523 Flücht­lin­ge al­lein im Ja­nu­ar

Par­la­men­ta­ri­er der Groß­re­gi­on Saar-Lor-Lux in­for­mie­ren sich in Lan­des­auf­nah­me­stel­le

Saarbruecker Zeitung - - Landespolitik / Region - Von SZ-Re­dak­teur Diet­mar Klos­ter­mann

Die Zahl der Flücht­lin­ge, die das Saar­land er­rei­chen, steigt. Al­lein im Ja­nu­ar ka­men 523 an, teil­te ges­tern Horst Fi­né, Chef der Aus­län­der­be­hör­de in Le­bach mit. 322 von ih­nen wa­ren Kriegs­flücht­lin­ge aus Sy­ri­en.

Le­bach. Da ha­ben ges­tern die bei­den Par­la­men­ta­ri­er der deutsch­spra­chi­gen Ge­mein­schaft Bel­gi­ens in Eu­pen, Patri­cia Creutz-Vil­voye (Christ­So­zia­le Par­tei) und Alex­an­der Mie­sen (Li­be­ra­le Par­tei PFF), ge­staunt. In der Lan­des­auf­nah­me­stel­le des Saar­lan­des in Le­bach er­klär­te ih­nen der Chef der im Lan­des­ver­wal­tungs­amt an­ge­sie­del­ten Aus­län­der­be­hör­de, Horst Fi­né, dass ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber im Saar­land in letz­ter Kon­se­quenz früh­mor­gens von ei­ner Spe­zi­al­ein­heit der Po­li­zei ab­ge­holt und in ein Flug­zeug ge­setzt wür­den. „Die wer­den bis zum Ab­he­ben des Flug­zeugs über­wacht“, be­ton­te Fi­né.

Creutz-Vil­voye und Mie­sen hat­ten zu­vor be­rich­tet, dass in Bel­gi­en die ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­ber schrift­lich auf­ge­for­dert wür­den, zum Ab­flug­ter­min zu kom­men, und vie­le dann un­ter­tauch­ten. „Wir ha­ben des­halb wohl vie­le Men­schen sans pa­piers (oh­ne Pa­pie­re) bei uns“, sag­te die Christ­so­zia­le aus Eu­pen.

Auf Ein­la­dung des Vor­sit­zen­den der Kom­mis­si­on für In­ne­re Si­cher­heit des In­ter­re­gio­na­len Par­la­men­ta­rier­ra­tes der Groß­re­gi­on Saar-Lor-Lux, Ro­land Theis (CDU), hat­ten sich die Ab­ge­ord­ne­ten in Le­bach ein­ge­fun­den, um den Vor­trä­gen von Flücht­lings­ex­per­ten zu lau­schen und sich die Lan­des­auf­nah­me­stel­le an­zu­se­hen.

Fi­né be­rich­te­te den zwölf Par­la­men­ta­ri­ern, dass im ver­gan­ge­nen Jahr 240 ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber aus dem Saar­land ab­ge­scho­ben wur­den, da­von 150 in Bal­kan­län­der wie Ser­bi­en und Ko­so­vo und zehn nach Chi­na und Viet­nam. 80 Men­schen sei­en in an­de­re EUStaa­ten zu­rück­trans­por­tiert wor­den, weil sie dort zu­erst eu­ro­päi­schen Bo­den be­tre­ten hat­ten. Die Du­blin-Ver­trä­ge re­geln die­se Ab­schie­bun­gen et­wa nach Ita­li­en, Bul­ga­ri­en oder Grie­chen­land. Da­ge­gen wand­te sich Andre­as Au­gus­tin von der Pi­ra­ten­frak­ti­on des Saar-Land­ta­ges. Durch ei­ne Ab­schie­bung kä­men die Men­schen in die­sen EU-Län­dern in teils ka­ta­stro­pha­le Zu­stän­de, so Au­gus­tin. Das Saar­land soll­te da­her Staa­ten wie Ita­li­en und Grie­chen­land stär­ker ent­las­ten. Auch Grü­nen-Frak­ti­ons­vi­ze Klaus Kess­ler lehn­te die Rück­über­stel­lun­gen grund­sätz­lich ab.

Von ei­ner Stei­ge­rung der Zahl der Flücht­lin­ge, die im Saar­land an­kom­men, be­rich­te­te Fi­né. „5076 Asyl­an­trä­ge sind 2014 ge­stellt wor­den,“sag­te der Chef der Aus­län­der­be­hör­de. 3167 sei­en im Saar­land ge­blie­ben, die üb­ri­gen auf an­de­re Bun­des­län­der ver­teilt wor­den. Al­lein im Ja­nu­ar hät­ten 523 Flücht­lin­ge Asyl­an­trä­ge im Saar­land ge­stellt, 393 blie­ben bis zur Ent­schei­dung dar­über hier. In der Pro­gno­se wer­den am Jah­res­en­de wohl mehr als 5000 neue Flücht­lin­ge im Saar­land un­ter­ge­bracht. „Wir ha­ben der­zeit 1400 Flücht­lin­ge al­lein in den 56 Häu­sern in Le­bach“, sag­te der Chef des Lan­des­ver­wal­tungs­am­tes, Chris­tof Hoff­mann. Trotz der un­ter­schied­li­chen Kul­tu­ren und Re­li­gio­nen sei das Zu­sam­men­le­ben fried­lich, be­ton­te Hoff­mann.

Theis un­ter­strich, dass die Ent­schei­dung des In­nen­mi­nis­te­ri­ums, christ­li­chen Flücht­lin­gen schnel­ler kom­mu­na­le Woh­nun­gen zu­zu­wei­sen, den­noch rich­tig sei. Fi­né be­rich­te­te, dass Sym­pa­thi­san­ten der Ter­ror­grup­pe Is­la­mi­scher Staat von au­ßer­halb der Lan­des­auf­nah­me­stel­le ver­such­ten, An­ders­gläu­bi­ge in­ner­halb zu be­dro­hen. Hier er­mit­te­le die Kri­po.

FOTO: O. DIET­ZE

Der­zeit le­ben 1400 Flücht­lin­ge in den 56 Häu­sern der Lan­des­auf­nah­me­stel­le Le­bach.

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