Spie­len ist nicht er­laubt

Au­to­ma­ten­fach­leu­te küm­mern sich um die Tech­nik zahl­rei­cher Ge­rä­te – Gu­te Über­nah­me­chan­cen

Saarbruecker Zeitung - - SZ-EXTRA BERUF - Von dpa-Mit­ar­bei­ter Tom Ne­be

Ei­ne Pa­ckung Zi­ga­ret­ten zu zie­hen oder am Bahn­steig ein Ti­cket zu kau­fen: dank Au­to­ma­ten al­les kein Pro­blem. Da­mit die Tech­nik der Ge­rä­te funk­tio­niert, sind Au­to­ma­ten­fach­leu­te im Ein­satz. Die Aus­bil­dungs­ord­nung wur­de jetzt mo­der­ni­siert.

Mül­heim an der Ruhr. Vor zwei Jah­ren gab es ei­nen neu­en Fünf-Eu­ro-Schein. Für vie­le wur­de er zum Är­ger­nis. Vom Ti­cket­au­to­mat der Deut­schen Bahn bis zum Ge­trän­ke­au­to­mat er­kann­ten vie­le Ge­rä­te den neu­en Schein nicht und spuck­ten ihn wie­der aus. Es dau­er­te, bis die Soft­ware al­ler Au­to­ma­ten ak­tua­li­siert war und die Ge­rä­te die neue Bank­no­te schluck- ten. Ein Är­ger­nis nicht nur für die Kun­den, son­dern auch für die be­trof­fe­nen Fir­men. Die­ser Ex­trem­fall zeigt: Da­mit die Au­to­ma­ten der Re­pu­blik rei­bungs­los funk­tio­nie­ren, braucht es Fach­kräf­te, die für de­ren War­tung sor­gen.

Seit 2008 gibt es zwei Be­rufs­aus­bil­dun­gen, die auf die Tä­tig­keit ei­nes Au­to­ma­ten­fach­manns vor­be­rei­ten. Jetzt wer­den sie im Zu­ge ei­ner neu­en Aus­bil­dungs­ord­nung zu ei­ner zu­sam­men­ge­fasst. Künf­tig kön­nen Be­trie­be Au­to­ma­ten­fach­leu­te nur noch über drei Jah­re aus­bil­den. Bis­her hat­ten Ju­gend­li­che die Wahl zwi­schen zwei und drei Jah­ren Aus­bil­dungs­zeit. Jetzt kön­nen Aus­zu­bil­den­de au­ßer­dem zwi­schen den bei­den Fach­rich­tun­gen Au­to­ma­ten­me­cha­tro­nik und Au- to­ma­ten­dienst­leis­tung wäh­len. Wer sich für die Fach­rich­tung Au­to­ma­ten­me­cha­tro­nik ent­schei­det, soll­te In­ter­es­se an Tech­nik und Ma­the mit­brin­gen, sagt Bri­git­te Sey­fried. Sie ist zu­stän­dig für das The­ma beim Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB).

Car­men Popov ist Au­to­ma­ten­fach­frau und hat Spaß an der Tech­nik: „Schon frü­her ha­be ich lie­ber mit Va­ti am Au­to her­um ge­schraubt, als Mut­ti beim Ko­chen zu hel­fen“, er­zählt die 24Jäh­ri­ge. Nach dem Abitur woll­te Popov nicht stu­die­ren. „Mei­ne Mut­ter ar­bei­te­te in ei­ner Spiel­hal­le und mach­te mich auf den Be­ruf auf­merk­sam“, er­zählt sie. In der Leh­re ler­nen die Aus­zu­bil­den­den, Au­to­ma­ten zu in­stal­lie­ren und zu war­ten. Sie be­schäf­ti­gen sich mit ver­schie­de­nen Dia­gno­se- und War­tungs­sys­te­men und wis­sen, was zu tun ist, wenn der Au­to­mat mal klemmt. In der Fach­rich­tung Au­to­ma­ten­dienst­leis­tung ha­ben Azu­bis die Wahl zwi­schen den Schwer­punk­ten Kauf­män­ni­sche Ge­schäfts­pro­zes­se und Kun­den­be­treu­ung.

Egal ob Azu­bis in ih­rem Be­trieb aus­schließ­lich mit Spiel-, Ge­trän­ke- oder Ti­cket­au­to­ma­ten han­tie­ren: Sie sind spä­ter uni­ver­sell ein­setz­bar. „Die Aus­bil­dung ist ge­ne­ra­li­siert und nicht an be­stimm­te Au­to­ma­ten ge­bun­den“, er­klärt Er­win Ko- schem­bar, Aus­bil­dungs­be­auf­trag­ter bei der Deut­schen Au­to­ma­ten­wirt­schaft.

Nach er­folg­rei­chem Ab­schluss müs­sen Au­to­ma­ten­fach­leu­te eher sel­ten auf Job­su­che. „In der ge­sam­ten Bran­che gibt es häu­fig Über­nah­me­ga­ran­ti­en“, sagt Ko­schem­bar.

Car­men Popov wur­de nach dem Ab­schluss ih­rer Aus­bil­dung vor zwei Jah­ren von ih­rem Aus­bil­dungs­be­trieb über­nom­men. Zu tun gibt es ge­nug. Al­le sechs Wo­chen müs­se je­der Au­to­mat ge­war­tet wer­den, er­zählt sie. Sie selbst darf nicht an den Spiel­au­to­ma­ten zo­cken, die sie re­pa­riert und war­tet. „Die­se Re­ge­lung gibt es we­gen des Au­ßen­ein­drucks auf den Kun­den“, sagt Popov. Die glaub­ten sonst schnell, sie und ih­re Kol­le­gen wüss­ten, wel­cher Au­to­mat wann Ge­win­ne aus­schüt­tet. Doch wo die Mün­zen letzt­lich klim­pern, ent­schei­det ei­ne Zu­falls­soft­ware.

FO­TO: MICHAE­LIS/DPA

Au­to­ma­ten­fach­leu­te ler­nen den Um­gang mit ver­schie­de­nen Dia­gno­se- und War­tungs­sys­te­men.

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