Braun Car­tec wächst mit Ide­en

Schwal­ba­cher Ka­ros­se­rie­bau-Spe­zia­list sucht den Wis­sens­vor­sprung – und ge­winnt gro­ße Auf­trä­ge

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - Von SZ-Re­dak­teur Vol­ker Meyer zu Tit­ting­dorf

In­no­va­tio­nen ent­ste­hen nicht von al­lein. Da­für müs­sen Un­ter­neh­men et­was tun. Braun Car­tec aus Schwal­bach geht das The­ma mit Sys­tem an – und wur­de da­für aus­ge­zeich­net. Aus­ge­zahlt hat sich das Ide­en-Ma­nage­ment in­zwi­schen auch.

Schwal­bach. Wenn es ein Lexikon für Wirt­schafts-Bl­ab­la gä­be, fän­de die Flos­kel „In­no­va­ti­on si­chert Er­folg“dar­in si­cher Platz. Man­ches Mal trifft sie aber die Wirk­lich­keit. Ein Bei­spiel da­für ist Braun Car­tec in Schwal­bach. Schließ­lich wur­de das Un­ter­neh­men kürz­lich als ei­nes der in­no­va­tivs­ten im deut­schen Mit­tel­stand aus­ge­zeich­net. Und der Er­folg – ge­mes­sen am Wachs­tum – ist da. Wur­den 2012 mehr als 30 Mil­lio­nen Eu­ro Jah­res­um­satz er­reicht, sei Braun Car­tec in die­sem Jahr „kurz vor ei­nem drei­stel­li­gen Be­trag“, sagt Ge­schäfts­füh­rer Patrick Lons­dor­fer. Auch die Zahl der Mit­ar­bei­ter ist deut­lich ge­stie­gen: Seit An­fang 2012 hat sich die Be­leg­schaft auf 240 na­he­zu ver­dop­pelt, und wenn nächs­tes Jahr die Pro­duk­ti­on in den neu­en Hal­len im Saar­loui­ser In­dus­trie­ge­biet Lis­dor­fer Berg star­tet, „lau­fen wir auf 300 Be­schäf­tig­te zu“.

Braun Car­tec hat sich zu ei­nem Spe­zia­lis­ten für Ka­ros­se­rie­tei­le ent­wi­ckelt, die nicht kalt ge­presst, son­dern warm ge­formt wer­den – bei 900 bis 1000 Grad. Die Vor­tei­le ge­gen­über der Kal­tPres­sung: bis zu 40 Pro­zent we­ni­ger Ma­te­ri­alver­brauch, hö­he­re Prä­zi­si­on in der Fer­ti­gung und ge­rin­ge­res Ge­wicht der Bau­tei­le. Braun Car­tec kommt

Ent­wick­lungs­chef Ralf Hund (r.) und Nor­mann Fell an ei­ner War­mum­for­mungs-An­la­ge.

aus dem Werk­zeug­bau, fer­tigt seit 2007 aber zu­neh­mend selbst Ka­ros­se­rie­tei­le. In­zwi­schen ha­be die Se­ri­en­fer­ti­gung die glei­che Be­deu­tung wie der Werk­zeug­bau, so Lons­dor­fer.

