For­scher un­ter­su­chen Flüs­sig­keits­at­mung für Lun­gen­kran­ke

Wis­sen­schaft­ler der TU Frei­berg tes­ten flüs­si­gen Koh­len­was­ser­stoff in den kom­men­den zwei Jah­ren in ei­ner künst­li­chen Lun­ge

Saarbruecker Zeitung - - Wissen -

Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Frei­berg wol­len Per­fluor­c­ar­bon, ei­ne syn­the­ti­sche Sub­stanz, die auch als Blut­er­satz ge­nutzt wird, als Atem­flüs­sig­keit tes­ten. Sie soll Sau­er­stoff zu den Lun­gen­bläs­chen trans­por­tie­ren.

Frei­berg. Kei­ne Luft, son­dern Flüs­sig­keit in der Lun­ge zu ha­ben, ist ei­ne Vor­stel­lung, die den meis­ten Men­schen Alb­träu­me be­rei­tet. Da­bei ist das At­mungs­or­gan je­des Men­schen in sei­nen al­ler­ers­ten Le­bens­mo­na­ten als Em­bryo mit Flüs­sig­keit ge­füllt, auch wenn das un­ge­bo­re­ne Kind selbst nicht at­met.

Weil Flüs­sig­kei­ten bei ge­rin­gem Druck sehr viel Sau­er­stoff trans­por­tie­ren kön­nen, un­ter­su­chen nun Wis­sen­schaft­ler der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Frei­berg das Ver­fah­ren der Flüs­sig­keits­at­mung für mög­li­che An­wen­dun­gen in der Me­di­zin. „Pa­ti­en­ten mit Er­kran­kun­gen der Lun­ge kön­nen von der Flüs­sig- keits­be­at­mung pro­fi­tie­ren. Denn sie ar­bei­tet mit weit ge­rin­ge­ren Drü­cken als es bei der Über­druck­be­at­mung der Fall ist, die heu­te bei Atem­not meist an­ge­wandt wird“, so Dr. Ka­trin Bauer vom In­sti­tut für Mecha­nik und Fluid­dy­na­mik. Bis­lang ge­be es die­se Tech­nik al­ler­dings nur in ex­pe­ri­men­tel­ler Form in der Akut­me­di­zin bei Früh­ge­bo­re­nen oder schwer lun­gen­kran­ken Pa­ti­en­ten. Bei der Flüs­sig­keits­at­mung wird die Koh­len­was­ser- stoff­ver­bin­dung Per­fluor­c­ar­bon (PFC) in die Lun­ge ge­pumpt. Die syn­the­ti­sche Sub­stanz, die auch als Blut­er­satz be­nutzt wird, sei bei iden­ti­schem Vo­lu­men dop­pelt so schwer wie Was­ser, kön­ne je­doch im Ver­gleich die 20-fa­che Men­ge an Sau­er­stoff trans­por­tie­ren und gel­te dar­über hin­aus als ge­sund­heit­lich un­be­denk­lich.

Die For­scher ge­hen da­von aus, dass die­se Flüs­sig­keit ein­fach in kol­la­bier­te Lun­gen­be­rei­che ein­drin­gen kann, sie öff­net und so die­se Zo­nen wie­der für die Sau­er­stoff­ver­sor­gung ver­füg­bar macht, er­klärt Ka­trin Bauer.

Da­bei sind al­ler­dings noch zahl­rei­che Fra­gen zu klä­ren: Wie ver­teilt sich die Sub­stanz in der Lun­ge? Und wie ver­hal­ten sich der Sau­er­stoff und das aus­ge­at­me­te Koh­len­di­oxid? Das soll an ei­nem Mo­dell der obe­ren Atem­we­ge ge­tes­tet wer­den, das die For­scher wäh­rend in den kom­men­den zwei Jah­ren bei ih­rer Un­ter­su­chung be­nut­zen. np

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