Saar-Kom­mu­nen sol­len künf­tig Tou­ris­mus-Ab­ga­be kas­sie­ren dür­fen

Lan­des­re­gie­rung will den Saar-Kom­mu­nen ei­ne zu­sätz­li­che Ein­nah­me­quel­le er­schlie­ßen

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Mit­ar­bei­te­rin Sa­rah Em­ming­haus Von SZ-Re­dak­teur Da­ni­el Kirch

Saar­brü­cken. Die Städ­te und Ge­mein­den des Saar­lan­des sol­len künf­tig ei­ne Tou­ris­mus-Ab­ga­be er­he­ben dür­fen, die mit der Kur­ta­xe ver­gleich­bar ist. Zah­len müss­ten die­se Ab­ga­be nicht die Ur­lau­ber, son­dern Ho­tels, Gast­stät­ten, Bä­cke­rei­en, Metz­ge­rei­en und Su­per­märk­te. Ent­spre­chen­de Plä­ne be­stä­tig­te das Wirt- schafts­mi­nis­te­ri­um. Die Ein­nah­men wür­den zweck­ge­bun­den in Tou­ris­mus-Pro­jek­te wie Rad­und Wan­der­we­ge flie­ßen. Die Tou­ris­mus-Ab­ga­be soll nach SZIn­for­ma­tio­nen 2016 ent­schei­dungs­reif sein. Die In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer des Saar­lan­des kri­ti­sier­te die Plä­ne.

Ei­ni­ge Bun­des­län­der ha­ben sie be­reits ein­ge­führt, nun will das Saar­land nach­zie­hen: Die Kom­mu­nen sol­len die Mög­lich­keit er­hal­ten, ei­ne Tou­ris­mus-Ab­ga­be zu er­he­ben. Zah­len müss­ten Ho­tels, Gast­stät­ten und Ge­schäf­te. Doch es gibt Wi­der­stand.

Saar­brü­cken. Der Tou­ris­mus­bran­che im Saar­land geht es im­mer bes­ser. 2014 ha­ben mehr als 960 000 Gäs­te 2,9 Mil­lio­nen Näch­te hier ver­bracht – das ma­che 2014 zum er­folg­reichs­ten Jahr im Saar-Tou­ris­mus, ver­kün­de­te das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um im Fe­bru­ar. Um die­sen Wirt­schafts­zweig wei­ter zu för­dern, will die Lan­des­re­gie­rung es den Städ­ten und Ge­mein­den er­lau­ben, ei­ne Tou­ris­mus-Ab­ga­be ein­zu­füh­ren. Wolf­gang Kerk­hoff, Pres­se­spre­cher des Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, sag­te der SZ, im Saar­land wer­de dar­über schon län­ger dis­ku­tiert, die Ab­ga­be sei der­zeit auch The­ma bei der Ar­beit an der neu­en Tou­ris­mus­kon­zep­ti­on 2025, die Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und Tou­ris­mus-Zen­tra­le ge­mein­sam ent­wi­ckeln. Nach SZ-In­for­ma­tio­nen soll der ent­spre­chen­de Pas­sus des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes im nächs­ten Jahr ge­än­dert wer­den.

Bis­her gibt es nur in Ku­r­or­ten wie Weis­kir­chen, Or­scholz oder Blies­kas­tel et­was Ver­gleich­ba­res – die Kur­ab­ga­be. Ur­lau­ber müs­sen bei Über­nach­tun­gen oder Nut­zung der Kur­an­ge­bo­te ei­nen Be­trag von rund ei­nem Eu­ro pro Tag zah­len, der in die För­de­rung des Tou­ris­mus fließt. Durch ei­ne Än­de­rung im Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz hät­ten al­le Kom­mu­nen die Mög­lich­keit, ei­ne Tou­ris­mus-Ab­ga­be zu er­he­ben.

Nicht der Ur­lau­ber wür­de den Bei­trag be­zah­len, son­dern die Be­trie­be. Und nicht nur Ho­tels und Gast­stät­ten müss­ten et­was ab­ge­ben, son­dern auch Be­trie­be, die nur mit­tel­bar vom Tou­ris­mus be­trof­fen sind, wie Bä­cke­rei­en, Su­per­märk­te oder Metz­ge­rei­en. Tou­ris­ten kauf­ten schließ­lich auch ein, al­so pro­fi­tier­ten auch die­se Ge­wer­be von ih­nen, hieß es. So hand­ha­ben es al­le Bun­des­län­der, die in den letz­ten Jah­ren die Ab­ga­be ein­ge­führt ha­ben: Sach­sen, Ba­denWürt­tem­berg, Bran­den­burg und Schles­wig-Hol­stein. Auch das rhein­land-pfäl­zi­sche Ka­bi­nett hat vor we­ni­gen Wo­chen die Ab­ga­be be­schlos­sen. Ob die Prei­se stei­gen wür­den, ist un­klar – das ent­schei­den die Be­trie­be selbst.