„Tra­gen­de Säu­le für In­no­va­ti­on sind die Mit­ar­bei­ter“, sagt er. Die Be­leg­schaft ha­be ei­ne ge­wach­se­ne Struk­tur, und „al­le wis­sen, dass es Sinn macht, dass wir ei­nen Wis­sens­vor­sprung vor den Wett­be­wer­bern ha­ben“. Ent­wick­lungs­lei­ter Ralf Hund fügt hin­zu: „Da­mit kei­ne Idee ver­san­det, sind die Füh­rungs­kräf­te sen­si­bi­li­siert.“In­no­va­tio- nen, al­so Neue­run­gen, die gro­ße Fort­schrit­te mit sich brin­gen, wo­mög­lich patent­wür­dig sind, „ste­hen un­ter dem Schutz der Ge­schäfts­füh­rung“. Auch hel­fe ein Re­gel­werk da­bei, dass al­le Ein­fäl­le, mö­gen sie zu­nächst auch ab­we­gig er­schei­nen, genau auf Chan­cen ge­prüft wer­den. Und ein An­reiz­sys­tem macht das En­ga­ge­ment für Neu­es at­trak­tiv. Wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen für gelungene In­no­va­tio­nen: „Wir kön­nen auf kur­zen We­gen ent­schei­den“, sagt Hund. Und „wir ha­ben als Mit­tel­ständ­ler al­le Res­sour­cen im Haus“, er­gänzt Lons­dor­fer: In­ge­nieu­re in der Kon­struk­ti­on, die me­cha­ni­sche Fer­ti­gung, den Werk­zeug­bau, Ver­suchs­pres­sen und Se­ri­en­Pro­duk­ti­on. Das macht es leich­ter, den Weg vom Ein­fall zum Pro­to­ty­pen und bis in die Se­ri­en­fer­ti­gung zu ge­hen. Nicht zu­letzt „muss man Zeit für In­no­va­ti­on ge­ben“, sagt Hund. Mit­ar­bei­ter, die viel­ver­spre­chen­de Ide­en ver­fol­gen wol­len, be­kom­men Frei­räu­me – bis zu ei­nem Fünf­tel ih­rer Ar­beits­zeit.

Ein für Braun Car­tec gro­ßes Pro­jekt er­wuchs aus der Idee, das Ma­te­ri­al bei der For­mung der Ka­ros­se­rie­tei­le nicht gleich­mä­ßig, son­dern un­ter­schied­lich stark zu er­hit­zen. Da­mit kön­nen Tei­le ge­fer­tigt wer­den, die je nach An­for­de­rung hier wei­cher und dort här­ter sind. Die Ent­wick­lung und Um­set­zung brauch­te Jah­re. Ver­schie­de­ne Ver­fah­ren wur­den aus­pro­biert. Kern der Lö­sung ist jetzt ein spe­zi­el­ler Ofen mit fünf Hit­ze­zo­nen. Da­mit las­sen sich Bau­tei­le mit fünf ver­schie­de­nen Här­te­gra­den fer­ti­gen. Al­lein „an dem Ofen wur­de mehr als ein Jahr lang ge­baut“, sagt Hund.

Der In­no­va­ti­ons­auf­wand hat sich in gro­ßen Auf­trä­gen von Por­sche und Au­di aus­ge­zahlt. Da­für wird nun ei­gens ge­baut. Das Un­ter­neh­men er­rich­tet neue Hal­len auf dem Lis­dor­fer Berg. Ei­gent­lich wä­re man ger­ne in Schwal­bach ge­blie­ben, aber weil ein An­lie­ger mit ei­ner Kla­ge droh­te, muss­te schnell ei­ne an­de­re Lö­sung her. Das Un­ter­neh­men will mit­tel­fris­tig kom­plett um­zie­hen. Zu­erst wer­den zwei Hal­len ge­baut, um die Se­ri­en­fer­ti­gung für Au­di und Por­sche auf den Weg zu brin­gen, die im ers­ten Quar­tal 2016 an­lau­fen soll, wie Lons­dor­fer sagt. Die Ver­la­ge­rung des ge­sam­ten Stand­orts Schwal­bach soll En­de kom­men­den Jah­res be­gin­nen. Für den ers­ten Bau­ab­schnitt sind 20 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­plant. Spä­ter sol­len das wei­te­re Werk in der Saar­loui­ser Fa­sa­nen­al­lee, wo der La­ser-Be­schnitt und das Schwei­ßen an­ge­sie­delt sind, auch um­zie­hen. Das Ge­samt­pro­jekt hat ein Vo­lu­men von 35 Mil­lio­nen Eu­ro. Das neue Ge­län­de ist mit neun Hekt­ar so groß, dass wei­te­res Wachs­tum mög­lich ist. Die Er­folgs­ge­schich­te kann al­so wei­ter­ge­hen.

FO­TO: ROLF RUPPENTHAL

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