­lo­me­tern Rhein­ufer ge­sam­melt wur­de, kön­nen die Müll­samm­ler das Ge­wicht ih­res Ab­falls auf ei­ner In­ter­net­sei­te ein­ge­ben, die noch im Auf­bau ist.

„Das ist ein ziem­lich gro­ßes Rad, an dem wir da dre­hen“, sagt Um­bach. Doch es sei drin­gend not­wen­dig, die Ver­mül­lung der Fluss-ufer ein­zu­däm­men. Da­bei sei be­tont, dass das nicht nur für den Rhein gilt, son­dern für sämt­li­che Flüs­se und Se­en, Wäl­der und Wie­sen. Um­bach ist klar, dass das Müll­pro­blem mit die­ser Ak­ti­on nicht ge­löst wer­den kann. „Aber sie nützt der Be­wusst­seins-bil­dung.“Die Ak­ti­on wol­le ein Si­gnal set­zen. „Wir be­nut­zen den Rhein, um auf die Pro­ble­ma­tik hin­zu­wei­sen und den Leu­ten klar zu ma­chen: Nehmt bit­te Eu­ren Müll wie­der mit nach Hau­se, da­mit ihn nicht an­de­re ein­sam­meln müs­sen.“

Ge­bo­ren wor­den sei die Idee zu der Ak­ti­on vor ei­nem Jahr, sagt Um­bach. Er lebt in Düs­sel­dorf, wo es seit 20 Jah­ren ei­nen Dreck­weg-tag gibt, an dem sich bis zu 10 000 Men­schen be­tei­li­gen. Die­se er­folg­rei­che Ak­ti­on möch­ten die Initia­to­ren nun auf den ge­sam­ten Rhein aus­zu­wei­ten. Auch Bre­genz in Ös­ter­reich, Ba­sel in der Schweiz und Straß­burg in Frank­reich sind schon mit da­bei. „Hier am See ist das In­ter­es­se noch et­was dünn“, klagt Um­bach. Am Mit­tel- und Nie­der­rhein hät­ten be­reits 15 Städ­te zu­ge­sagt.

Der Rhein-rei­ne­mach-tag ist an­ge­lehnt an den „World Cleanup Day“, den all­jähr­li­chen welt­wei­ten Rei­ne­mach-tag, der im­mer am 15. Sep­tem­ber statt­fin­det. 2008 wur­de er zum ers­ten Mal ver­an­stal­tet. In die­sem Jahr be­tei­ligt sich erst­mals auch Deutsch­land da­ran.

Über ei­ne Mil­li­on Ki­lo­gramm Müll wer­den je­des Jahr in die Nord­see ge­spült.

Wenn die Pe­gel­stän­de nied­rig sind, zeigt sich die Ver­mül­lung des Rheins be­son­ders deut­lich. Fo­to: Oli­ver Berg/dpa

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