Mil­lio­nen für Er­win Mül­ler

Die Schwei­zer Bank Sa­ra­sin hat falsch be­ra­ten: OLG be­stä­tigt Rück­zah­lung von 45 Mil­lio­nen Eu­ro.

Südwest Presse (Ulm) - - Wirtschaft -

Stutt­gart. Es bleibt vor­erst da­bei: Die Schwei­zer Bank Sa­ra­sin muss dem Ul­mer Dro­ge­rie-un­ter­neh­mer Er­win Mül­ler we­gen feh­ler­haf­ter Be­ra­tung bei An­la­ge­ge­schäf­ten 45 Mio. € zu­rück­zah­len. Das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) Stutt­gart wies die Be­ru­fung der Bank ge­gen ein Ur­teil des Land­ge­richts Ulm zu­rück. Das hat­te schon im ver­gan­ge­nen Jahr ent­schie­den, dass Mül­ler das Geld zu­steht. Auch das Olg-ur­teil ist al­ler­dings noch an­fecht­bar.

Bei dem Ge­schäft mit Mül­ler ha­be die Pri­vat­bank mit Sitz in Ba­sel ih­re Be­ra­tungs­pflich­ten ver­letzt und den Dro­ge­rie-un­ter­neh­mer un­zu­läng­lich in­for­miert, ur­teil­te der Se­nat un­ter Vor­sitz von Rich­ter Mar­kus Kit­tel. Dass er das so sieht, war schon wäh­rend der münd­li­chen Ver­hand­lung im ver­gan­ge­nen Ju­ni deut­lich ge­wor­den – und das Ur­teil am Frei­tag so­mit kei­ne Über­ra­schung. An­ders als da­mals war Mül­ler selbst dies­mal nicht da­bei.

Der Streit dreht sich um An­tei­le am Lu­xem­bur­ger She­rid­an-fonds, in den Mül­ler rund 50 Mio. € ge­steckt hat­te. Über den Fonds soll­ten mit so ge­nann­ten Cum-ex-trans­ak­tio­nen Ge­win­ne er­wirt­schaf­tet wer­den, bei de­nen der deut­sche Fis­kus durch mehr­fach be­an­trag­te Er­stat­tun­gen auf nur ein­mal ein­be­hal­te­ne Ka­pi­tal­er­trags­steu­ern ins­ge­samt um Mil­li­ar­den­be­trä­ge ge­schröpft wur­de. Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat­te al­le der­ar­ti­gen Er­stat­tun­gen 2012 grund­sätz­lich ge­stoppt. Der She­rid­an-fonds brach zu­sam­men, das von An­le­gern ein­ge­zahl­te Geld war weg.

Aus Sicht der Rich­ter hat die Bank den Fonds in steu­er­li­cher und wirt­schaft­li­cher Hin­sicht nicht hin­rei­chend ge­prüft, son­dern al­len­falls „Plau­si­bi­li­täts­er­wä­gun­gen“an­ge­stellt, wo ver­spro­che­ne ho­he Er­trä­ge her­kom­men könn­ten. Zu­dem ha­be sie ge­wusst, dass das Kon­zept mit den Steu­er­rück­er­stat­tun­gen zwei­fel­haft war, Mül­ler aber nicht auf Be­den­ken hin­ge­wie­sen.

Die Bank hat­te in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung ar­gu­men­tiert, dass Mül­ler sehr wohl auf die Ri­si­ken sei­nes An­la­ge­ge­schäfts hin­ge­wie­sen wor­den sei. Am Frei­tag äu­ßer­te sie sich zu­nächst nicht. Sie kann noch in Re­vi­si­on ge­hen, dann wä­re der Bun­des­ge­richts­hof am Zug.

Hand­werks­be­ru­fe ge­win­nen bei jun­gen Leu­ten an Be­liebt­heit. Im Süd­wes­ten ist Ulm mit ei­nem Plus von 6,9 Pro­zent an neu­en Lehr­stel­len der Vor­rei­ter der acht Hand­werks­kam­mern. Ein gro­ßer Teil des Zu­wach­ses geht auf die Ein­stel­lung von Flücht­lin­gen zu­rück, sagt der dor­ti­ge Kam­mer­prä­si­dent Joa­chim Krim­mer, der auch Vor­sit­zen­der des Lan­des­aus­schus­ses für Bildung im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Hand­werk ist. Er är­gert sich, dass die die Po­li­tik so­wohl den Flücht­lin­gen als auch den Be­trie­ben das Le­ben schwer macht.

