„Sh­pil she mir a Li­de­le in Jid­disch“

Cho­r­en­sem­ble Frau­en­Stim­men prä­sen­tiert jü­di­sches Lied­gut im Saar­brü­cker Schloss

Saarbruecker Zeitung - - Kultur Regional - Von SZ-Re­dak­teur Mar­tin Rols­hau­sen

„Ist es re­spekt­los, wenn Nicht­jü­din­nen heu­te die­se Lie­der sin­gen?“Die­se Fra­ge ha­ben sich die et­wa 30 Sän­ge­rin­nen des Frau­en­Stim­men-En­sem­bles ge­stellt, als sie ihr Klez­mer-Pro­gramm vor­be­rei­tet ha­ben. Sie ha­ben die Fra­ge mit nein be­ant­wor­tet.

Saar­brü­cken. So­ge­nann­te Welt­mu­sik, tra­di­tio­nel­le Chor­wer­ke für Frau­en­stim­men, Schla­ger­be­ar­bei­tun­gen aus den 1930erJah­ren – al­les kein Pro­blem für die Frau­en zwi­schen 20 und 75 Jah­ren, die sich ein­mal pro Wo­che zur Pro­be tref­fen und seit 2006 als Cho­r­en­sem­ble Frau­en­Stim­men auf­tre­ten.

Aber wenn nicht nur mu­si­ka­li­sche Her­aus­for­de­run­gen bei den Pro­ben auf­tau­chen, son­dern die deut­sche Ver­gan­gen­heit, die Ver­fol­gung und Er­mor­dung von Mil­lio­nen Ju­den prä­sent sind, ist das schon ei­ne be­son­de­re Schwie­rig­keit.

„Wel­che Be­deu­tung ha­ben die Tex­te? Ist es re­spekt­los, wenn Nicht­jü­din­nen heu­te die­se Lie­der sin­gen?“Die­se Fra­gen ha­ben sich die Frau­en ge­stellt, be­vor sie an­ge­fan­gen ha­ben, ihr Klez­mer-Pro­gramm vor­zu­be­rei­ten.

„Klez­mer-Mu­sik ist tra­di­tio­nel­le jü­di­sche Mu­sik – sehn­suchts­voll, in­nig und warm, aber auch auf­re­gend schnell und ra­sant“, er­klärt Lars We­ber von der Re­gio­nal­ver­bands­ver­wal­tung, die den Chor mit sei­nem Klez­mer-Pro­gramm an­läss­lich des In­ter­na­tio­na­len Frau­en­tags ins Saar­brü­cker Schloss ein­ge­la­den hat.

Klez­mer, sagt We­ber, hat in Deutsch­land „ei­ne ste­tig wach­sen­de Fange­mein­de und fas­zi­niert so­wohl mit ih­rer le­bens­be­ja­hen­den Fröh­lich­keit, die zum Tan­zen ein­lädt, als auch mit ih­rer tie­fen Ernst­haf­tig­keit und Spi­ri­tua­li­tät“.

Ent­spre­chend „vor­sich­tig be­gan­nen die Chor­sän­ge­rin­nen, sich ei­ner ih­nen we­nig be­kann­ten Kultur zu nä­hern“, er­klärt er. Bü­cher, zum Bei­spiel Ro­ma­ne über jü­di­sche Fa­mi­li­en­ge­schich­ten oder die Au­to­bio­gra­fie ei­ner mo­der­nen Rab­bi­ne­rin, wur­den im En­sem­ble rum­ge­reicht. Chor­lei­te­rin Amei Scheib holte sich in ei­nem Klez­mer­work­shop An­re­gun­gen und wur­de von jü­di­schen Mu­si­kern er­mu­tigt, an dem Pro­jekt fest­zu­hal­ten.

Nach­hil­fe in der jid­di­schen Aus­spra­che be­kam der Chor von ei­ner neu­en Mit­sän­ge­rin: Ruth Bo­guslaw­ski ist selbst Jü­din, macht jid­di­sche Mu­sik und hat die Spra­che der Ost­ju­den häu­fig bei ih­ren El­tern ge­hört. Au­ßer­dem be­such­ten die Frau­en die Sy­nago­ge in Saar­brü­cken, stell­ten dem Kan­tor Fra­gen und lern­ten da­bei ei­ne Men­ge über den jü­di­schen Glau­ben und das heu­ti­ge jü­di­sche Le­ben im Saar­land. Her­aus kam das Pro­gramm „Sh­pil she mir a Li­de­le in Jid­disch“.

Klez­me­r­a­bend am Frei­tag, 6. März, um 19.30 Uhr mit dem Cho­r­en­sem­ble Frau­en­Stim­men im Fest­saal des Saar­brü­cker Schlos­ses. Ein­tritt: 15 Eu­ro, er­mä­ßigt 10 Eu­ro. Kar­ten­vor­ver­kauf bei der Tou­rist In­for­ma­ti­on im Saar­brü­cker Schloss un­ter Tel. (06 81) 5 06 60 06 oder E-Mail tou­rist­in­fo@rvs­br.de

Chor­lei­te­rin Amei Scheib.

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