Bis­lang kei­ne IS-Kämp­fer aus dem Saar­land

Hel­mut Al­bert vom Lan­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz sieht bei Wolfsburg aber Par­al­le­len zur Neun­kir­cher Zel­le

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES -

An­ders als in Wolfsburg ha­ben sich bis­lang kei­ne Is­la­mis­ten aus dem Saar­land den IS-Kämp­fern an­ge­schlos­sen. Der Lei­ter des saar­län­di­schen Lan­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz, Hel­mut Al­bert, sieht al­ler­dings Par­al­le­len zu den Dschi­ha­dis­ten der Neun­kir­cher Zel­le, die mit der Sau­er­land-Grup­pe zu­sam­men­ar­bei­te­te. Mit Al­bert sprach SZ-Re­dak­teu­rin Iris Neu.

Herr Al­bert, zwei Is­la­mis­ten aus Wolfsburg, die sich dem IS-Ter­ror an­ge­schlos­sen hat­ten, kom­men nun in Nie­der­sach­sen vor Ge­richt. Auch im Saar­land gibt es ra­di­ka­le Is­lam­gläu­bi­ge. Ist die Is­la­mis­ten­sze­ne hier mit der Wolfs­burgs ver­gleich­bar? Al­bert: Nein. Zur Bil­dung sol­cher is­la­mis­ti­scher Hots­pots wie in Wolfsburg müs­sen – zu- sätz­lich zu der Tat­sa­che, dass es ei­ne sala­fis­ti­sche Ge­mein­de gibt – wei­te­re Fak­to­ren hin­zu­kom­men. Fol­gen­de sind we­sent­lich: zum ei­nen Ein­wir­kun­gen von au­ßen, et­wa durch ei­nen ra­di­ka­len Pre­di­ger, zum an­de­ren ei­ne Grup­pe Gleich­ge­sinn­ter, die sich ge­gen­sei­tig bei der Ra­di­ka­li­sie­rung un­ter­stützt.

Im Saar­land sind Ih­nen al­so kei­ne ra­di­ka­len Pre­di­ger be­kannt? Al­bert: So­ge­nann­te Hass-Pre­di­ger gibt es im Saar­land zur­zeit kei­ne.

Hel­mut Al­bert

Gibt es so et­was wie ei­ne idea­le geo­gra­fi­sche oder so­zia­le In­fra­struk­tur, die sol­che Ra­di­ka­li­sie­run­gen för­dert? Al­bert: Nein, so et­was kann über­all statt­fin­den. Auch im Saar­land gab es das zwi­schen 2004 und 2007 mit der Neun­kir­cher Zel­le, die im en­gen Kon­takt mit den Is­la­mis­ten der Sau­er­land­Grup­pe stand. Par­al­le­len zu Wolfsburg gibt es da durch­aus. In­so­fern et­wa, dass es da ei­ne Ra­di­ka­li­sie­rungs­be­reit­schaft ei­ni­ger jun­ger Leu­te gab. Da­zu kam ein äu­ße­rer Ein­fluss durch ei­nen sehr ra­di­ka­len Stu­den­ten, der sei­ne Ge­sin­nung dort ein­ge­bracht hat. Die Mit­glie­der der Grup­pe ha­ben den Weg des Dschi­hads wei­ter­ver­folgt, sind an­schlie­ßend ins Grenz­ge­biet von Af­gha­nis­tan und Pa­kis­tan ge­gan­gen und ha­ben sich dort aus­bil­den las­sen. Ei­ne ähn­li­che Ra­di­ka­li­sie­rungs­schrau­be al­so wie in Wolfsburg – nur dass dort die Rei­se nach Sy­ri­en und in den Irak ging.

Ih­re Be­hör­de spricht der­zeit von 210 Is­la­mis­ten im Saar­land, die un­ter Be­ob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes ste­hen. Wie ge­fähr­lich ist die La­ge hier­zu­lan­de? Al­bert: Man muss un­ter­schei­den zwi­schen Is­la­mis­ten, die ge­walt­be­reit sind und sol­chen, die ge­walt­los Mus­li­me und so­ge­nann­te Un­gläu­bi­ge auf ih­re Sei­te zie­hen und so ver­su­chen, ih­ren Ein­fluss zu ver­grö­ßern. Die­je­ni­gen, die den Ge­walt­weg be­schrei­ten, sind et­wa ein Pro­zent der Is­la­mis­ten.

Aber die ge­walt­los Ra­di­ka­len sind doch auch nicht un­ge­fähr­lich . . . Al­bert: Im po­li­zei­li­chen Sin­ne be­steht durch sie kei­ne Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit. Ih­re Ge­fähr­lich­keit be­steht aber dar­in, dass sie mit­te­lund lang­fris­tig ver­su­chen, die Ge­sell­schaft um­zu­ge­stal­ten und vor al­lem die mus­li­mi­sche Ge­mein­de in Deutsch­land auf ih­re Sei­te zu zie­hen.

Kön­nen Sie sa­gen, wie vie­le der im Saar­land le­ben­den Is­la­mis­ten in den Dschi­had ge­zo­gen sind? Al­bert: Nach Sy­ri­en und in den Irak ist von den im Saar­land le­ben­den Is­la­mis­ten bis­her kei­ner ge­gan­gen. Bei der Aus­wan­de­rungs­wel­le zu­vor nach Af­gha­nis­tan wa­ren – im Zu­sam­men­hang mit der Sau­er­land- Grup­pe – fünf hie­si­ge Dschi­ha­dis­ten da­bei, dar­un­ter et­wa Eric Br­ei­nin­ger.

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