„Bür­ger­meis­ter kann je­der wer­den, der braucht über­haupt nichts zu kön­nen, nur 18 Jah­re alt sein.“

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik / Region - Von SZ-Re­dak­teur Pe­ter Ste­fan Herbst

kön­ne er nicht sa­gen: „Ich weiß ja auch nicht, ob ich in zwei Jah­ren noch Mi­nis­ter bin, die Halb­werts­zeit ist manch­mal re­la­tiv kurz, wenn man die Wahr­heit sagt.“

Die Kom­mu­nal­re­form ist ei­ne von Bouil­lons Mam­mut­auf­ga­ben, da­bei sieht er Tei­le der SPD of­fen­bar als Brem­ser, et­wa den in­nen­po­li­ti­schen Spre­cher der SPD-Frak­ti­on, Magnus Jung: „Wenn sol­che Leu­te schon sa­gen, be­vor es los­geht, er ist ge­gen ei­ne Re­form, er ist ge­gen ei­ne Fu­si­on von Kom­mu­nen. (…) Da brau­che ich ei­gent­lich nichts zu ma­chen.“Des­halb sei es Auf­ga­be der CDU-Ab­ge­ord­ne­ten im Land­tag, deut­lich zu ma­chen, „wer was will und wer nix will“. Da müs­se man „klipp und klar in den Clinch“.

Dass Bouil­lon mit sei­ner for­schen Art so man­chen vor den Kopf stößt, scheint ihm egal zu sein: „Die Grü­nen sa­gen, ich bin nicht kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig. Die ha­ben Recht. Die Din­ge kann man nur ent­we­der bru­tal durch­set­zen oder es geht nicht“. Für sei­ne For­de­rung, die Kom­mu­nen müss­ten zehn Pro­zent ih­res Per­so­nals ab­bau­en, war der In­nen­mi­nis­ter hef­tig kri­ti­siert wor­den. Um die­ses Ziel zu er­rei­chen, so Bouil­lon, müss­te nur je­de zwei­te Stel­le in den kom­men­den fünf Jah­ren nicht nach­be­setzt wer­den: „Wenn dann ei­ner be­haup­tet, die Ver­wal­tung fällt ins Ko­ma, la­che ich mich ka­putt.“Er sei lan­ge ge­nug im Ge­schäft, je­der ha­be doch ge­trickst: „Ich ha­be 50 Zeit­ver­trä­ge, die ste­hen in kei­nem Haus­halts­plan. Das macht ziem­lich je­der, der ei­ni­ger­ma­ßen cle­ver ist.“

Er persönlich sei auch über­zeugt, dass ei­ne Ge­biets­re­form kom­men müs­se, mehr noch: „Ich ma­che es mal noch pro­vo­kan­ter, dann fal­len wie­der ei­ni­ge in Ohn­macht: Na­tür­lich muss man auch prü­fen, ob man drei Ver­wal­tungs­ebe­nen (Land, Land­krei­se, Kom­mu­nen, Anm. d. Red.) in ei­nem Land­kreis braucht.“Die Krei­se klag­ten im­mer, die So­zi­al­las­ten und die Kos­ten für die Ki­tas sei­en ge­stie­gen, doch über­prü­fen las­sen wol­le sich kei­ner. „Als ich als Bür­ger­meis­ter in St. Wen­del an­fing, hat die Stadt um­ge­rech­net vier Mil­lio­nen Eu­ro Kreis­um­la­ge ge­zahlt, heu­te sind es 16,8 Mil­lio­nen.“Selbst wenn man die ge­stie­ge­nen Kos­ten für Ki­tas und So­zi­al­leis­tun­gen her­aus­rech­ne, sei das „ein­fach zu viel“. Es sei lan­ge ge­nug dis­ku­tiert wor­den, nun wer­de er ge­mein­sam mit der Kom­mu­na­len Ge­mein­schafts­stel­le für Ver­wal­tungs­ma­nage­ment (KGSt) die Land­krei­se und den Re­gio­nal­ver­band auf den Prüf­stand stel­len – „da müs­sen dann al­le mit­ma­chen“.

Von ei­ni­gen sei­ner frü­he­ren Amts­kol­le­gen scheint der ehe­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter von St. Wen­del üb­ri­gens nicht viel zu hal­ten: „Für al­le Be­rufs­grup­pen auf die­ser Welt gibt es Lehr­jah­re (…). Nur Bür­ger­meis­ter kann je­der wer­den, der braucht über­haupt nichts zu kön­nen, nur 18 Jah­re alt sein. Dem­ent­spre­chend ist auch die Qua­li­tät des ein oder an­de­ren.“

Klaus Bouil­lon re­det Kl­ar­text. Das kommt bei Wäh­lern in der Re­gel gut an. Sei­ne ak­tu­el­len Ein­schät­zun­gen vor Un­ter­neh­mern hat­ten ho­hen Un­ter­hal­tungs­wert. Falsch war auch nicht al­les, was er gesagt hat. Mit vie­len Ein­schät­zun­gen liegt er so­gar rich­tig. Für ei­nen Op­po­si­ti­ons­po­li­ti­ker wä­re dies ein gu­ter Auf­tritt ge­we­sen. Als In­nen­mi­nis­ter wird er aber vom Steu­er­zah­ler für Lö­sun­gen und Er­geb­nis­se be­zahlt. Ob er

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