Ers­te TV-De­bat­te im US-Wahl­kampf

Zehn Prä­si­dent­schafts­be­wer­ber der US-Re­pu­bli­ka­ner tref­fen bei TV-De­bat­te auf­ein­an­der

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Von SZ-Kor­re­spon­dent Frank Herr­mann

Zehn An­wär­ter auf die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur der Re­pu­bli­ka­ner in den USA tref­fen heu­te Nacht in ei­ner TV-De­bat­te auf­ein­an­der.

Do­nald Trump ist laut Um­fra­gen der be­lieb­tes­te un­ter den Re­pu­bli­ka­nern im Ren­nen um die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur in den USA. In ei­ner TV-De­bat­te wol­len neun an­de­re Kan­di­da­ten ihm die­sen Ti­tel ab­luch­sen.

Washington. Viel­leicht ist es das letz­te Mal, dass er im Mit­tel­punkt steht. Viel­leicht wird Do­nald Trump dem­nächst in den Um­fra­gen ab­stür­zen, weil sei­nen Pol­ter­pa­ro­len kei­ne Po­li­ti­kent­wür­fe fol­gen. Aber in der Nacht zum Frei­tag, wenn sich die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten der Re­pu­bli­ka­ner in der ab­ge­ta­kel­ten In­dus­trie­stadt Cleve­land zu ih­rer ers­ten Fern­seh­de­bat­te tref­fen, sind noch ein­mal al­le Au­gen auf ihn ge­rich­tet. Auf den Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer mit dem Gor­donGek­ko-Charme der Acht­zi­ger­jah­re, der die Gren­ze zu Me­xi­ko mit ei­ner un­über­wind­ba­ren Mau­er ab­schot­ten und Ame­ri­ka zu al­ter Grö­ße zu­rück­füh­ren will, oh­ne glaub­haft zu er­klä­ren, wie er das an­stel­len will.

Ge­mein­sam mit Jeb Bush, dem Zweit­plat­zier­ten der Po­pu­la­ri­täts­kur­ven, wird sich Trump an ein Pult in der Mit­te des zehn­köp­fi­gen Be­wer­ber­felds stel­len. Der Mann der St­un­de, der Stö­ren­fried, der al­le vor sich her­treibt. Ob sei­ne „fünf Mi­nu­ten des Ruhms“nach dem Spek­ta­kel bald vor­bei sind, wer kann das schon so genau sa­gen?

So­wie­so stellt sich die Fra­ge, wie es bei zehn Red­ner­pul­ten auf ei­ner Büh­ne über­haupt mög­lich ist, ei­nen halb­wegs ernst­haf­ten Dis­kurs zu füh­ren. Nur was be­son­ders schrill da­her­kommt, wird der­zeit über­haupt wahr­ge­nom­men. Aus­ge­siebt hat der Ver­an­stal­ter der De­bat­te, der Fern­seh­sen­der Fox News, hin­ge­gen Re­pu­bli­ka­ner, die schon 2012 im Ren­nen um die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur schei­ter­ten und in den jet­zi­gen Um­fra­gen hin­ten lie­gen: Rick Per­ry, ehe­ma­li­ger Gou­ver­neur von Te­xas so­wie Rick San­to­rum, 2012 der Lieb­ling evan­ge­li­ka­ler Chris­ten.

Das In­ter­es­se gilt, ein­mal ab­ge­se­hen von Trump, vier Be­wer­bern, die sich im Lau­fe der nächs­ten Wo­chen vom Rest des Fel­des ab­set­zen könn­ten: Jeb Bush, Scott Wal­ker, John Ka­sich und Mar­co Ru­bio.

Bush, einst Gou­ver­neur von Flo­ri­da, Sohn und Bru­der ei­nes Prä­si­den­ten, hat sei­ne Kas­sen in ei­nem Ma­ße ge­füllt, dass es fi­nan­zi­ell kei­ner mit ihm auf­neh­men kann. Doch der un­an­ge­foch­te­ne Fa­vo­rit ist er nicht. Mag sich die bes­tens ver­netz­te Fa­mi­lie Bush auch an der Spit­ze der Hack­ord­nung se­hen, die an­de­ren re­spek­tie­ren es nicht. Gut mög­lich, dass Jeb durch un­an­ge­neh­me Er­in­ne­run­gen an den Irak­krieg sei­nes Bru­ders Ge­or­ge W. noch zu Bo­den ge­zo­gen wird wie von ei­ner zent­ner­schwe­ren Last. Sei­ne frü­hen Ver­su­che, die heik­le Klip­pe mit ver­ba­len So­wohl-als-auch-Eier­tän­zen zu um­schif­fen, wirk­ten un­be­hol­fe­ner, als man er­war­tet hat­te, zu­mal mit sol­chen Fra­gen zu rech­nen war. Leis­tet er sich wäh­rend des De­bat­ten­ma­ra­thons ähn­li­che Pat­zer, könn­te die Kon­kur­renz rasch Ober­was­ser ge­win­nen.

Wal­ker, der Gou­ver­neur Wis­cons­ins, ver­sucht so­wohl die re­li­giö­se Rech­te als auch die Wirt­schafts­frak­ti­on der Wall­S­treet-Re­pu­bli­ka­ner für sich ein­zu­neh­men. Letz­te­res mit dem Ar­gu­ment, dass er die Macht der Ge­werk­schaf­ten in sei­nem Staat ähn­lich dras­tisch be­schnitt, wie es sein Idol Ro­nald Rea­gan 1981 ge­gen­über den Flug­lot­sen vor­ex­er­zier­te. Äu­ßert sich Wal­ker zu au­ßen­po­li­ti­schen The­men, klingt er in­des fast so un­be­darft wie Sa­rah Pa­lin, die die Nä­he Alas­kas zu Russ­land als Be­leg welt­po­li­ti­scher Er­fah­rung an­führ­te.

Ka­sich, der Gou­ver­neur Ohi­os, gibt sich als Prak­ti­ker, der es be­reits als Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ter ver­stand, Kom­pro­mis­se mit den De­mo­kra­ten zu schlie­ßen. Zu­nächst aber müss­te es ihm ge­lin­gen, sich in der lär­mend po­pu­lis­ti­schen Do­nald-Trump-Pha­se über­haupt Ge­hör zu ver­schaf­fen. Mar­co Ru­bio, Jungse­na­tor aus Flo­ri­da, ku­ba­ni­sche Wur­zeln, spielt die Rol­le des Newcomers, der die al­ten Seil­schaf­ten auf­mischt – ei­ne Art Ba­rack Oba­ma der Grand Old Par­ty.

FO­TOS: DPA

Do­nald Trump, Jeb Bush und Scott Wal­ker (von links) ha­ben laut Um­fra­gen zur­zeit die bes­ten Chan­cen auf die Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tur der Re­pu­bli­ka­ner.

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