Fran­zö­si­sches Ge­richt kippt Atom­müll-Pas­sus

Ar­ti­kel zu ge­plan­tem End­la­ger Bu­re in Loth­rin­gen nicht ver­fas­sungs­kon­form

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK / REGION - Von SZ-Re­dak­teu­rin No­ra Ernst Von SZ-Re­dak­teu­rin No­ra Ernst

Im loth­rin­gi­schen Bu­re ist ein Atom­müll-End­la­ger ge­plant. Jetzt hat das fran­zö­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richt ei­nen Ar­ti­kel aus ei­nem Ge­setz ge­stri­chen, der im Saar­land für Em­pö­rung ge­sorgt hat­te. Auf den Zeit­plan des Be­trei­bers hat das aber kei­nen Ein­fluss.

Bu­re/Pa­ris. Das fran­zö­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richt hat ei­nen um­strit­te­nen Ar­ti­kel zum ge­plan­ten Atom­müll-End­la­ger im loth­rin­gi­schen Bu­re in ei­nem Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­setz ge­kippt. Der Pas­sus sei nicht ver­fas­sungs­ge­mäß ver­ab­schie­det wor­den, weil er in kei­nem Zu­sam­men­hang mit dem In­halt des Ge­set­zes ste­he, so die Be­grün­dung der Rich­ter.

Im al­ler­letz­ten Mo­ment hat­te die Re­gie­rung den Ar­ti­kel in das Ge­setz ein­ge­fügt und mit Hil­fe ei­nes Ver­fas­sungs­kniffs oh­ne Ab­stim­mung und in­halt­li­che De­bat­te durch die Na­tio­nal­ver­samm­lung ge­bracht. Dar­in wur­den Vor­ga­ben zu ei­ner in­dus­tri­el­len Pi­lot­pha­se ge­macht.

Saar­län­di­sche Um­welt­po­li­ti­ker wa­ren em­pört über die Art und Wei­se, wie der Ar­ti­kel in dem Ge­setz „ver­steckt“wor­den war, und sa­hen dar­in ei­ne Vor­fest­le­gung auf Bu­re, das nur 120 Ki­lo­me­ter von der saar­län­di­schen Gren­ze ent­fernt ist, als Stand­ort für das Atom­müll­End­la­ger. Ge­schlos­sen hat­te sich der Land­tag ge­gen ein La­ger in Bu­re aus­ge­spro­chen.

Frank­reichs Wirt­schafts­mi­nis­ter Em­ma­nu­el Ma­cron kün­dig­te ges­tern an, im ers­ten Halb­jahr 2016 ein ei­ge­nes Ge­setz zur Pi­lot­pha­se vor­zu­le­gen.

Saar­län­di­sche Um­welt­po­li­ti­ker zeig­ten sich er­freut über den Be­schluss des Ge­richts. „Die durch­sich­ti­ge Trick­se­rei, mit der ei­ne Ent­schei­dung für Bu­re in ei­nem Ge­setz ver­steckt wer­den soll­te, war of­fen­sicht­lich nicht hilf­reich“, er­klär­te der saar­län­di­sche Um­welt­mi­nis­ter Rein­hold Jost (SPD). Er ge­he da­von aus, dass Frank­reich nun zu ei­nem „ge­ord­ne­ten de­mo­kra­ti­schen Ver­fah­ren“zu­rück­keh­ren wer­de. Das Saar­land wer­de sich an ei­nem Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren zu Bu­re ak­tiv be­tei­li­gen, ver­sprach er.

Lin­ke und Grü­ne im Land­tag for­der­ten ein Mit­spra­che­recht für die Nach­bar­staa­ten und ein Ein­grei­fen der Bun­des­re­gie­rung. Land und Bund müss­ten Druck ma­chen und „un­se­re fran­zö­si­schen Freun­de dar­an er­in­nern, dass sich gu­te Nach­barn kei­nen hoch­gif­ti­gen Müll vor die Haus­tür le­gen“, sag­te die um­welt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Lin­ken, Dag­mar Ensch-En­gel. Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Hu­bert Ul­rich for­der­te zu­dem ei­ne grenz­über­schrei­ten­de Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fung. Roland Theis, Ge­ne­ral­se­kre­tär der Saar-CDU, ist in­des der Mei­nung, dass Frank­reich sei­ne Nach­barn bis­her „an­ge­mes­sen ein­ge­bun­den“ha­be. „Wir soll­ten in ei­nem ge­mein­sa­men Schrei­ben der Part­ner in der Groß­re­gi­on dar­um bit­ten, dass dies auch für die wei­te­ren Ent­schei­dun­gen zu­ge­si­chert wird“, sag­te er. Das Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um kün­dig­te an, die Ent­wick­lun­gen in­ten­siv zu be­glei­ten, und for­der­te von Pa­ris „größt­mög­li­che Trans­pa­renz“.

Auf den Be­triebs­plan der Atom­müll-Be­hör­de An­dra, die in Bu­re ein Un­ter­ta­ge-La­bor be­treibt und für den Bau des End­la­gers zu­stän­dig wä­re, hat die Ent­schei­dung des Ge­richts kei­nen Ein­fluss. Der wer­de näm­lich durch ein Ge­setz von 2006 be­stimmt, sag­te Marc-An­toi­ne Mar­tin, Spre­cher der An­dra ge­gen­über der SZ. Wie ge­plant wer­de die An­dra 2017 die Ge­neh­mi­gung zum Bau ei­nes End­la­gers stel­len. Ab 2025 sol­len dann sämt­li­che strah­len­den Ab­fäl­le Frank­reichs dort ent­sorgt wer­den: 10 000 Ku­bik­me­ter hoch­ra­dio­ak­ti­ver und bis zu 70 000 Ku­bik­me­ter mit­tel­ra­dio­ak­ti­ver Müll.

Wer an­ge­sichts der Ent­schei­dung des Ver­fas­sungs­ge­richts hofft, dass das Vor­ha­ben in Bu­re nun wa­ckelt, der irrt sich. Soll­te die zu­stän­di­ge fran­zö­si­sche Be­hör­de An­dra die Ge­neh­mi­gung er­hal­ten, wird das Atom­müll-End­la­ger ge­baut – und zwar in Bu­re.

Denn im Mo­ment gibt es kei­nen ein­zi­gen an­de­ren Stand­ort in Frank­reich, der da­für in Fra­ge kommt. Zwar war ur­sprüng-

500 Me­ter un­ter der Er­de wur­de im Ton­ge­stein zu For­schungs­zwe­cken ein Tun­nel­sys­tem an­ge­legt.

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