Mit 26 auf dem Weg zur Le­gen­de

Kom­bi­nie­rer Fren­zel ist der Top-Fa­vo­rit auf Gold bei der nor­di­schen Ski-WM in Fa­lun

Saarbruecker Zeitung - - Sport - Von sid-Mit­ar­bei­ter Chris­toph Leuch­ten­berg

Heu­te soll sich bei der WM die un­glaub­li­che Er­folgs­ge­schich­te von Kom­bi­nie­rer Eric Fren­zel fort­set­zen. Die Stär­ke des Olym­pia­sie­gers über­rascht so­gar Bun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch – und Fren­zel selbst.

Fa­lun. Manch­mal ist sich Eric Fren­zel selbst ein Rät­sel. „Ich bin wirk­lich über­rascht, wie gut es wie­der läuft“, sagt der welt­bes­te Kom­bi­nie­rer vor sei­nem ers­ten Griff nach Gold bei der WM im schwe­di­schen Fa­lun: „Denn nach dem stres­si­gen Jahr mit Olym­pia ha­ben wir die Be­las­tun­gen im Trai­ning doch et­was zu­rück­ge­fah­ren.“Ge­scha­det hat es nicht: 2015 ver­läuft so, wie eben ein ty­pi­sches Eric-Fren­zel-Jahr ver­läuft. Der 26-Jäh­ri­ge do­mi­niert, führt im Welt­cup nach sie­ben Sai­son­sie­gen prak­tisch un­ein­hol­bar und ist auch heu­te (10 und 16 Uhr/ ARD und Eurosport) in der WM-Ent­schei­dung von der Nor­mal­schan­ze der gro­ße Fa­vo­rit. Al­les an­de­re als Gold wä­re ei­ne Ent­täu­schung.

„Mit die­sem An­spruch bin ich aber ei­gent­lich noch nie zu ei­nem Groß­er­eig­nis ge­gan­gen“, sagt Fren­zel: „Mir war im­mer wich­tig, mei­ne bes­te Leis­tung, mei­nen bes­ten Sprung zu zei­gen, läu­fe­risch auf mei­nem höchs­ten Le­vel zu sein. Dann weiß ich, ich kann vor­ne da­bei sei. Ich ge­he lo­cker an die gan­ze Sache her­an. Und dann schau­en wir, was pas­siert.“

Vi­el­leicht ist dies die zwangs­läu­fi­ge Her­an­ge­hens­wei­se, wenn man schon al­les er­reicht hat: Fren­zel, die­ses 60 Ki­lo­gramm leich­te Sprung- und Lauf­wun­der, ist Olym­pia­sie­ger, zwei­ma­li­ger Welt­meis­ter und Ge­samt­welt­cup-Sie­ger. Seit acht Jah­ren stol­zer Va­ter, seit knapp ei­nem Jahr eben­so stol­zer Ehe­mann und Häus­le­bau­er. Im hei­mi­schen Erz­ge­bir­ge gibt es den Eric-Fren­zel-Wan­der- weg, im Hei­mat-Städt­chen Gey­er neu­er­dings die EricF­ren­zel-Schan­ze. Be­wei­sen muss Fren­zel nie­man­dem mehr et­was.

Nie­man­dem? „Ich ha­be ei­nen Sohn, für den ich ein gu­tes Vor­bild sein will“, sagt der Sach­se: „Philipp sieht mich oft im Fern­se­hen, und ich mer­ke schon, dass er mein Auf­tre­ten dort ent­spre­chend wahr­nimmt.“In Fa­lun wird der Spröss­ling an der Stre­cke mit­fie­bern. Grund ge­nug für Fren­zel, im Kampf mit den star­ken Nor­we­gern um Jör­gen Graa­bak, aber auch mit den Mann­schafts­kol­le­gen Fa­bi­an Rieß­le und Jo­han­nes Rydzek den be­rühm­ten Tur­bo zu zün­den und selbst den so er­fah­re­nen Bun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch zu ver­blüf­fen.

„Er ist ein coo­ler Hund, ist so lo­cker, dass er al­les, was er hat, auch brin­gen kann“, sagt Wein­buch: „An­de­re ver­kramp­fen schnell mal in Druck­si­tua­tio- nen, aber Eric wird mit den Er­folgs­er­leb­nis­sen noch stär­ker. Mich hat über­rascht, wie er sei­ne Wett­kämp­fe im Lau­fen ge­stal­tet hat. Da ist er noch ein­mal bes­ser ge­wor­den. Von der Tak­tik, der men­ta­len Stär­ke.“

Mit sei­nen erst 26 Jah­ren hat Fren­zel noch viel Luft, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, neue Zie­le zu de­fi­nie­ren. In Fa­lun schon könn­te er Re­kord-Welt­meis­ter wer­den, müss­te da­zu al­ler­dings den „Grand Slam“schaf­fen und al­le vier Ti­tel ab­räu­men.

„Mein An­reiz ist, mich in den Ge­schichts­bü­chern zu ver­ewi­gen. Für mich ge­hört ei­ner erst dann zu den Bes­ten, wenn er über ei­nen lan­gen Zei­t­raum er­folg­reich war“, sagt er: „Es wä­re schön, wenn man bei dem Na­men Eric Fren­zel spä­ter an die Nor­di­sche Kom­bi­na­ti­on denkt.“Das dürf­te be­reits auf Jahr­zehn­te ga­ran­tiert sein.

FOTO: DPA

Der deut­sche Kom­bi­nie­rer Eric Fren­zel ist der gro­ße Gold-Fa­vo­rit. Der 26-Jäh­ri­ge geht lo­cker und oh­ne Druck in den Wett­kampf heu­te und sagt: „Wir schau­en, was pas­siert.“

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