3,4 Pro­zent mehr für die Me­tal­ler

Ei­ni­gung in Ba­den-Würt­tem­berg soll bun­des­weit gel­ten – Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall für An­nah­me

Saarbruecker Zeitung - - Wirtschaft - Von SZ-Re­dak­teur Tho­mas Spon­ti­c­cia Von SZ-Re­dak­teur Tho­mas Spon­ti­c­cia

Heu­te fin­den in Frank­furt die Ta­rif­ver­hand­lun­gen für den Be­zirk Mit­te der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie statt, zu dem auch das Saar­land ge­hört. Nach dem zu­vor in Ba­den-Würt­tem­berg er­ziel­ten Pi­lot­ab­schluss gilt des­sen Über­nah­me in­zwi­schen als si­cher.

Stutt­gart/Saar­brü­cken. Die Stim­mung am Ver­hand­lungs­ort in Stutt­gart muss in der ent­schei­den­den Pha­se in der Nacht zum Di­ens­tag nach An­ga­ben aus Ver­hand­lungs­krei­sen noch ein­mal auf­ge­heizt ge­we­sen sein. So ha­be die IG-Me­tall mit Ur­ab­stim­mung an die­sem Frei­tag und ei­ner lan­gen Streik­pha­se ge­droht, soll­ten sich die Ar­beit­ge­ber nicht auf ei­nen Ta­rif­kom­pro­miss ein­las­sen.

Die­se An­sa­ge und dro­hen­de Pro­duk­ti­ons-Aus­fäl­le in zahl­rei­chen Be­trie­ben ha­ben am En­de wohl zur Ei­ni­gung bei­ge­tra­gen, die in den frü­hen Mor­gen­stun­den ver­kün­det wird. Die­ser Pi­lot­ab­schluss soll heu­te in Frank­furt bei den Ver­hand­lun­gen für den Be­zirk Mit­te über­nom­men wer­den, zu dem auch das Saar­land ge­hört. Die Ei­ni­gung sieht ei­ne 3,4-pro­zen­ti­ge Lohn­er­hö­hung für den Zei­t­raum vom 1. April 2015 bis zum 31. März 2016 vor. Für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis März 2015 gibt es ei­ne Ein­mal­zah­lung von 150 Eu­ro. Die neue Re­ge­lung zur Al­ters­teil­zeit um­fasst auch ver­stärkt Be­schäf­tig­te in den un­te­ren Ent­gelt- grup­pen und Mit­ar­bei­ter mit be­son­de­ren Be­las­tun­gen. Zu­dem bleibt es bei der bis­he­ri­gen Al­ters­teil­zeit- Quo­te in den Be­trie­ben von vier Pro­zent.

Noch zu klä­ren ist, wie der An­spruch auf Bil­dungs­teil­zeit um­ge­setzt wird. Hier soll es bun­des­weit ei­ne von Ba­den-Würt­tem­berg ab­wei­chen­de Re­ge­lung ge­ben. Dort gibt es seit län­ge­rer Zeit wei­ter­ge­hen­de Lö­sun­gen, die auch ei­ne fi­nan­zi­el­le Be­tei­li­gung der Ar­beit­ge­ber an Fort­bil­dungs­maß­nah­men vor­se­hen. Bun­des­weit wird vor­aus­sicht­lich ei­ne Re­ge­lung nach dem Vor­bild von Nord­rhein-West­fa­len grei­fen. Dort kön­nen die Mit­ar­bei­ter Zeit­ar­beits-Kon­ten für Wei­ter­bil­dung an­spa­ren. Im Streit­fall soll ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le ver­mit­teln. Die Über­nah­me des Pi­lot­ab­schlus­ses von Ba­den-Würt­tem­berg gilt bun­des­weit be­reits als si­cher. So­wohl Ge­samt­me­tall als auch die 14 Re­gio­nal­ver­bän­de der Me­tal­lund Elek­tro­in­dus­trie ha­ben die An­nah­me emp­foh­len.

Auch im Saar­land wird der Ab­schluss als ins­ge­samt ver­tret­bar an­ge­se­hen. Ro­bert Hi­ry, ers­ter Be­voll­mäch­tig­ter der IG Me­tall Ver­wal­tungs­stel­le Völk­lin­gen, sieht in den Lohn­er­hö­hun­gen ei­ne Maß­nah­me, „die die Re­al­ein­kom­men der Be­schäf­tig­ten ver­bes­sern und stei­gen las­sen“. Auch die Ein­mal­zah­lung von 150 Eu­ro sei in Ord­nung. Die Re­ge­lun­gen zur Al­ters­teil­zeit si­cher­ten den Be­triebs­rä­ten mehr Mit­spra­che­rech­te. Zu­dem soll es laut Hi­ry in den un­te­ren Lohn­grup­pen ei­ne Auf­sto­ckung auf 90 Pro­zent des zu­letzt ge­zahl­ten Loh­nes ge­ben.

Joa­chim Mal­ter, Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie Saar be­tont, die 3,4 Pro­zent ha­be man „mit gro­ßen Schmer­zen ge­schluckt“. Dies sei aber bes­ser als lan­ge Streiks. Be­son­ders für klei­ne und mit­tel­gro­ße Be­trie­be stel­le die Lohn­er­hö­hung ei­ne Be­las­tung dar. Mal­ter sieht den Ab­schluss auch im Um­feld nied­ri­ger Ener­gie­prei­se so­wie ei­ner güns­ti­gen Dol­lar-Eu­ro-Re­la­ti­on, was 2015 und 2016 für vie­le Be­trie­be wie ein klei­nes Kon­junk­tur­pro­gramm wir­ken kön­ne.

Ge­ra­de die Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie kann kei­ne lan­gen Streik­wel­len ver­tra­gen. Ih­re in­ter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­fä­hig­keit wird da­durch stark ge­fähr­det. Das wis­sen so­wohl die Ar­beit­ge­ber als auch die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter. Zu­dem ist die IG Me­tall be­kannt da­für, be­son­ders stark or­ga­ni­siert und kampf­be­reit zu

FOTO: RUPPENTHAL

„Wir für mehr“– un­ter die­sem Mot­to de­mons­trier­ten Saar-Me­tal­ler wie hier bei Ford.

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