Was den IS stark macht

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK - Von SZ-Re­dak­teu­rin Iris Neu

Rund 6000 Luft­schlä­ge flog das in­ter­na­tio­na­le An­ti-Ter­rorbünd­nis ge­gen den IS – mit of­fen­bar ma­ge­rem Er­folg. Zwölf Mo­na­te nach Ein­satz­be­ginn droht das Bünd­nis gar den Kampf zu ver­lie­ren – zu zau­dernd das Vor­ge­hen, zu po­rös die Stra­te­gie, zu durch­sich­tig die Tak­tik. Gleich­zei­tig schwä­chen die USA ih­re schlag­kräf­tigs­ten Part­ner im Kampf ge­gen den Is­la­mi­schen Staat, die Kur­den – in­dem sie de­mons­tra­tiv der Tür­kei den Rü­cken stär­ken, de­ren macht­be­ses­se­ner Staats­chef Er­do­gan zwar vor­gibt, ge­gen den IS-Ter­ror vor­zu­ge­hen, in Wirk­lich­keit aber die Kur­den meint. So führt man al­so de fac­to den Kampf ge­gen sich selbst – statt ge­gen die Fein­de. Im Wind­schat­ten die­ser wir­ren Ak­tio­nen ge­lingt es dem IS, sein ab­scheu­li­ches Ka­li­fat präch­tig aus­zu­bau­en. Dies frei­lich mit Un­ter­stüt­zung spru­deln­der Geld­quel­len aus Lö­se­geld- und Schutz­geld-Er­pres­sung, Öl-Ein­nah­men aus Bo­den­ge­win­nen, Schmug­gel et ce­te­ra – und na­tür­lich mit­hil­fe der dreis­ten Pro­pa­gan­da, die das Bünd­nis un­fä­hig ist zu un­ter­bin­den. Auf sol­che Wei­se er­mu­tigt wird der IS auch vor dem Wes­ten nicht mehr lan­ge fa­ckeln: Sei­ne Vor­hut hat er längst schon hier.

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