Ge­gen be­triebs­rats­freie Zo­nen

DGB-Chef Hoff­mann plä­diert bei Be­such im Saar­land für Mit­be­stim­mung

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - Von SZ-Re­dak­teur Lothar War­scheid

Für DGB-Chef Rei­ner Hoff­mann sind die Ver­hält­nis­se am deut­schen Ar­beits­markt nach wie vor nicht gut. Er kri­ti­siert sin­ken­de Ta­rif­bin­dung, Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen und zu viel be­fris­te­te Be­schäf­ti­gung.

Qu­ier­schied. Sei­ne Vor­lie­be gilt der be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung. „Oh­ne die Un­ter­stüt­zung der Be­triebs­rä­te in Kri­sen­zei­ten wür­de es man­che Un­ter­neh­men nicht mehr ge­ben“, ist Rei­ner Hoff­mann über­zeugt. Der Vor­sit­zen­de des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) war in den ver­gan­gen Ta­gen im Süd­wes­ten der Re­pu­blik un­ter­wegs – ges­tern im Saar­land mit Be­su­chen bei der Fir­ma Na­no­ga­te auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Gru­be Göt­tel­born und beim FestoLern­zen­trum, das der Pneu­ma­tik­tei­le-Her­stel­ler Fes­to in St. Ing­bert be­treibt.

Bei Na­no­ga­te, dem Her­stel­ler von Be­schich­tun­gen im Na­no­be­reich (ein Na­no­me­ter ist ein mil­li­ards­tel Mil­li­me­ter), gibt es al­ler­dings kei­nen Be­triebs­rat. „Die­se Fra­ge hat sich bei uns nie ge­stellt“, sag­te Vor­stands­chef Ralf Zastrau. Das star­ke Wachs­tum des bör­sen­no­tier­ten Un­ter­neh­mens kön­ne nur durch fle­xi­bel ar­bei­ten­de Teams be­wäl­tigt wer­den. Soll­ten Kon­flik­te auf­tre­ten, wür­den sie auf die­ser Ebe­ne dis­ku­tiert. Ei­nem Be­triebs­rat wür­de sich Zastrau je­doch nicht ver­sper­ren, wenn ein sol­cher ge­wünscht wür­de. Das stimm­te den DGB-Chef dann wie­der ver­söhn­lich. „Das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz schreibt nicht zwin­gend ei­ne Ar­beit­neh­mer-

Na­no­ga­te-Chef Ralf Zastrau (l.) zeig­te dem DGB-Bun­des­vor­sit­zen­den Rei­ner Hoff­mann das Un­ter­neh­men.

Ver­tre­tung vor“, mein­te er nur und lob­te die grund­sätz­lich po­si­ti­ve Ein­stel­lung des Na­no­ga­te-Chefs zur be­trieb­li­chen Mit­be­stim­mung.

Bei an­de­ren The­men re­agier- te Hoff­mann gran­ti­ger. „Es ist ein Skan­dal, dass nur 60 Pro­zent al­ler Be­schäf­tig­ten und 40 Pro­zent der Be­trie­be ta­rif­lich ge­bun­den sind“, kri­ti­sier­te er. Täg­lich wür­den Un­ter­neh­men Ta­rif­flucht be­ge­hen. Ent­we­der wür­den sie sich kei­nem Ar­beit­ge­ber-Ver­band an­schlie­ßen, oder die Ver­bän­de „sind da­zu über­ge­gan­gen, ih­re Sat­zun­gen so zu än­dern, dass Mit­glied­schaf­ten oh­ne Ta­rif­bin­dung mög­lich sind“. Das sei „völ­lig ab­strus und läuft ei­gent­lich der Funk­ti­on von Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den als Ta­rif­part­ner ent­ge­gen“. Da­her ist der DGB-Chef auch froh, dass bei der An­pas­sung des Min­dest­lohns im Jahr 2017 die Ent­wick­lung der Ta­rif­ein­kom­men zu­grun­de ge­legt wird und nicht die all­ge­mei­ne Lohn­ent­wick­lung. Denn die­se lie­ge we­gen der mas­sen­wei­sen Ta­rif­flucht nied­ri­ger.

Ge­werk­schaft­li­ches En­ga­ge­ment ist für Hoff­mann wei­ter un­er­läss­lich. Ob­wohl für vie­le der Ar­beits­platz re­la­tiv si­cher ist, ver­mel­den die DGB- Ge­werk­schaf­ten seit drei Jah­ren bei der Mit­glie­der­ent­wick­lung ei­ne Bo­den­bil­dung, ei­ni­ge so­gar ei­nen Zu­wachs. „Täg­lich tre­ten rund 1000 Men­schen ei­ner der acht DGB- Ge­werk­schaf­ten bei“, bi­lan­zier­te Hoff­mann ges­tern. Der­zeit sind es rund 6,2 Mil­lio­nen.

Denn am Ar­beits­markt sei längst nicht al­les ei­tel Son­nen­schein. „Wir dür­fen nicht ver­ges­sen, dass wir 880 000 Leih­ar­beit­neh­mer im Lan­de ha­ben.“Au­ßer­dem „sind neue Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nis­se über­wie­gend be­fris­tet. Und Be­fris­tung heißt al­les an­de­re als Si­cher­heit.“Fer­ner wür­de die Werk­ver­trags-Ar­beit schlei­chend zu­neh­men, „wo sich in zu vie­len Fäl­len ein re­gel­rech­ter Miss­brauch ver­birgt und Lohn­dum­ping be­trie­ben wird“. Dies al­les tra­ge nicht zur grö­ße­ren Be­schäf­ti­gungs­si­cher­heit der Ar­beit­neh­mer bei.

FO­TO: JÖRG JA­CO­BI

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.