Die Ro­cker müs­sen ein­pa­cken

Bun­des­re­gie­rung ver­bie­tet be­rüch­tig­ten Satu­dar­ah-Club – Kon­kur­ren­ten wie die Hells Angels freu­en sich

Saarbruecker Zeitung - - Panorama - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Frank Chris­ti­an­sen

Vor drei Jah­ren tauch­te ei­ne neue For­ma­ti­on in der west­deut­schen Ro­cker­sze­ne auf – die nie­der­län­di­schen Satu­dar­ah. Ih­re Kampf­an­sa­ge an die Hells Angels war un­über­hör­bar. Doch jetzt ist Satu­dar­ah ver­bo­ten.

Duis­burg. Po­li­zis­ten tra­gen die zi­tro­nen­gel­ben Club-In­si­gni­en aus den Ver­eins­häu­sern: zwei In­dia­ner­köp­fe mit Fe­der­schmuck, das Lo­go des be­rüch­tig­ten Ro­cker­clubs Satu­dar­ah. Nach rund drei Jah­ren in Deutsch­land heißt es für Satu­dar­ah jetzt: ein­pa­cken. Am Di­ens­tag be­kom­men die Ro­cker im Mor­gen­grau­en Be­such von Spe­zi­al­ein­hei­ten, die et­wai­gen Wi­der­stand bre­chen sol­len, ge­folgt von flei­ßi­gen Be­am­ten, die die Un­ter­la­gen und Uten­si­li­en be­schlag­nah­men.

In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) hat die aus den Nie­der­lan­den kom­men­de Kon­kur­renz der Hells Angels bun­des­weit ver­bo­ten. Wäh­rend bei Ban­di­dos und Hells Angels bis­lang nur ein­zel­ne Ab­le­ger, die so­ge­nann­ten Ch­ap­ter und Char­ter, ver­bo­ten wer­den konn­ten, er­streckt sich das Ver­bot in Sa­chen Satu­dar­ah auf sämt­li­che deut­schen Ak­ti­vi­tä­ten. Al­lein in Nord­rhein-West­fa­len, das hier­zu­lan­de als Hoch­burg von Satu­dar­ah gilt, sind rund 540 Po­li­zis­ten im Ein­satz, um das Ver­bot um­zu­set­zen. Bun­des­weit sind es et­wa 1000 Be­am­te.

Sie be­schlag­nah­men Mes­ser, Schlag­stö­cke, Schlag­rin­ge, Ma­che­ten, Schwer­ter so­wie Ga­sund Schreck­schuss­pis­to­len. Ein schwe­rer Rück­schlag für die Mul­ti­kul­ti-Ro­cker, die, 1990 von Ein­wan­de­rern ge­grün­det, bei ih­rer Ex­pan­si­on über die deutsch-nie­der­län­di­sche Gren­ze bis­lang al­les an­de­re als vom Glück ver­folgt wa­ren. Ihr Ch­ap­ter in Reck­ling­hau­sen muss­te sich nach meh­re­ren Fest­nah­men ver­gan­ge­nes Jahr auf­lö­sen. In Duis­burg ließ sich der dor­ti­ge Satu­dar­ah-Prä­si­dent mit ei­ner Ka­lasch­ni­kow er­wi­schen und lan­de­te vor Ge­richt.

Dann folg­te der Pau­ken­schlag, der die Ro­cker­grup­pe „ins Mark ge­trof­fen“hat, wie Kri­mi­nal­di­rek­tor Tho­mas Jung­bluth er­klärt, der Ex­per­te für Or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät im nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­kri­mi­nal­amt. Der Duis­bur­ger Satu­dar­ah-Prä­si­dent, der sich Ali Os­man nann­te, pfeift auf das eher­ne Schwei­ge­ge­lüb­de der kri­mi­nel­len Ro­cker­clubs und legt vor Ge­richt ei­ne Le­bens­beich­te ab. Er ge­steht Dro­gen- und Waf­fen­ge­schäf­te, ver­rät Kom­pli­zen und Hin­ter­män­ner. Für die Po­li­zei ist das ein Fest­tag. Aber auch bei den Hells Angels dürf­ten nun die Sekt­kor­ken knal­len. Die Kon­kur­renz ist da­mit auf ei­nem wei­te­ren Tief­punkt an­ge­langt.

Dass ein Ver­eins­ver­bot kein All­heil­mit­tel ist, zei­gen die Hells Angels, de­ren Char­ter in Düsseldorf zwar seit 15 Jah­ren ver­bo­ten ist, die ih­re Macht aber nicht ein­ge­büßt ha­ben. Auf die Fra­ge, wel­cher Hells-Angels-Char­ter ei­gent­lich dort den Ton an­gibt, sag­te ein Düs­sel­dor­fer Kri­mi­nal­be­am­ter viel­sa­gend: „Das Char­ter, das es gar nicht gibt.“

FOTO: DPA

Ein Po­li­zist trägt in Duis­burg das Ver­ein­sem­blem der Satu­dar­ah-Ro­cker aus dem Club­heim.

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