Das nas­se Er­be des Saar-Berg­baus

Das Be­herr­schen des Gru­ben­was­sers ist ein lang­wie­ri­ger Prozess

Saarbruecker Zeitung - - Saarland - Von SZ-Re­dak­teur Lothar War­scheid

Das Gru­ben­was­ser-Kon­zept des Berg­bau-Kon­zerns RAG er­hitzt die Ge­mü­ter an der Saar. An drei Stel­len hebt sich der un­ter­ir­di­sche Was­ser­spie­gel be­reits. An­ders­wo ist es noch lan­ge nicht so weit.

Saar­brü­cken. In den Tie­fen der Er­de stei­gen und flie­ßen Ge­wäs­ser, die an der Ober­flä­che der­zeit die Ge­mü­ter hef­tig be­we­gen. Es geht um das Gru­ben­was­ser, ein Er­be des Berg­baus an der Saar. Der Berg­bau-Kon­zern RAG hat die Auf­ga­be, ei­ne Lö­sung zu fin­den, da­mit die auf­stei­gen­den Was­ser­mas­sen be­herrsch­bar blei­ben, kei­nen Scha­den an der Ober­flä­che ver­ur­sa­chen und auch das Trink­was­ser nicht ge­fähr­den. Die RAG will er­rei­chen, dass die Pum­pen, die das Was­ser in der Tie­fe hal­ten, ir­gend­wann ab­ge­stellt wer­den. Da­mit könn­te das Un­ter­neh­men nach Schät­zun­gen ih­res Vor­stands­chefs Bernd Tön­jes pro Jahr rund 16 Mil­lio­nen Eu­ro ein­spa­ren.

Wann es so weit ist und ob es über­haupt da­zu kommt, ist noch of­fen. Da­zu be­nö­tigt die RAG ei­ne Ge­neh­mi­gung der zu­stän­di­gen Be­hör­den. Für ei­ni­ge Ver­fah­rens­schrit­te ist das Ober­berg­amt des Saar­lan­des und für an­de­re das Berg­amt Saar­brü­cken zu­stän­dig.

Des­sen Be­am­te ha­ben be­reits zwei Son­der­be­triebs­plä­ne ab­ge­seg­net. Bei dem ers­ten wur­de der RAG er­laubt, seit Au­gust 2010 im so ge­nann­ten Nord­feld des Berg­werks Saar (sie­he Grafik) die Pum­pen ab­zu­stel­len. Nach An­ga­ben ei­nes RAGSpre­chers stand das Was­ser da­mals in ei­ner Tie­fe von 1015 un­ter Mee­res­spie­gel-Hö­he (Nor­mal-Null, NN). In­zwi­schen ist es auf 625 Me­ter un­ter NN ge­klet­tert.

Ei­nen Son­der­be­triebs­plan er­teil­te das Berg­amt Saar­brü­cken auch für die Fel­der Dils­burg und Prims­mul­de – nach RAG-An­ga­ben im Fe­bru­ar 2013. Die Aus­gangs­tie­fe lag in der Prims­mul­de bei mi­nus 1430 Me­ter, in­zwi­schen sind mi­nus 1113 Me­ter er­reicht. In et­wa acht Jah­ren soll nach den Plä­nen der RAG das end­gül­ti­ge Ni­veau in bei­den Fel­dern bei mi­nus 400 Me­ter lie­gen.

Die bei­den Son­der­be­triebs­plä­ne wur­den zu­ge­las­sen, weil es für das Berg­werk Saar noch kei­nen Ab­schluss-Be­triebs­plan gibt, ob­wohl dort die Koh­le­för­de­rung be­reits Mit­te 2012 ein­ge­stellt wur­de. Die­ses Ver­fah­ren ist durch das Bun­des­berg­ge­setz ge­deckt. Still­ge­legt wer­den kann ein Berg­werk erst, wenn min­des­tens zwei Jah­re lang kei­ne Koh­le mehr ge­för­dert wur­de, heißt es dort. Au­ßer­dem „sol­len Ge­fah­ren für Le­ben und Ge­sund­heit Drit­ter auch nach Ein­stel­lung des Be­triebs aus­ge­schlos­sen wer­den“.

