Eu­ro­päi­sche Mu­sik­tra­di­ti­on mit chi­le­ni­schen Ak­zen­ten

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR -

Da­ni­el Oso­rio war mehr­fach bei der Saar­brü­cker Som­mer­mu­sik zu Gast. Beim Kon­zert des „Tsa­nev­ski Quar­tetts“am Sonn­tag in der Bischmis­hei­mer Schin­kel­kir­che er­klang nun wie­der ei­ne Urauf­füh­rung des aus Chi­le stam­men­den Kom­po­nis­ten und eins­ti­gen Schü­lers von Theo Brand­mül­ler.

Bischmisheim. In dem Werk „Pak“ver­band der Wahl-Saar­brü­cker Da­ni­el Oso­rio, der sich zu­nächst mit Er­läu­te­run­gen ans Au­di­to­ri­um wand­te, ein­mal mehr Ele­men­te eu­ro­päi­scher und chi­le­ni­scher Mu­sik­tra­di­ti­on und rief das trau­ma­ti­sche Er­leb­nis der Pi­no­chet-Dik­ta­tur in Er­in­ne­rung. So tauch­te hier in ei­nem fu­gier­ten Teil ei­ne da­mals ver­bo­te­ne Me­lo­die auf. In­mit­ten ei­ner plas­tisch ge­zeich­ne­ten At­mo­sphä­re der Un­si­cher­heit, un­ter­stützt durch die Ver­tei­lung der In­stru­men­te im Kir­chen­raum, wirk­te die in­brüns­tig ge­stri­che­ne Wei­se wie ein Er­in­ne­rungs­zei­chen. Kei­ne leich­te Kost, um­so er­freu­li­cher war der brau­sen­de Bei­fall für die pa­cken­de Ins­ze­nie­rung des Tsa­nev­ski- Quar­tetts.

Sie­ben Sät­ze aus Jo­hann Se­bas­ti­an Bachs „Kunst der Fu­ge“führ­ten auf tra­di­tio­nel­le­re Pfa­de. Von ei­nem Streich­quar­tett hört man das Ma­gnum Opus den­noch nicht al­le Ta­ge – und schon gar nicht so stark in­ter­pre­tiert: Bei al­len ein­dring­li­chen Bli­cken ins Stim­men­ge­flecht ge­fiel das Tsa­nevs­ky- Quar­tett mit höchst kom­pak­tem Sound. Im Ver­ein mit dem sehr de­zent mar­kier­ten Puls der flin­ke­ren Sät­ze wuchs ei­ne äthe­ri­sche Au­ra ge­ra­de­zu me­di­ta­ti­ven Cha­rak­ters. Das war schwer­lich zu top­pen, es sei denn mit Be­la Bar­tók: Oh­ne Ein­bu­ßen an Klang­hy­gie­ne kos­te­ten Ki­ril Tsa­nev­ski, Jor­di Her­re­ra Ro­ca ( Vio­li­ne), Young-gun Lee ( Vio­la) und Da­eyun Kim (Cel­lo) beim 3. Streich­quar­tett folk­lo­ris­ti­sche Spiel­tech­ni­ken aus und för­der­ten Kom­po­si­ti­ons­de­tails zu­ta­ge, die oft­mals ver­bor­gen blei­ben. uhr

Nächs­ter Ter­min: Mi, 21 Uhr, Mo­der­ne Ga­le­rie Saar­brü­cken: „1912 – Schön­heit und Grau­en“

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