Be­rei­tet die Schu­le auf das Le­ben vor?

Er­zie­hung El­tern und Leh­rer äu­ßern in ei­ner Um­fra­ge gro­ße Zwei­fel. Ver­band be­män­gelt Bil­dungs­plä­ne.

Südwest Presse (Ulm) - - Südwestumschau -

Stutt­gart. Bei El­tern und Leh­rern gibt es er­heb­li­che Zwei­fel dar­an, dass die Kin­der in der Schu­le auf ihr künf­ti­ges Le­ben vor­be­rei­tet wer­den. In ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven For­sa-um­fra­ge ga­ben bun­des­weit 33 Pro­zent der El­tern an, dass die­ses Ziel er­füllt wird. Bei den Leh­rern wa­ren es 44 Pro­zent. Die Um­fra­ge vom Mai und Ju­ni die­ses Jah­res wur­de ges­tern in Stutt­gart vom Ver­band für Bil­dung und Er­zie­hung (VBE) ver­öf­fent­licht.

Nach die­ser Stu­die klafft ins­ge­samt ei­ne Lü­cke zwi­schen den An­sprü­chen, die Leh­rer und El­tern an die Wer­te­ver­mitt­lung in der Schu­le ha­ben, und der Wirk­lich­keit. „Nicht ein ein­zi­ges Bil­dungs- und Er­zie­hungs­ziel kann aus Sicht von Lehr­kräf­ten in dem Ma­ße um­ge­setzt wer­den, wie es hin­sicht­lich der Be­deu­tung ein­ge­schätzt wird“, sag­te Vbe-lan­des­chef Ger­hard Brand.

Ein Grund da­für sei, dass vie­le Zie­le in den Bil­dungs­plä­nen zu abs­trakt for­mu­liert sei­en und bei den Leh­rern Fra­gen da­zu auf­wür­fen, wie sie die Zie­le im prak­ti­schen Un­ter­richt um­set­zen soll­ten. Brand for­der­te auch, bei der Leh­rer­aus­bil­dung und -fort­bil­dung nach­zu­steu­ern. Aus Sicht von El­tern und Leh­rern wer­den laut der Um­fra­ge noch am ehes­ten die Zie­le er­reicht, den Kin­der die Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen den Ge­schlech­tern, die Ach­tung der Men­schen­rech­te und den Er­werb von so­zia­len Kom­pe­ten­zen na­he­zu­brin­gen. Hin­ge­gen fal­len der Ein­satz für den Frie­den, die För­de­rung der Hei­mat­ver­bun­den­heit und eben die Vor­be­rei­tung auf das künf­ti­ge Le­ben nach Ein­druck von El­tern und Leh­rern am ehes­ten als Zie­le im Schul­un­ter­richt hin­ten run­ter.

Für El­tern spielt die Schu­le bei der Wer­te­ver­mitt­lung ei­ne gro­ße Rol­le: Bun­des­weit sa­gen 83 Pro­zent, die Schu­le sei in die­sem Punkt wich­tig. Der Fa­mi­lie schrei­ben die­se Rol­le 96 Pro­zent zu. Hin­ge­gen kom­men den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aus El­tern­sicht mit 35 Pro­zent ei­ne eher ge­rin­ge Be­deu­tung bei der Wer­te­ver­mitt­lung zu. Für die Um­fra­ge wur­den je­weils mehr als 1000 El­tern und Leh­rer be­fragt, dar­un­ter je­weils 200 aus dem Süd­wes­ten.

Kul­tus­mi­nis­te­rin Su­san­ne Ei­sen­mann (CDU) sag­te mit Blick auf Ba­den-würt­tem­berg: „Ein wich­ti­ger Schritt für mehr Wer­te­er­zie­hung an den Schu­len ist un­ser Be­schluss, den Ethik­un­ter­richt ab dem Schul­jahr 2019/20 schritt­wei­se aus­zu­bau­en.“Auch an den Grund­schu­len sei es aus ih­rer Sicht not­wen­dig, zu­künf­tig Ethik­un­ter­richt an­zu­bie­ten. „Des­halb las­sen wir schon jetzt die Bil­dungs­plä­ne da­zu er­ar­bei­ten.“In Ar­beit sei auch ei­ne „Leit­per­spek­ti­ve“zur De­mo­kra­tie­er­zie­hung.

Ei­sen­mann will die Zu­sam­men­ar­beit von Schu­len und El­tern aus­bau­en. Da­zu sei­en 2019 ei­ne Rei­he von Ver­an­stal­tun­gen ge­plant. „Wir wer­den in die­sem Rah­men auch die Wer­te­er­zie­hung in den Blick neh­men.“

Vbe-lan­des­chef Ger­hard Brand. Fo­to: Si­na Schuldt/dpa

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