Was vom Gü­te­sie­gel „Ma­de in Saar­land“ ge­blie­ben ist

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von SZ-Re­dak­teur Lothar War­scheid

Saar­brü­cken. Wenn es im Saar­land um die Wurst geht, dann kann es nur Lyo­ner sein. Der Rin­gel ge­hör­te zum Berg­manns­früh­stück wie Weck, Senf und Bier. Apro­pos Senf – da schwö­ren heu­te noch vie­le Saar­län­der auf Amo­ra. „Oh­ne Mel­for-Es­sig und Amo­ra-Senf fah­ren mei­ne Frau und ich nicht in Ur­laub“, be­teu­ert et­wa der saar­län­di­sche Au­tor und Le­bens­art-Ken­ner Char­ly Leh­nert. Bis heu­te wer­den Mel­for und Amo­ra (un­ter an­de­rem) in St. Ing­bert her­ge­stellt. Man­che Spe­zia­li­tä­ten mit Nost­al­gie-Cha­rak­ter sind im­mer noch in den Re­ga­len zu fin­den: So hat et­wa Sti­xi ein Come­back er­fah­ren. Das Salz­ge­bäck wird in­zwi­schen nicht mehr in Ens­dorf, son­dern in Köln her­ge­stellt. An­de­re Saar-Mar­ken­na­men sind längst ver­schwun­den: Leh­nert er­in­nert da­bei an Land­sieg (Mar­ga­ri­ne) und Fau­ser Ne­ger­lein (Scho­ko-Brot­auf­strich). Oder an die Wasch­mit­tel Va­lan und He­xim, den Ober­nau­er Kaf­fee oder die Lol­ly- Gutz­jer. ine „ge­schütz­te Ur­sprungs­be­zeich­nung“(g. U.). Win­zer aus an­de­ren Re­gio­nen dür­fen bei ih­ren Pro­duk­ten le­dig­lich auf das Cham­pa­gner-Ver­fah­ren hin­wei­sen. Das­sel­be Sie­gel tra­gen auch et­wa All­gäu­er Em­men­ta­ler, Par­ma- und San Da­nie­le-Schin­ken oder Fe­ta­kä­se. Da­mit wird dem Ver­brau­cher ga­ran­tiert, dass das Pro­dukt in ei­nem be­stimm­ten Ge­biet er­zeugt, ver­ar­bei­tet und her­ge­stellt wur­de. Mit dem EU-

„Ga­ran­tiert Spe­zia­li­tä­ten“(g. t. S.) be­zieht sich le­dig­lich auf die tra­di­tio­nel­le Zu­sam­men­set­zung oder ein tra­di­tio­nel­les Her­stel­lungs­ver­fah­ren, et­wa bei Ser­ra­no-Schin­ken oder Moz­za­rel­la.

„Saar­län­di­schen Lyo­ner“ist seit 2006 EU-Ge­mein­schafts­mar­ke. Letz­te­re schützt be­stimm­te Mar­ken EU-weit als Wort, als Bild und Form oder als ei­ne Kom­bi­na­ti­on von al­lem. ine

In zwei Wo­chen läuft der eu­ro­päi­sche Mar­ken­schutz für den Be­griff „saar­län­di­schen Lyo­ner“ab. Doch kei­ne Angst – in den Fleisch­the­ken des Lan­des wird wei­ter­hin der Lieb­lings­rin­gel der Saar­län­der lie­gen. Mit genau den Zu­ta­ten und Ge­wür­zen, die für den ein­zig­ar­ti­gen Ge­schmack die­ser heiß­ge­lieb­ten Fleisch­wurst sor­gen. Viel­leicht kauft ein cle­ve­rer Metzger der Flei­scher­innung ja die Mar­ken­rech­te ab. Dann gibt es nicht nur den „Lyo­ner mit der Plom­be“, son­dern auch den „Lyo­ner mit dem Mar­ken­schutz“. Auf je­den Fall soll­te für den Lyo­ner nie­mals das Wurst-Zi­tat des Ei­ser­nen Kanz­lers Ot­to von Bis­marck gel­ten: „Je we­ni­ger die Leu­te da­von wis­sen, wie Würs­te und Ge­set­ze ge­macht wer­den, des­to bes­ser schla­fen sie.“

FO­TO: ATB/BONENBERGER

Saar­län­di­sches

Kul­tur­gut: ein Rin­gel Lyo­ner.

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