Schau­lau­fen der Neu­en im Saar­brü­cker Künst­ler­haus

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - Von SZ-Mit­ar­bei­ter Bü­lent Gündüz

Ei­ne Schau im Saar­brü­cker Künst­ler­haus zeigt Wer­ke der neu­en Mit­glie­der des Bun­des­ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler im Saar­land. Die Qua­li­tät der Kunst über­zeugt.

Saar­brü­cken. An­ders als bei dem et­was eli­tä­ren Saar­län­di­schen Künst­ler­bund sind die Auf­nah­me­be­din­gun­gen beim Bun­des­ver­band Bil­den­der Künst­ler (BBK) nicht ganz so streng. Wäh­rend der Künst­ler­bund ne­ben dem Saar­land­be­zug vor al­lem Qua­li­tät ver­langt, nimmt der BBK al­le pro­fes­sio­nel­len Künst­ler auf. Dass dies nicht un­be­dingt be­deu­tet, dass die künst­le­ri­sche Qua­li­tät hier schlech­ter ist, zeigt die ak­tu­el­le Aus­stel­lung mit Wer­ken neu­er Mit­glie­der.

Auf­fäl­lig und er­freu­lich ist, dass die Jahr­hun­der­te lang männ­lich do­mi­nier­te Kunst zu­neh­mend weib­li­cher wird. Von den in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren auf­ge­nom­me­nen neun Neu­en sind acht Frau­en. Es mag Zu­fall sein, dass sich aus­ge­rech­net der Künst­ler Jür­gen Trösch ei­nem eher Män­nern zu­ge­schrie­be­nen Ma­te­ri­al wid­met. Sei­ne Me­tall­skulp­tur „We­sen 08-3“wirkt wie ein kraft­voll vor­wärts schlei­chen­des Rep­til auf zwei Bei­nen. Auch die mas­si­ve Bron­ze­fi­gur „We­sen 14-2“ist ei­ne bio­mor­phe Form.

Dass auch Frau­en die­ses Me­tier be­herr­schen, zeigt Re­gi­na Zapp im Kel­ler des Künst­ler­hau­ses. Dort stellt sie fein­glied­ri­ge Skulp­tu­ren aus, die Zwit­ter­we­sen aus Vo­gel und Frau sind und an Gi­a­co­met­tis Schrei­ten­de er­in­nern. Ei­nen gan­zen Mi­kro­kos­mos hat sie er­dacht, der an­ti­ke Kul­te nach­ahmt. Mit dem Ma­te­ri­al Stahl setzt sich mit­tel­bar auch Ur­su­la Bau­er aus­ein­an­der. Ih­re Gra­fi­ken be­schäf­ti­gen sich mit der re­gio­na­len In­dus­trie­land­schaft und ge­hen auf For­men­su­che im stäh­ler­nen Wirr­warr der Hoch­öfen.

Die viel­leicht viel­fäl­tigs­te Künst­le­rin ist Do­ro­thee Pir­rung. Ih­re Ar­bei­ten sind teil­wei­se ge­sell­schafts­kri­tisch, ei­ni­ge be­schäf­ti­gen sich aber mit Äs­t­he­tik und Form. Auf der Lein­wand wirft die auf­ge­tra­ge­ne Acryl­far­be mit La­tex Bla­sen, die Ober­flä­che häu­tet sich und das Bild scheint in ei­ner Met­a­mor­pho­se zu ste­cken. Es sind wun­der­ba­re Ar­bei­ten, die die Fra­ge nach dem Bild, der Ober­flä­che und un­se­ren Be­trach­tungs­ge­wohn­hei­ten stel­len.

Se­hens­wert sind auch Ute Gort­ners far­ben­fro­he Se­rie „Pan­ta rhei“und Gu­drun Em­merts Ge­mäl­de mit stark re­du­zier­ter Farb- und For­men­pa­let­te. Groß­ar­tig sind Ka­rin Do­ma­now­skys men­schen­lee­re Land­schaf­ten, die in dif­fu­sen Farb­ne­beln ver­schwin­den und at­mo­sphä­risch dicht sind. Es sind viel­leicht die stärks­ten Ar­bei­ten der Schau.

Kat­zen­bil­der sind nicht nur bei Face­book be­liebt. Mo­ni­ka Bugs’ Kat­zen­bil­der wir­ken auf den ers­ten Blick ein we­nig kit­schig, doch wer sich dar­auf ein­lässt, er­kennt, dass die Kat­ze vor al­lem Me­ta­pher für mensch­li­che See­len­zu­stän­de ist.

Mit da­bei ist auch BBK-Neu­ling Hei­ke Pu­der­bach, die zwei Ar­bei­ten zeigt, die bei­spiel­haft für ihr Werk sind. Der „La­zy-dai­sy-frog“ge­hört zur Grup­pe der abs­trakt­pri­mi­ti­ven Ge­mäl­de aus über­gro­ßen plü­schi­gen We­sen in ei­nem Far­b­rausch mit Bild­ti­teln wie „Fin­ger weg“, „Herr Ga­en­sehaeut­chen“oder „Hum­mer sagt Prost“. Im Ge­gen­satz da­zu steht ei­ne zwei­te Se­rie in küh­len Far­ben rea­lis­tisch ge­malt und oft­mals mit Pro­dukt­lo­gos aus der Mo­de­bran­che oder klein­bür­ger­li­chen Sinn­sprü­chen kon­ter­ka­riert. Sub­ti­le Ge­sell­schafts­kri­tik mit ei­nem Au­gen­zwin­kern. Span­nend sind die­se Ar­bei­ten vor al­lem, wenn man die un­ter­schied­li­chen Po­le von Pu­der­bachs Ar­beit ge­gen­über­stellt.

Wer bei den „Neu­en“jun­ge Men­schen von der Hoch­schu­le er­war­tet hät­te, wird ent­täuscht, denn die Künst­ler sind längst eta­bliert in der Kunst­sze­ne. Das er­klärt auch, war­um vie­le der ge­zeig­ten Wer­ke ei­ne ho­he Qua­li­tät zei­gen und nur we­nig Mit­tel­maß ver­tre­ten ist. Den recht klei­nen Lan­des­ver­band Saar des BBK wer­den die „Neu­en“aber auf je­den Fall be­rei­chern.

Bis 6. Sep­tem­ber im Künst­ler­haus, Karl­str. 1. Di-So: 10-18 Uhr.

FO­TO: ZAPP/GORTNER

Abs­trak­te Ma­le­rei wie die von Ute Gortner oder Skulp­tu­ra­les wie das Werk von Re­gi­na Zapp – die Schau zeigt Viel­fäl­ti­ges aus saar­län­di­schen Ate­liers.

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