La­w­row ruft zu Neu­start auf

Russ­land Der Au­ßen­mi­nis­ter for­dert von Deutsch­land ei­ne zen­tra­le Rol­le bei der „Re­no­vie­rung des eu­ro­päi­schen Hau­ses“.

Südwest Presse (Ulm) - - Themen Des Tages / Politik -

Kein Pro­dukt, kein Ak­teur und kein Fi­nanz­platz soll­te mehr un­kon­trol­liert sein – zu wie viel Pro­zent trifft das in­zwi­schen zu?

Das ist nicht zu be­zif­fern. Es gibt je­den Tag tau­sen­de neue Fi­nanz­pro­duk­te. Die Auf­sicht ist bes­ser ge­wor­den, aber es blei­ben Pro­ble­me wie der Schat­ten­ban­ken­sek­tor, Steu­er­oa­sen oder die Geld­wä­sche.

In den USA hat man die Re­gu­lie­rung be­reits wie­der ge­lo­ckert. An­ge­sichts der La­ge der deut­schen Ban­ken: Ist das Kor­sett wo­mög­lich zu eng?

Wer die Kri­se vor zehn Jah­ren mit­er­lebt und dar­aus auch per­sön­li­che Schlüs­se ge­zo­gen hat, kann ei­ner Lo­cke­rung der Re­gu­lie­rung nicht zu­stim­men, auch wenn aus­ge­hend von den USA ein Druck auf an­de­re Stand­or­te zu be­fürch­ten ist, es ih­nen gleich zu tun. Be­zo­gen auf die deut­schen Ban­ken: Die Re­geln sind für al­le gleich, ei­ni­ge ver­die­nen Geld, an­de­re nicht. An den Re­geln kann es al­so nicht lie­gen.

Kann das Gan­ze al­so wie­der pas­sie­ren?

Es wird im­mer Fi­nanz­kri­sen ge­ben, da zum Bei­spiel der Her­den­trieb zum Men­schen ge­hört. Da­her muss man das Fi­nanz­sys­tem als Gan­zes ro­bus­ter bau­en, da­mit es mit Schocks und Kri­sen bes­ser um­ge­hen kann. Es ist aber un­wahr­schein­lich, dass in so kur­zen Zeit­ab­stän­den die Ur­sa­che wie­der die glei­che sein wird. Das nächs­te Mal kommt es von wo­an­ders. Ber­lin/vil­ni­us. Der rus­si­sche Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row hat vier Jah­re nach Be­ginn der Ukrai­ne-kri­se ein­dring­lich zu ei­ner Neu­aus­rich­tung der Be­zie­hun­gen zwi­schen Russ­land und der EU auf­ge­ru­fen: „Wir soll­ten ei­ne Re­no­vie­rung des ge­mein­sa­men eu­ro­päi­schen Hau­ses an­pa­cken.“Er for­der­te Deutsch­land auf, in dem Pro­zess der An­nä­he­rung ei­ne füh­ren­de Rol­le ein­zu­neh­men. „Von der deut­schen Po­si­ti­on hängt vie­les ab. Wir wür­den es be­grü­ßen, wenn Ber­lin Initia­ti­ve er­grei­fen wür­de – oh­ne ir­gend­wel­che Vor­be­din­gun­gen.“

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel sprach sich der­weil am Frei­tag­abend in Li­tau­en ge­gen ei­ne Auf­he­bung der Sank­tio­nen ge­gen Russ­land aus. Be­vor es kei­ne Fort- schrit­te beim Mins­ker Ab­kom­men ge­be, kön­ne nicht dar­über ge­spro­chen wer­den.

Seit der Anne­xi­on der ukrai­ni­schen Krim durch Russ­land 2014 sind die Be­zie­hun­gen zwi­schen der EU und Russ­land ex­trem an­ge­spannt. Die EU hat mit Wirt­schafts­sank­tio­nen re­agiert. Der Dia­log zwi­schen der Na­to und Russ­land ist auf ein Mi­ni­mum zu­sam­men­ge­schrumpft. Bei­de Sei­ten ha­ben ih­re Trup­pen in der Nä­he der Gren­ze zwi­schen Na­to-ge­biet und Russ­land deut­lich ver­stärkt.

„Russ­land stellt kei­ne Be­dro­hung dar“, sag­te nun La­w­row. Die bis­he­ri­ge „Ideo­lo­gi­sie­rung von Be­zie­hun­gen“sei „sinn­los und kon­tra­pro­duk­tiv“ge­we­sen.

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