Die Ba­na­li­täts­fal­le sou­ve­rän um­gan­gen

Nils Øk­lands folk­lo­ris­ti­sches Al­bum „Kjøl­vatn“

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR -

Erst vor we­ni­gen Mo­na­ten hat Nils Øk­land das psy­che­de­li­sche Al­bum „Lu­men Dro­nes“ver­öf­fent­licht. Auf sei­nem neu­en Al­bum wid­met sich der mo­der­ne Meis­ter der „Hard­ang­er­fie­del“ei­nem sehr viel ru­hi­ge­ren Re­per­toire.

Saar­brü­cken. „Über die Jah­re ha­be ich mich be­wegt in ei­ner brei­ten Gen­re­pa­let­te zwi­schen klas­si­scher Gei­ge und Bal­kan­folk, Rock, Jazz, frei­er Im­pro­vi­sa­ti­on und nor­we­gi­scher Volks­mu­sik“, sagt Nils Øk­land. Sehr in­ten­siv hat sich Øk­land, Jahr­gang 1961, auch mit frü­her Ba­rock­mu­sik be­schäf­tigt. Wie kein an­de­rer hat er die Hard­ang­er­fie­del, das tra­di­tio­nel­le In­stru­ment aus Nor­we­gens Sü­den, in im­mer neue Kon­tex­te ge­setzt und ihr so ein im­po­nie­ren­des Up­date ver­passt. Als So­list hat er das ge­tan, als Gast in den Bands von Chris­ti­an Wal­l­um­rød und in ei­ge­nen For­ma­tio­nen. Mit sei­nem Trio „Lu­men Dro­ne“hat er au­ßer­dem ei­ne in­ten­si­ve psy­che­de­li­sche Rock­mu­sik er­dacht.

Auf die­se Wei­se schuf er ei­ne neue, im­mer wie­der an­de­re und doch ver­blüf­fend kon­zi­se Mu­sik, die vom tra­dier­ten Klang sei­nes In­stru­ments ab­hebt in Fel­der, die erst durch Øk­land de­fi­niert wur­den. All das ist wie­der da in sei­nen ak­tu­el­len Quin­tett­auf­nah­men, die all die­se Ein­flüs­se zu ei­ner wun­der­vol­len neu­en Mu­sik fu­sio­nie­ren. Was hier­zu­lan­de noch im­mer auf dem In­dex steht, ist in Skan­di­na­vi­en ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Dort ist die Folk­lo­re kein kon­ta­mi­nier­tes Ge­biet, kei­ne krach­le­der­ne Ba­na­li­täts­fal­le. Sie ist ein ori­gi­nä­rer Be­stand­teil der Ent­wick­lun­gen, mit de­nen der ho­he Nor­den im­mer wie­der Si­gna­le sen­det, die ihn ex­po­nie­ren in der üb­ri­gen Jazz­welt.

Øk­lands Kam­mer­mu­sik mit Sa­xo­fon, Har­mo­ni­um, Kon­tra­bass und Per­kus­si­on ist ei­ne frap­pie­rend sinn­li­che Kunst­mu­sik, ernst und un­be­flis­sen, ge­mes­sen, neu und de­tail­scharf. Sie weist nach vorn, in­dem sie sich ih­rer Ge­schich­te ver­ge­wis­sert, oh­ne sie nur kon­ser­va­tiv oder gar ba­na­li­sie­rend zu re­pro­du­zie­ren. stei

Nils Øk­land Band: Kjøl­vatn (ECM/Uni­ver­sal)

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