Die Bie­der­män­ner fah­ren nach Rio

DSV-Män­ner-Staf­fel si­chert Rio, ver­passt aber das WM-Fi­na­le – Deut­scher Re­kord für Wenk

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - Von Jörg Sold­wisch und Tho­mas Li­pin­ski (sid) sid

Der ers­te WM-Start von Paul Bie­der­mann ver­lief noch nicht nach Wunsch. Mit der 4x100-mF­rei­stil­staf­fel lös­te der Welt­re­kord­ler zwar das Olym­pia-Ti­cket, ver­pass­te aber das Fi­na­le – und hin­ter­ließ Rät­sel.

Kasan. Nach dem ers­ten Ren­nen bei sei­ner letz­ten WM woll­te Paul Bie­der­mann ganz schnell weg. „Das war so­weit erst­mal im Rah­men“, sag­te der Schwimm­star nach dem Vor­lauf-Aus mit der 4x100-Me­terF­rei­stil­staf­fel im Ka­sa­ner Fuß­ball­sta­di­on ein­sil­big: „Das Mi­ni­mal­ziel ha­ben wir ge­schafft.“Für Olym­pia in Rio qua­li­fi­zier­te sich das Quar­tett, doch der Welt­re­kord­ler ent­täusch­te.

Bie­der­mann blieb ei­nen Tag vor sei­nem Start als Mit­fa­vo­rit über 200 Me­ter als Schluss­schwim­mer in 49,23 Se­kun­den deut­lich über sei­ner Best­zeit und brach­te Bun­des­trai­ner Hen­ning Lam­bertz ins Grü­beln. „Wir müs­sen hof­fen, dass bei Paul ein­fach mehr geht“, sag­te der Chef­trai­ner nach dem elf­ten Platz sei­nes Vor­schwim­mers mit der Staf­fel: „Das kann es nicht ge­we­sen sein.“Das Was­ser sei „nass“, ließ Bie­der­mann noch wis­sen – und ver­schwand.

Der 28-Jäh­ri­ge saß am Abend in sei­nem Ho­tel­zim­mer, als Alex­an­dra Wenk für den deut­schen Hö­he­punkt des ers­ten Ta­ges sorg­te. Die Münch­ne­rin zog mit deut­schem Re­kord ins Fi­na­le über 100-Me­ter-Schmet­ter­ling ein. „Heu­te ist der glück­lichs­te Tag in mei­nem Le­ben. Ich ha­be mehr er­reicht, als ich mir er­träumt ha­be“, sag­te die 20-Jäh­ri­ge, die als Halb­fi­nal­sieb­te in 57,77 Se­kun­den die sechs Jah­re al­te Best­mar­ke von An­ni­ka Mehl­horn um 13 Hun­derts­tel ver­bes­ser­te. Im zwei­ten Halb­fi­na­le schwamm die schwe­di­sche Ti­tel­ver­tei­di­ge­rin Sa­rah Sjös­tröm (55,74) den ers­ten Welt­re­kord der WM.

Auch Hen­drik Feld­wehr und Chris­ti­an vom Lehn glänz­ten mit Best­zei­ten über 100 Me­ter Brust. Feld­wehr war als Sechs­ter in 59,63 Se­kun­den so schnell wie noch nie oh­ne High­techAn­zug und steht heu­te im End­lauf. Sein Es­se­ner Kol­le­ge vom Lehn blieb erst­mals un­ter ei­ner Mi­nu­te und geht trotz des Halb­fi­nal-Aus als Zehn­ter op­ti­mis­tisch auf sei­ne Pa­ra­de­stre­cke über 200 Me­ter am Don­ners­tag: „Das war ein gu­tes Zei­chen.“

Staf­fel-Eu­ro­pa­meis­ter Cle­mens Rapp schwamm mit per­sön­li­cher Best­zeit in den End­lauf über 400 Me­ter Frei­stil und kam beim Sieg des chi­ne­si­schen Dop­pel- Olym­pia­sie­gers Sun Yang auf Rang sie­ben. Lehr­geld zahl­te da­ge­gen Flo­ri­an Vo­gel. Der 20-jäh­ri­ge Münch­ner, schon als Bie­der­mann-Nach­fol­ger ge­han­delt, ging sein ers­tes WM-Ren­nen zu forsch an und ver­pass­te den End­lauf um 15 Hun­derts­tel­se­kun­den. „Ich ha­be mir im Ge­gen­satz zu den an­de­ren kei­ne Kör­ner ge­spart und bin dann auf der letz­ten Bahn ge­platzt“, gab Vo­gel zu. Ihm fehl­te fast ei­ne Se­kun­de zu sei­ner Zeit von der Deut­schen Meis­ter­schaft im April.