Wie zu­frie­den sind Sie mit dem In­ter­es­se von jun­gen Men­schen an Aus­bil­dun­gen im Hand­werk? Joa­chim Krim­mer:

Das ist er­freu­lich und wächst. Die vor­läu­fi­ge Zahl der neu­en Ver­trä­ge im Süd­wes­ten liegt 2 Pro­zent über dem Vor­jah­res­wert. In der Hand­werks­kam­mer Ulm ist das Plus mit 6,9 Pro­zent noch­mal deut­lich stär­ker. Bei uns stei­gen im fünf­ten Jahr in Fol­ge die Azu­bi-zah­len.

Sie lie­gen da­mit an der Spit­ze der acht Hand­werks­kam­mern im Süd­wes­ten. Woran liegt das?

Als vor sie­ben Jah­ren die Zahl der Lehr­ling ra­pi­de ge­sun­ken ist, hat schon mein Vor­gän­ger ein Bün­del an Maß­nah­men auf den Weg ge­bracht. Wir sind bei der Be­rufs­ori­en­tie­rung na­he an al­len Schul­for­men und an den Ju­gend­li­chen. Wir ha­ben vie­le Lehr­lin­ge zu Aus­bil­dungs­bot­schaf­tern ge­macht, ha­ben Part­ner­schaf­ten mit Schu­len ge­schlos­sen. Die Kam­mer Ulm hat ei­ne Per­so­nal­be­ra­te­rin ein­ge­stellt, die die Be­trie­be un­ter­stützt, die bun­des­wei­te Image­kam­pa­gne wirkt und vie­les mehr.

Den­noch blei­ben vie­le Plät­ze leer.

Das ist rich­tig. Al­lein bei uns im Kam­mer­ge­biet ste­hen fast 1100 of­fe­ne Lehr­stel­len zur Ver­fü­gung, auf die sich Ju­gend­li­che noch be­wer­ben kön­nen.

Fühlt sich das Hand­werk von der Lan­des­re­gie­rung ge­nü­gend un­ter­stützt?

Das Land tut ei­ni­ges fürs Hand­werk. Für uns sind bei­spiels­wei­se die In­ves­ti­ti­ons­zu­schüs­se und die För­de­rung der über­be­trieb­li­chen Aus­bil­dung wich­tig. Wir wün­schen uns noch mehr Ta­ten für ei­ne gleich­wer­ti­ge För­de­rung der be­ruf­li­chen ge­gen­über der aka­de­mi­schen Bildung.

Wie mei­nen Sie das?

Es wä­re zum Bei­spiel Zeit für ei­nen Meis­ter­bo­nus, die­se hö­he­re Bildung müs­sen die jun­gen Leu­te selbst be­zah­len. Oder, dass auch Schü­ler der be­ruf­li­chen Bildung die Ver­güns­ti­gun­gen im ÖPNV oder im Ki­no be­kom­men, die auch Stu­den­ten er­hal­ten.

Gibt es wei­te­re Un­gleich­ge­wich­te?

Ja, in Ba­den-würt­tem­berg wer­den die Hoch­schu­len von Bund und Land mit 3 Mrd. € ge­för­dert, die För­de­rung der über­be­trieb­li­chen Aus­bil­dung im Hand­werk be­trägt nur rund 50 Mio. €. Da ist drin­gend ei­ne An­glei­chung nö­tig, weil Geld­strö­me Bil­dungs­strö­me len­ken. Mir hat auch noch nie­mand er­klä­ren kön­nen, war­um das Es­sen in der Uni-men­sa mit 7 Pro­zent Mehr­wert­steu­er be­las­tet wird, das in den Men­sen der Be­rufs­schu­len mit 19 Pro­zent. Über sol­che Nach­tei­le är­ge­re ich mich.

Wel­che Rol­le spie­len Flücht­lin­ge bei der Ge­win­nung von Fach­kräf­ten?

Die Flücht­lin­ge sind im Hand­werk ei­ne stark stei­gen­de Grup­pe in der Aus­bil­dung. Oh­ne die Flücht­lin­ge hät­ten wir im Kam­mer­ge­biet nur ein klei­nes Plus.

Woran liegt das?

Die jun­gen Men­schen ha­ben ih­re Sprach­kur­se ab­ge­schlos­sen. Sie sind nun in vie­len Be­ru­fen und Be­trie­ben im Ein­satz. Das sind gut­wil­li­ge und flei­ßi­ge Men­schen, die ih­re Aus­bil­dung be­gin­nen, un­se­re Be­trie­be und da­mit auch die Ver­brau­cher gut un­ter­stüt­zen. Bei uns im Kam­mer­ge­biet sind das mehr als 200 neue Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se.

Er­win Mül­ler steck­te 50 Mil­lio­nen Eu­ro in den She­rid­an-fonds.

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