Die Ka­me­ra ist der Star

Neu im Ki­no: „True Sto­ry – Spiel um Macht“von Ru­pert Goold mit Ja­mes Fran­co, Jo­nah Hill und Fe­li­ci­ty Jo­nes

Saarbruecker Zeitung - - TREFF.REGION - Von Uwe Mies

Zwei Au­gen­paa­re ta­xie­ren sich. Der su­chen­de, for­schen­de Blick­kon­takt kann ein star­ker Hand­lungs­mo­tor sein. Michael Fin­kel war ei­ner der St­ar­mit­ar­bei­ter der New York Ti­mes, aber dann ver­letz­te er für ei­ne Afri­ka­re­por­ta­ge die jour­na­lis­ti­sche Ethik zu­guns­ten ei­ner Ti­tel­sto­ry mit kla­rer emo­tio­na­ler An­sa­ge. Das blieb nicht un­ent­deckt und Fin­kel stürz­te aus dem Ram­pen­licht in die Be­deu­tungs­lo­sig­keit.

Dann mel­det sich ein Pro­vinz­re­por­ter und er­zählt über Chris Lon­go. Der wur­de in Me­xi­ko ver­haf­tet und war­tet nun in Ore­gon auf sei­nen Pro­zess. Lon­go steht im Ver­dacht, sei­ne Frau und sei­ne drei klei­nen Kin­der er­mor­det zu ha­ben. In Me­xi­ko hat­te er sich als Michael Fin­kel aus­ge­ge­ben. Fin­kels Neu­gier ist da­mit ge­weckt – und sei­ne Ei­tel­keit. Er be­sucht Lon­go im Knast, nimmt Kon­takt auf und wit­tert so­fort sei­ne Chan­ce. Er will den Fall in ei­nem Buch auf­rol­len und for­dert un­be­ding­te Ehr­lich­keit. Lon­go will le­dig­lich – selt­sam ge­nug – das Au­to­ren­hand­werk er­ler­nen.

Die Nä­he zu Tru­man Ca­po­tes Re­por­ta­ge­klas­si­ker „Kalt­blü­tig“von 1965 ist au­gen­fäl­lig, und doch ist die­se buch­stäb­lich wah­re Ge­schich­te ganz an­ders mo­ti­viert, denn hier geht es um die schlei­chen­de ge­gen­sei­ti­ge An­nä­he­rung zwi­schen po­ten­ti­el­lem Mas­sen­mör­der und ge­fal­le­nem Jour­na­lis­ten und dar­um, wer am En­de wen am Ring durch die Ma­ne­ge zie­hen wird.

Der Lon­do­ner Ru­pert Goold hat sein Spiel­film­de­büt als psy­cho­lo­gi­sches Katz- und Maus­spiel mit loh­nen­den Dia­lo­gen an­ge­legt. Weit in­ter­es­san­ter aber sind die schau­spie­le­ri­schen Blick­du­el­le zwi­schen dem er­staun­lich kon­zen­triert und nu­an­ciert agie­ren­den Jo­nah Hill als schmie­ri­ges Re­por­ter-Ass und Ja­mes Fran­co im schil­lern­den Zwie­licht­land zwi­schen Sanft­heit, Ver­schla­gen­heit und ei­si­ger Be­rech­nung. Die fi­li­gra­ne Fe­li­ci­ty Jo­nes hat als Fin­kels Freun­din die stärks­te Sze­ne, wenn sie Lon­go in ul­ti­ma­ti­ver Ge­gen­über­stel­lung mit ei­ner Me­lo­die und Sät­zen so scharf wie Mes­ser de­mas­kiert. Das al­les ist ein­ge­fan­gen in prä­zi­se aus­ta­rier­ten Blick­win­keln und Aus­leuch­tun­gen. Es ist tat­säch­lich die Ka­me­ra, die die­sem Film als wah­rer Star den Stem­pel auf­drückt. Ei­ne gu­te Nach­richt fürs Ki­no.

USA 2014, 100 Min., Ca­me­ra Zwo (Sb); Re­gie: Ru­pert Goold; Buch: Goold, Ka­jga­nich; Ka­me­ra: Ma­s­a­no­bu Ta­ka­ya­na­gi; Mu­sik: Mar­co Belt­ra­mi; Darstel­ler: Ja­mes Fran­co, Jo­nah Hill, Fe­li­ci­ty Jo­nes, Ro­bert John Bur­ke.

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