Wie hoch sie wä­re, hängt von den Tou­ris­mus-Aus­ga­ben der je­wei­li­gen Kom­mu­ne ab: Ei­ne Kom­mu­ne dür­fe durch die Ab­ga­be nur so viel Geld ein­neh­men, wie sie aus­zu­ge­ben pla­ne, er­klärt Clau­dia Gil­les, Haupt­ge­schäfts­füh­re­rin des Deut­schen Tou­ris­mus­ver­ban­des. Denn: Ein saar­län­di­scher Tou­ris­mus­bei­trag wä­re laut Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um zweck­ge­bun­den – Ein­nah­men müss­ten zu­rück in den Tou­ris­mus flie­ßen. Das Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um gibt an, „ei­ne sol­che Ab­ga­be könn­te als zu­sätz­li­ches Fi­nan­zie­rungs­in­stru­ment den Städ­ten und Ge­mein­den mehr Spiel­raum ge­ben“, so lie­ßen sich zum Bei­spiel Rad- und Wan­der­we­ge fi­nan­zie­ren.

Die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer spricht sich al­ler­dings ve­he­ment ge­gen die Plä­ne aus. Der stell­ver­tre­ten­de Haupt­ge­schäfts­füh­rer Hei­no Klin­gen fürch­tet: „Da­durch wür­de nur der Weg des Saar­lan­des zum Hoch­steu­er­land be­schleu­nigt.“Er merkt au­ßer­dem an, dass der bü­ro­kra­ti­sche und per­so­nel­le Auf­wand in kei­nem Ver­hält­nis zum Er­geb­nis stün­de. Frank Hoh­rath

Dar­auf weist auch Bar­ba­ra Beck­mann-Roh, die Ge­schäfts­füh­re­rin des Saar­län­di­schen Städ­te- und Ge­mein­de­tags, hin. Sie kri­ti­siert, dass auch Bä­cke­rei­en oder der Ein­zel­han­del zah­len müss­ten, auch wenn sie nicht di­rekt Teil der Tou­ris­mus­bran­che sind. Genau wie sie spricht auch die Stadt St. Wen­del vom saar­län­di­schen Tou­ris­mus als „zar­tem Pf­länz­chen“. Des­we­gen sei die Ab­ga­be in St. Wen­del noch gar nicht dis­ku­tiert wor­den, so der Ab­tei­lungs­lei­ter für Stadt­mar­ke­ting und Wirt­schafts­för­de­rung, Tho­mas Wüst. Die Stadt Saar­lou­is gibt eben­falls an, dass an­de­re Vor­ha­ben im Zu­sam­men­hang mit der Tou­ris­mus­bran­che im Vor­der­grund stün­den. Be­vor die­se Ab­ga­be über­haupt The­ma sein kön­ne, müs­se es we­sent­lich mehr Über­nach­tun­gen ge­ben.

MEI­NUNG

Wenn ei­ni­ge Kom­mu­nen die Tou­ris­mus­ab­ga­be ein­füh­ren und an­de­re nicht, wird man re­la­tiv schnell se­hen, ob sie dem Tou­ris­mus wirk­lich nutzt oder eher scha­det. Soll­ten die Ein­nah­men aus der Ab­ga­be wirk­lich in zu­sätz­li­che, at­trak­ti­ve tou­ris­ti­sche An­ge­bo­te flie­ßen, kann das durch­aus sinn­voll sein. Was nicht pas­sie­ren Dass die Bran­che ein neu­es Fi­nan­zie­rungs­mo­dell braucht, strei­tet nie­mand ab.

Frank Hoh­rath, der Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­bands (De­ho­ga) im Saar­land, be­geg­net dem vor­ge­schla­ge­nen Mo­dell eben­falls kri­tisch. Er be­fürch­tet, ähn­lich wie der Städ­te­tag, Ver­wal­tungs- so­wie Per­so­nal­auf­wand könn­ten über­wie­gen. Er fin­det es je­doch gut, dass auch der Ein­zel­han­del be­tei­ligt wer­den soll. Als Haupt­pro­fi­teur des Tou­ris­mus sei das nur fair. Au­ßer­dem be­tont er, bei ei­nem et­wai­gen Ge­setz bräuch­ten Gas­tro­no­mie und Ho­tel­le­rie drin­gend Mit­sprache­be­darf. Das sieht auch der Re­gio­nal­ver­band Saar­brü­cken so: „Dies soll­te aber in en­ger Ab­stim­mung mit dem De­ho­ga Saar­land ge­sche­hen.“

FO­TO: REIN­HARDT

In Or­scholz, wo man den Aus­blick auf die Saarschlei­fe ge­nie­ßen kann, gibt es be­reits ei­ne Kur­ta­xe. Künf­tig sol­len al­le Kom­mu­nen das Recht er­hal­ten, ei­ne sol­che Ab­ga­be zu er­he­ben.

Hei­no Klin­gen

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