Aus für Hüt­her und Bruhn

Die neue Re­kord­hal­te­rin Wenk hat­te mit der 4x100-Me­terF­rei­stil­staf­fel am Mor­gen al­ler­dings das Ziel Olym­pia ver­passt. In der Be­set­zung An­ni­ka Bruhn (Saar­brü­cken), Do­ro­thea Brandt (Es­sen), Wenk (München) und Mar­le­ne Hüt­her (Saar­brü­cken) fehl­ten dem DSV- Quar­tett 0,67 Se­kun­den auf Rang zwölf, der den Olym­pia- Quo­ten­platz ge­bracht hät­te. Al­ler­dings wer­den noch vier wei­te­re Olym­pia­plät­ze über die Welt­rang­lis­te ver­ge­ben. „In Top­be­set­zung ha­ben wir das Po­ten­zi­al da­zu“, mein­te Brandt.

Auch für Sa­rah Köh­ler und Jo­han­na Fried­rich über 400 Me­ter Frei­stil lief es nicht nach Wunsch. Als 12. und 19. schwam­men die bei­den deut­lich am Fi­na­le vor­bei. Völ­lig von der Rol­le war The­re­sa Mich­a­lak auf ei­nem in­dis­ku­ta­blen 30. Platz über 200 Me­ter La­gen. „Das ist ein rich­ti­ger Fehl­tritt“, mein­te Lam­bertz. Un­garns Schwimm­star Ka­tin­ka Hoss­zu ver­bes­ser­te gleich zwei­mal den ei­ge­nen Eu­ro­pa­re­kord – im Halb­fi­na­le auf 2:06,84 Mi­nu­ten. Kasan. Als An­ge­la Mau­rer nach 25 Ki­lo­me­tern und mehr als fünf St­un­den in der Ka­s­an­ka ent­kräf­tet das Ziel er­reich­te, war sie völ­lig per­plex. „Ich hab’ hin­ge­guckt und ge­dacht: Das ist falsch“, sag­te die zwei­ma­li­ge Frei­was­ser-Welt­meis­te­rin. Doch die An­zei­ge­ta­fel log nicht: Die 40-Jäh­ri­ge hat­te WMBron­ze ge­won­nen – ih­re 20. in­ter­na­tio­na­le Me­dail­le. Fünf Ta­ge nach ih­rem 40. Ge­burts­tag be­scher­te die äl­tes­te WM-Teil­neh­me­rin mit Platz drei hin­ter der Bra­si­lia­ne­rin Ana Mar­ce­la Cun­ha und Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­te­rin An­na Olasz aus Un­garn den deut­schen Frei­was­ser­schwim­mern die vier­te WM-Me­dail­le in Kasan – ei­ne Aus­beu­te, die nach dem Rück­tritt des Re­kord­welt­meis­ters Tho­mas Lurz nie­mand er­war­tet hat­te.

„Über­ra­gend“nann­te Bun­des­trai­ner Ste­fan Lurz die Bi­lanz „nach der Ära Tho­mas“. Der Coach war nicht nur we­gen Mau­rer bes­tens ge­launt. Er glaub­te, auch die Zu­kunft sei­ner Sport­art ge­se­hen zu ha­ben. „Da wächst ein klei­ner Frei­was­ser­star her­an“, sag­te Lurz mit Blick auf Fin­nia Wun­ram. Die 19-Jäh­ri­ge, schon WM-Drit­te über fünf Ki­lo­me­ter, hat­te in ih­rem zwei­ten Ma- ra­thon­ren­nen als über­ra­schen­de Fünf­te ge­glänzt. Wun­ram und ihr Klub­kol­le­ge Rob Muf­fels (20), WM-Zwei­ter über fünf Ki­lo­me­ter und Welt­meis­ter mit dem Team, könn­ten die Lü­cke schlie­ßen, die Tho­mas Lurz ge­ris­sen hat. Kei­ne Per­spek­ti­ve für die Zu­kunft bie­ten da­ge­gen Tho­mas Lurz’ lang­jäh­ri­ge Weg­ge­fähr­ten Alex­an­der Stud­zin­ski (32) und der Saar­brü­cker Andre­as Wasch­bur­ger (28), die als Ne­un­te und Elf­te deut­lich hin­ter­her­schwam­men. Wasch­bur­ger bleibt nach ei­ner ent­täu­schen­den WM, die er mit „vier mi­nus“be­wer­te­te, im­mer­hin die Chan­ce, über den Welt­cup im nächs­ten Som­mer das Olym­pia­ti­cket zu bu­chen.

„Ein klei­ner Frei­was­ser­star“

Wun­ram ge­winnt Bron­ze über 25 Ki­lo­me­ter – Wasch­bur­ger mit „vier mi­nus“

FO­TO: DPA

Die Schwim­mer um Paul Bie­der­mann sind durch­wach­sen in die WM in Kasan ge­star­tet.

An­ge­la Mau­rer

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