Als nächs­tes steht der Rest des Saar-Re­viers an. Im März ver­gan­ge­nen Jah­res hat­te die RAG zu­nächst ein­mal ein „Kon­zept zur lang­fris­ti­gen Op­ti­mie­rung der Gru­ben­was­ser­hal­tung für das Saar­land“vor­ge­legt. Nach­dem die Dis­kus­si­on auf­flamm­te, dass un­ter Ta­ge ver­schie­de­ne Stof­fe ge­la­gert wur­den, muss­te die RAG ihr Kon­zept nach­bes­sern, was sie im Ju­li 2014 tat. Bei den Stof­fen han­del­te es sich nach An­ga­ben des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums und der RAG um ge­bun­de­nen As­best­ze­ment, Gie­ße­rei-San­de und „Sprühab­sorp­ti­ons- Asche“. Die­se Asche stamm­te aus der Rauch­gas-Ent­schwe­fe­lung ei­nes St­ein­koh­le­kraft­werks. Fer­ner sei bis Mit­te 2012 „in grö­ße­rem Um­fang koh­le­stäm­mi­ge Flug­asche-Ze­men­tGe­mi­sche aus Kraft­wer­ken als an­er­kann­te und zer­ti­fi­zier­te Bau­stof­fe un­ter Ta­ge ein­ge­setzt wor­den“, so Wirt­schafts­mi­nis­te­rin An­ke Rehlin­ger (SPD).

Ein wei­te­rer Streit­punkt sind die Hy­drau­lik- Öle, die von den Berg­leu­ten im Streb ver­wen­det wur­den. Bis in die 1980er Jah­re wur­den Po­ly­chlo­rier­te Bi­phe­nyle (PCB) bei­ge­mischt, weil sie die Ent­flamm­bar­keit des Öls re­du­zier­ten. „Als si­che­re Al­ter­na­tiv­stof­fe zur Ver­fü­gung stan­den, wur­de die Ver­wen­dung PCB-hal­ti­ger Öle ein­ge­stellt“, heißt es bei der RAG. In den im Som­mer 2014 nach­ge­reich­ten Er­gän­zun­gen zu dem RAG-Kon­zept wird die Ge­fahr der PCB- Öle für die Gru­ben­was­ser-Flu­tung als ge­ring ein­ge­schätzt. In den Jah­ren 2009 und 2010 sei­en die Gru­ben­was­ser-Ein­lei­tun­gen in die Saar un­ter­sucht wor­den. „Das Er­geb­nis war, dass we­ni­ger als ein Pro­zent der vor­han­de­nen PCBBe­las­tung in der Saar dem Berg­bau zu­zu­rech­nen war“, heißt es in dem Pa­pier.

Wie geht es jetzt wei­ter? Im De­zem­ber hat­te die Lan­des­re­gie­rung ih­re Stel­lung­nah­me zum RAG-Kon­zept ab­ge­ge­ben. Dar­in for­dert sie un­ter an­de­rem, „dass je­de Ve­rän­de­rung an der Gru­ben­was­ser­hal­tung Ge­fahr für Mensch und Um­welt aus­schlie­ßen muss“. Au­ßer­dem müs­se der Was­ser­an­stieg je­der­zeit ge­stoppt wer­den kön­nen.

Jetzt ist die RAG an der Rei­he. Sie wird im März die pla­ne­ri­sche Mit­tei­lung schi­cken. Die­se ist Vor­aus­set­zung, das berg­recht­li­che Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­ren mit ei­ner Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fung (UVP) zu er­öff­nen. Die An­trags­un­ter­la­gen für die­ses Ver­fah­ren sol­len in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2016 ein­ge­reicht wer­den. Par­al­lel da­zu führt das Berg­amt Saar­brü­cken das Ab­schluss­be­triebs­plan-Ver­fah­ren durch, das die Stand­or­te aus dem Berg­recht ent­lässt.

Die­se Ver­wal­tungs­pro­ze­dur, in die auch al­le „Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge“(Kom­mu­nen, Be­hör­den oder Ver­bän­de) ein­ge­bun­den wer­den, gilt nur für den Be­reich des frü­he­ren Berg­werks Re­den, wo das Gru­ben­was­ser um rund 280 Me­ter an­ge­ho­ben wer­den soll. Das ist die Vor­aus­set­zung da­für, dass es im Jahr 2035 am Stand­ort Du­ha­mel (Ens­dorf ) in die Saar ab­ge­lei­tet wer­den kann. Es wird al­so noch viel Was­ser die Saar hin­ab­flie­ßen, bis es sich mit dem Gru­ben­was­ser mischt – wenn es über­haupt da­zu kommt.

FOTO: BE­CKER & BREDEL

Am ehe­ma­li­gen Stand­ort der Gru­be Re­den wird mit Gru­ben­was­ser ein Was­ser­gar­ten be­trie­ben. Das aus 800 Me­tern Tie­fe ge­ho­be­ne, 32 Grad war­me Was­ser wird in Be­cken ge­sam­melt, ab­ge­kühlt und schließ­lich in den Klin­ken­bach ab­ge­lei­tet.

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