Das Smart­pho­ne wird zum Schutz­en­gel

Neue Re­gie­rungs-App soll vor Ka­ta­stro­phen war­nen

Saarbruecker Zeitung - - Internet - Von Flo­ri­an Rech (SZ) und Bettina Grönewald (dpa)

Das Bun­des­amt für Ka­ta­stro­phen­schutz tes­tet ei­ne neue App, mit der die Be­völ­ke­rung über schwe­re Un­glü­cken in­for­miert wer­den soll. Wann das Pro­gramm ans Netz geht, ist noch un­klar. Be­reits seit dem Jahr 2012 gibt es die App Kat­warn, die bei Ka­ta­stro­phen warnt. Sie funk­tio­niert aber nicht in al­len Re­gio­nen.

Düsseldorf/Berlin. Es ist drei Uhr nachts. Wäh­rend die Be­woh­ner ei­ner Wohn­sied­lung am Stadt­rand fried­lich schla­fen, zieht ei­ne gif­ti­ge Rauch­wol­ke lang­sam auf ih­re Häu­ser zu. In ei­nem zwei Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Che­mie­werk gab es ei­nen Stör­fall, es brennt. Im Werk heult ei­ne Si­re­ne. Selbst wenn die Men­schen in ih­ren Häu­sern wach wä­ren, könn­ten sie das Si­gnal nur lei­se hö­ren. Plötz­lich schrillt laut das Alarm­si­gnal ei­nes Smart­pho­nes und weckt da­mit sei­nen Be­sit­zer. Ver­schla­fe­ne Au­gen bli­cken auf die Warn­mel­dung ei­ner App: „Die Feu­er­wehr mel­det: Groß­brand mit Schad­stoff­wol­ke. War­nung für den Post­leit­zah­len­be­reich 66333 – Ver­las­sen sie öf­fent­li­che Plät­ze, schlie­ßen sie Fens­ter und Tü­ren.“

Das zu­vor be­schrie­be­ne Sze­na­rio ist fik­tiv, Ka­ta­stro­phen­war­nun­gen über Apps sol­len bald aber deutsch­land­weit Rea- li­tät wer­den. Mit ei­nem Pro­gramm für Smart­pho­nes und Ta­blet-Com­pu­ter will das Bun­des­amt für Be­völ­ke­rungs­hil­fe und Ka­ta­stro­phen­schutz (BBK) künf­tig bes­ser vor ge­fähr­li­chen Si­tua­tio­nen war­nen. Ge­tes­tet wird die­se sa­tel­li­ten­ge­stütz­te Tech­nik zur­zeit in Nord­rheinWest­fa­len. Der Start­schuss für die bun­des­weit ein­zi­gen Pi­lot­Ver­su­che fiel in der ver­gan­ge­nen Wo­che bei den Feu­er­wehr­leit­stel­len in Düsseldorf und Gü­ters­loh. Dort soll die App zwei Wo­chen lang mit rund 200 Test­per­so­nen er­probt wer­den, be­vor sie al­len Bun­des­bür­gern zur Ver­fü­gung ge­stellt wird.

Das Pro­gramm kom­mu­ni­ziert über das bun­des­ei­ge­ne, sa­tel­li­ten­ge­stütz­te „Mo­du­la­re Warn­sys­tem“, kurz MoWaS. Die Nut­zung von Sa­tel­li­ten als Über­tra­gungs­me­di­um macht das Sys­tem un­an­fäl­li­ger ge­gen Strom­aus­fäl­le und den Aus­fall von Funk­an­la­gen, wie es laut BBK ins­be­son­de­re in Ka­ta­stro­phen­ge­bie­ten häu­fig der Fall ist.

Die App soll per Eil­mel­dung auf dem Smart­pho­ne vor Hoch­was­ser, Groß­brän­den, gif­ti­gen Rauch­wol­ken, Bom­ben­ent­schär­fun­gen oder an­de­ren Ge­fah­ren war­nen. Die ers­ten Tes­tWar­nun­gen sei­en rei­bungs­los ver­schickt wor­den, sagt der Spre­cher der Feu­er­wehr­leit­stel­le Düsseldorf, Heinz En­gels.

Bis­lang la­gen die Sen­de­stel­len für zen­tra­le War­nun­gen nur bei den In­nen­mi­nis­te­ri­en von Bund und Län­dern so­wie dem BBK. Ab­ge­setzt wur­den sie an Rund­funk­an­stal­ten, In­ter­net­an­bie­ter und Pres­se-Agen­tu­ren. Künf­tig sol­len die Bür­ger oh­ne den Um­weg di­rekt über Ge­fah­ren in ih­rer Nä­he in­for­miert wer­den. Nord­rheinWest­fa­len will nach er­folg­rei­chen Tests al­le Leit­stel­len mit dem Warn­sys­tem aus­stat­ten. Der Vor­teil der App ge­gen­über Si­re­ne oder Ra­dio: Bür­ger er­fah­ren di­rekt den An­lass für den Alarm und er­hal­ten Ver­hal­tens­re­geln, so ein Spre­cher des nord­rhein-west­fä­li­schen In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Auch wenn ein schwe­res Un­glück mit­ten in der Nacht ge­schieht, kann die App – dank Weck­funk­ti­on – Bür­ger alar­mie­ren und so­fort in­for­mie­ren.

Ent­wi­ckelt wur­de die App für App­le iOS-Sys­te­me und Goog­le An­dro­id. Zur­zeit be­fin­det sie sich noch in der Test­pha­se, wann sie vor Ka­ta­stro­phen war­nen kann, ist noch un­klar.

Die Idee der Ka­ta­stro­phen­War­nung über Smart­pho­ne ist aber nicht neu. Schon seit 2012 ist die Ka­ta­stro­phen­schutz-App Kat­warn ver­füg­bar. Das kos­ten­lo­se Pro­gramm des Fraun­ho­ferIn­sti­tuts für Of­fe­ne Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me und des Ver­ban­des der öf­fent­li­chen Ver­si­che­rer ver­sen­det heu­te schon Warn­in­for­ma­tio­nen der Po­li­zei, Feu­er­wehr, der Leit­stel­len und des Deut­schen Wet­ter­diens­tes. Auch hier sind die Alarm­mel- dun­gen orts­be­zo­ge­ne und Nut­zer der App er­hal­ten Ver­hal­ten­s­tipps. Tech­nisch baut das Pro­gramm auf ei­ner über­ar­bei­te­ten Ver­si­on des Wind-Wet­ter­früh­warn­sys­tems des Ver­ban­des der öf­fent­li­chen Ver­si­che­rer auf. Nach An­ga­ben des Fraun­ho­fer-In­sti­tuts nut­zen rund 250 000 Han­dy-Be­sit­zer die An­wen­dung. Ver­netzt über das Kat­warn-Sys­tem sind bis­her die Bun­des­län­der Berlin. Ham­burg und Rhein­land-Pfalz so­wie 30 Land­krei­se und kreis­frei Städ­te. Die App ist kos­ten­los für An­dro­id-, iOS- und Win­dows-Pho­ne-Smart­pho­nes er­hält­lich.

kat­warn. de

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