Der Traum vom Bal­kon ist er­füll­bar

Nach­rüs­tun­gen sind in vie­len Fäl­len mög­lich – Ver­mie­ter kön­nen die Kos­ten teil­wei­se um­le­gen

Saarbruecker Zeitung - - SZ-EXTRA IMMOBILIEN - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Andre­as Kun­ze (ftx)

Gera­de jetzt im Som­mer wird er von man­chen Mie­tern oder Ei­gen­tü­mern schmerz­lich ver­misst: Bei schö­nem Wet­ter ist der Bal­kon wie ein klei­ner Ur­laub zu Hau­se. Wenn er fehlt, bleibt noch ei­ne Chan­ce: die Nach­rüs­tung. Wir er­klä­ren, was Sie be­ach­ten soll­ten, da­mit das pro­blem­los ge­lingt.

Düsseldorf. Für je­den zwei­ten Mie­ter ist der Bal­kon laut ei­ner Um­fra­ge ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um, ob ih­nen ei­ne Woh­nung ge­fällt. Ver­mie­ter er­hö­hen mit ei­nem nach­träg­lich an­ge­bau­ten Bal­kon da­her die Ver­mie­tungs­chan­cen so­wie den Im­mo­bi­li­en­wert. Bei ei­nem be­ste­hen­den Miet­ver­hält­nis kön­nen elf Pro­zent der Kos­ten als Mo­der­ni­sie­rung auf die Mie­ter um­ge­legt wer­den. Ei­nen zwei­ten Bal­kon muss der Mie­ter al­ler­dings nicht als Mo­der­ni­sie­rung hin­neh­men (Amts­ge­richt Schö­ne­berg, Az.: 6 C 168/04). Ein Bei­spiel: Wur­den für den An­bau von Bal­ko­nen 32 000 Eu­ro ge­zahlt, so wür­de das bei acht Miet­par­tei­en ei­nen An­teil von je­weils 4000 Eu­ro aus­ma­chen. Elf Pro­zent da­von wä­ren 440 Eu­ro, die auf die Jah­res­mie­te auf­ge­schla­gen wer­den dür­fen. Die zu­läs­si­ge mo­nat­li­che Miet- er­hö­hung wür­de so­mit 36,70 Eu­ro be­tra­gen.

Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung: Bei ei­nem Haus mit meh­re­ren Ei­gen­tums­woh­nun­gen ist die Zu­stim­mung der an­de­ren Ei­gen­tü­mer not­wen­dig. Seit der Re­form des Wohn­ei­gen­tums­ge­set­zes ( WEG) reicht für Mo­der­ni­sie­run­gen ei­ne Drei­vier­tel­Mehr­heit aus (mit mehr als der Hälf­te der Mit­ei­gen­tums­an­tei­le, Pa­ra­graf 22 Abs. 2 WEG). Der erst­ma­li­ge An­bau von Bal­ko­nen ist ei­ne Mo­der­ni­sie­rung, weil der Nutz­wert für Er­ho­lungs­und Frei­zeitz­we­cke zu ei­ner Ge­brauchs­wert­er­hö­hung der Woh­nung führt (Amts­ge­richt Kon­stanz, Az.: 12 C 19/07).

Bau­ge­neh­mi­gung: Wel­che Bau­ten ge­neh­migt wer­den müs­sen und wel­che „ver­fah­rens­frei“sind, rich­tet sich nach den Lan­des­bau­ord­nun­gen. Für Bal­ko­ne ist in der Re­gel ei­ne Ge­neh­mi­gung not­wen­dig, wo­bei es un­ter an­de­rem auf den Ab­stand zum Nach­bar­grund­stück an­kommt. Zu­stän­dig ist das ört­li­che Bau­amt. Münd­li­che Bau­vor­an­fra­gen sind meis­tens kos­ten­los. Der Ei­gen­tü­mer er­fährt da­bei, wel­che Un­ter­la­gen be­nö­tigt wer­den. Auf dem Weg zum Be­scheid hilft au­ßer­dem die Bau­fir­ma, die mit der Bal­kon­Nach­rüs­tung be­auf­tragt wird.

Bal­kon­aus­wahl: Als un­kom­pli­ziert gilt der „Vier-Bei­ner“, ein dem Haus vor­ge­stell­ter Bal­kon mit Be­ton­plat­te und vier Pfei­lern auf ge­gos­se­nen Fun­da­men­ten. Die Trag­kon­struk­ti­on wird an der Fas­sa­de le­dig­lich mit Ver­schrau­bun­gen fi­xiert. “Das Haus wird da­durch sta­tisch nicht be­las­tet, so dass die Bal­kon­nach­rüs­tung auch bei äl­te­ren Bau­ten mög­lich wird”, sagt die Düs­sel­dor­fer In­ge­nieu­rin Do­re­en Kru­schi­na. “Dar­über hin­aus wer­den we­gen der feh­len­den Fas­sa­den­ver­an­ke­rung Käl­te­brü­cken ver­mie­den, über die Wär­me ver­lo­ren geht.” Ne­ben den Vor­stell-Bal­ko­nen sind An­bau-Bal­ko­ne üb­lich, die auf Kon­so­len und Stüt­zen mit der Au­ßen­wand ver­bun­den wer­den. Bei Alt­bau­woh­nun­gen ist da­für mit­un­ter in­nen ei­ne Ge­gen­plat­te nö­tig.

Die Kos­ten für ei­nen ein­zel­nen Bal­kon er­rei­chen schnell 10 000 Eu­ro. Deut­lich güns­ti­ger wird es je Wohn­ein­heit, wenn ein Mehr­fa­mi­li­en­haus kom­plett mit Bal­ko­nen aus­ge­stat­tet wird. Mit Dau­men-Schät­zun­gen tun sich die auf An­bau­ten spe­zia­li­sier­ten Fir­men schwer. Ne­ben dem Ma­te­ri­al (Stahl, Alu­mi­ni­um, Holz) kom­me es un­ter an­de­rem auf das Bal­kon- Ge­län­der an. Mit 3000 bis 5000 Eu­ro sei bei ei­nem Mehr­fa­mi­li­en­haus zu rech­nen. Ex­per­tin Kru­schi­na: “Ein idea­ler Zeit­punkt für ei­ne Bal­kon-Nach­rüs­tung wä­re, wenn oh­ne­hin Fas­sa­den­ar­bei­ten durch­ge­führt wer­den sol­len. Dann wür­den die Aus­bes­se- run­gen rund um den Wand­durch­bruch kei­ne Ex­tra-Kos­ten ver­ur­sa­chen.”

FO­TO: PLEUL/DPA

Woh­nun­gen mit Bal­kon sind be­gehr­ter als sol­che, die nicht über die­se Frei­luft-Oa­se ver­fü­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.