Mehr Ret­tung als Be­dro­hung

Südwest Presse (Ulm) - - Wirtschaft - Zur Fu­si­on von Kar­stadt und Kauf­hof

Das In­ter­net ver­än­dert vie­les, na­tür­lich auch den Wett­be­werb im Ein­zel­han­del. Des­halb ist die Frei­ga­be der Fu­si­on der bei­den letz­ten deut­schen Wa­ren­haus­ket­ten aus kar­tell­recht­li­cher Sicht auch nicht zu be­an­stan­den. Der On­line-han­del hat zwar im­mer noch nicht ei­nen An­teil er­reicht, der den sta­tio­nä­ren Ein­zel­han­del exis­ten­zi­ell be­droht. Aber er hat schon lan­ge ei­ne wett­be­werbs­re­le­van­te Grö­ße an­ge­nom­men, die wei­ter wach­sen wird. Und nur das hat das Kar­tell­amt zu prü­fen – nichts an­de­res.

Es sind ja längst um­ge­kehr­te Ver­hält­nis­se ein­ge­kehrt in die deut­sche Wa­ren­haus-land­schaft. Frü­her hät­te die Fu­si­on von Kar­stadt und Kauf­hof zu ei­ner Macht­kon­zen­tra­ti­on und da­mit zu Mo­no­pol­ge­win­nen ge­führt – und wä­re des­halb auch vom Kar­tell­amt kaum durch­ge­wun­ken wor­den. Heu­te da­ge­gen geht es nicht um Mo­no­pol­ge­win­ne, son­dern dar­um, dass aus den zwei an­ge­schla­ge­nen Di­no­sau­ri­ern des Han­dels ein star­ker neu­er Kon­zern ent­steht.

Dem neu­en Rie­sen set­zen nicht nur die On­line-gi­gan­ten von Ama­zon & Co zu, son­dern neue Bil­lig­ket­ten so­wie die gro­ßen Ein­kaufs­zen­tren. Kauf­hof-ei­gen­tü­mer HBC hat­te dar­auf kei­ne Ant­wort. Gut, dass Kar­stadt-eig­ner Si­gna das Sa­gen hat. Das sieht auch die Ge­werk­schaft so. Sie weiß, dass die Fu­si­on zwar Ar­beits­plät­ze kos­ten wird, aber mehr Ret­tung als Be­dro­hung ist.

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