Deut­sche mit Vor­be­hal­ten ge­gen Zu­wan­de­rer

Ein­wan­de­rungs­fra­ge wich­ti­ger als Eu­ro­kri­se – Zwei Drit­tel leh­nen Ein­wan­de­rung aus Nicht-EU-Län­dern ab

Saarbruecker Zeitung - - Politik -

Die Bun­des­bür­ger ha­ben be­stimm­te Vor­stel­lun­gen, wen sie im Land ha­ben wol­len. Wie ei­ne Umfrage im Auf­trag der EUKom­mis­si­on zeigt, sind die Deut­schen be­son­ders skep­tisch ge­gen­über Ein­wan­de­rern von au­ßer­halb der EU. Ein Über­blick über die wich­tigs­ten Fra­gen.

Wie viel Sor­gen ma­chen sich die Deut­schen um Zu­wan­de­rung? Ins­ge­samt hat das The­ma in Deutsch­land ei­nen ho­hen Stel­len­wert. Dem jüngs­ten „Eu­ro­ba­ro­me­ter“zu­fol­ge ist es den Men­schen in­zwi­schen wich­ti­ger als je­de an­de­re eu­ro­pa­po­li­ti­sche Fra­ge – vor Eu­ro­kri­se und Schul­den­pro­ble­men. Dass es sich da­bei um eher dif­fu­se Sor­gen han­delt, macht al­ler­dings ei­ne Zahl deut­lich: Nur 6 Pro­zent se­hen sich von den Fol- gen der Im­mi­gra­ti­on auch persönlich be­trof­fen. Ma­chen die Bür­ger ei­nen Un­ter­schied zwi­schen Zu­wan­de­rung aus Län­dern in­ner­halb und au­ßer­halb der EU? Ja, ei­nen gro­ßen Un­ter­schied. Im­mi­gra­ti­on aus Län­dern au­ßer­halb der EU leh­nen fast zwei Drit­tel der Deut­schen ab. Da­ge­gen be­wer­ten 50 Pro­zent die Zu­wan­de­rung aus EU-Län­dern über­wie­gend po­si­tiv. Drei Vier­tel – vor al­lem Jün­ge­re – be­grü­ßen es, dass EU-Bür­ger das Recht auf Le­ben und Ar­beit in je­dem Mit­glieds­land ha­ben. Wie ist die Hal­tung der Deut­schen im Ver­gleich zu an­de­ren Län­dern? Die Be­deu­tung, die dem The­ma Ein­wan­de­rung zu­ge­mes­sen wird, ist nur in Groß­bri­tan­ni­en und in Mal­ta noch hö­her als in Deutsch­land. Die ne­ga­ti­ve Ein­stel­lung ge­gen­über Ein­wan­de­rung aus Nicht-EU-Län­dern ist im EU-Schnitt et­was nied­ri­ger aus­ge­prägt als hier. Noch ne­ga­ti­ver als die Deut­schen se­hen es et­wa die Ita­lie­ner. Deut­lich of­fe­ner zei­gen sich die Schwe­den. Wie vie­le Zu­wan­de­rer kom­men aus Nicht-EU-Staa­ten ins Land? Die Min­der­heit. Im ers­ten Halb­jahr 2014 ka­men zwei Drit­tel der Zu­wan­de­rer aus EUStaa­ten, die meis­ten da­von aus Ru­mä­ni­en, Po­len und Bul­ga­ri­en, aber auch vie­le aus Kroa­ti­en und aus ei­ni­gen kri­sen­ge­plag­ten süd­eu­ro­päi­schen Län­dern. Die Zu­wan­de­rung aus Nicht-EU-Staa­ten fällt deut­lich da­hin­ter ab. Für das Ge­s­amt- jahr 2014 lie­gen noch kei­ne ge­nau­en Zu­wan­de­rungs­da­ten vor – bis auf Zahl der Asyl­be­wer­ber, die aus Nicht-EU-Län­dern stam­men. 2014 be­an­trag­ten rund 200 000 Men­schen Asyl in Deutsch­land, die meis­ten aus Sy­ri­en. 2015 er­war­ten die Be­hör­den 300 000 An­trä­ge. Braucht Deutsch­land Zu­wan­de­rung aus Nicht-EU-Staa­ten? Die Wirt­schaft weist seit Jah­ren ein­dring­lich auf den gro­ßen Man­gel an Ar­beits­kräf­ten hin und mahnt, das Land brau­che drin­gend Zu­wan­de­rer. Und Fach­leu­te mah­nen, Deutsch­land müs­se sich da­bei vor al­lem um Men­schen aus Län­dern au­ßer­halb der EU küm­mern. Denn: Die vie­len Ein­wan­de­rer aus EU-Län­dern, die der­zeit ins Land kom­men, blei­ben laut Ex- per­ten so lan­ge, bis sich die Si­tua­ti­on in ih­rer Hei­mat bes­sert. Was sa­gen sol­che Um­fra­ge­er­geb­nis­se über das ge­sell­schaft­li­che Kli­ma? Fach­leu­te se­hen dies als wei­te­re Be­stä­ti­gung für den Be­fund an­de­rer Stu­di­en, wo­nach Vor­be­hal­te ge­gen Aus­län­der in Deutsch­land weit ver­brei­tet sind. In ei­ner Un­ter­su­chung zu rechts­ex­tre­men Ein­stel­lun­gen ga­ben zu­letzt rund 37 Pro­zent der Bür­ger an: „Es le­ben zu vie­le Aus­län­der in Deutsch­land.“Aus­ge­prägt zeig­ten sich dort spe­zi­el­le Res­sen­ti­ments ge­gen Asyl­be­wer­ber und Mus­li­me. Der Au­tor der Stu­die, der So­zi­al­psy­cho­lo­ge Andre­as Zick, be­klagt ei­nen „Zwei-Klas­senBlick“auf Zu­wan­de­rer in Deutsch­land. dpa

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