Re­gie­rung will An­le­ger bes­ser schüt­zen

Bun­des­tag be­han­delt Klein­an­le­ger­schutz­ge­setz – Ver­brau­cher in der Pflicht

Saarbruecker Zeitung - - Wirtschaft - Von SZ-Re­dak­teur Joa­chim Woll­schlä­ger

Berlin. Die Bun­des­re­gie­rung sieht beim ge­plan­ten bes­se­ren Schutz der An­le­ger vor hoch­ris­kan­ten und un­se­riö­sen Fi­nanz­pro­duk­ten auch Ver­brau­cher in der Pflicht. Es ge­he um die Ba­lan­ce zwi­schen Re­gu­lie­rung und Ei­gen­ver­ant­wor­tung, sag­te der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, Micha­el Meis­ter (CDU), bei der ers­ten Le­sung des Klein­an­le­ger­schutz­ge­set­zes im Bun­des­tag. Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) sprach von ei­nem neu­en Ko­or­di­na­ten- sys­tem für den „Grau­en Ka­pi­tal­markt“.

Das Ge­setz sieht mehr Trans­pa­renz vor, Wer­be­ver­bo­te und Warn­hin­wei­se für Geld­an­la­gen so­wie ei­ne stär­ke­re Auf­sicht über An­bie­ter und Pro­duk­te. Hoff­nung ist auch, un­zu­läs­si­ge „Schnee­ball­sys­te­me“ein­zu­däm­men, mit de­nen An­le­ger häu­fig ge­prellt wur­den. Aus­lö­ser für die stren­ge­ren Vor­ga­ben war auch die In­sol­venz des Wind­park­fi­nan­zie­rers Pro­kon. Dort hat­ten 75 000 An­le­ger et­wa 1,4 Mil­li­ar- den Eu­ro in hoch­ris­kan­te Ge­nuss­rech­te in­ves­tiert. Ex­per­ten schät­zen, dass An­le­ger jähr­lich zwi­schen 50 und 100 Mil­li­ar­den Eu­ro durch Falsch­be­ra­tung und un­se­riö­se Pro­duk­te ver­lie­ren.

An­bie­ter und Ver­mitt­ler müs­sen künf­tig mehr In­for­ma­tio­nen zu An­la­gen in Ver­kaufs­pro­spek­ten ver­öf­fent­li­chen. Die Pro­spekt­pflicht wird auf al­le Ver­mö­gens­an­la­gen aus­ge­dehnt. So sind An­bie­ter von Nach­rang­dar­le­hen und ähn­li­chen An­ge­bo­ten zu Pro­spek­ten ver­pflich­tet. dpa

Das ge­plan­te Klein­an­le­ger­schutz­ge­setz ist ak­tu­el­ler denn je. Denn ge­ra­de an­ge­sichts der ex­trem nied­ri­gen Zin­sen sind un­be­darf­te An­le­ger ge­neigt in frag­wür­di­ge Pro­duk­te zu in­ves­tie­ren. Wenn der Ge­setz­ge­ber den An­bie­tern ei­nen Rie­gel vor­schiebt, die bis­her un­ge­hemmt und un­re­gu­liert am so ge­nann­ten grau­en Ka­pi­tal­markt wir­ken, ist das ein gu­ter Schritt.

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