„St. Ing­bert war im­mer stolz auf ihn“

Wie ei­ne US-Zei­tung im Ju­li 1915 des To­des von Al­bert Weis­ger­ber ge­dach­te

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR -

An­läss­lich des 100. To­des­jahrs Al­bert Weis­ger­bers ge­denkt das Saar­land dem 1878 in St. Ing­bert ge­bo­re­nen Ma­ler der­zeit mit ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen. Weis­ger­ber war ei­ne zen­tra­le Fi­gur der Münch­ner Mo­der­ne. Doch hat man ihn – vor und nach sei­nem Tod – auch im Aus­land wahr­ge­nom­men? Der St. Ing­ber­ter Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler Ger­hard Sau­der ging der Fra­ge nach und stieß da­bei auch auf ein Ku­rio­sum.

St. Ing­bert. Bis heu­te ist Al­bert Weis­ger­bers Werk über das Saar­land und die West­pfalz hin­aus kaum be­kannt. In Frank­reich, Ita­li­en oder En­g­land sagt sein Na­me den Kunst­ken­nern nichts. Die Aus­stel­lung un­ter dem Ti­tel „The Fal­len“(Die Ge­fal­le­nen), die 1988/89 in Ox­ford statt­fand, war ei­ne Aus­nah­me. Ne­ben mu­si­ka­li­schen und li­te­ra­ri­schen Ver­an­stal­tun­gen zum Ge­den­ken der 1914/18 ge­fal­le­nen Künst­ler, Dich­ter und Mu­si­ker wur­den auch Wer­ke der deut­schen Künst­ler Franz Marc, Au­gust Ma­cke, Wil­helm Morg­ner, Herr­mann Sten­ner und Al­bert Weis­ger­ber ge­zeigt. Von Letz­te­rem wa­ren fünf der groß­for­ma­ti­gen Haupt­wer­ke zu se­hen. Die Kri­ti- ke­rin Patri­cia Mo­ri­son vom „Dai­ly Te­le­graph“be­zeich­ne­te den „Ab­sa­lom“aus der Ham­bur­ger Kunst­hal­le als das Ge­mäl­de der Schau, das am meis­ten über­ra­sche. Wil­helm Weber, dem die Aus­wahl der deut­schen Künst­ler zu ver­dan­ken war, mein­te da­mals, Weis­ger­bers An­teil an der Ox­for­der Aus­stel­lung si­che­re ihm internationales An­se­hen. Lei­der ist die­se Hoff­nung bis­lang nicht in Er­fül­lung ge­gan­gen. Am meis­ten ver­wun­dert das Des­in­ter­es­se im be­nach­bar­ten Frank­reich, et­wa in Metz oder Nan­cy.

Weis­ger­bers be­kann­tes Selbst­bild­nis von 1911.

So ist es eben­so er­freu­lich wie er­staun­lich, dass in ei­ner in den USA er­schei­nen­den deutsch­spra­chi­gen Zei­tung am 8. Ju­li 1915 fol­gen­de No­tiz er­schien: „St. Ing­bert. Die Nach­richt von dem To­de Al­bert Weis­ger­bers hat in sei­ner Va­ter­stadt St. Ing­bert, die im­mer stolz auf den so glän­zend auf­stei­gen­den Künst­ler war und der die­ser auch stets von Her­zen zu­ge­tan war, in al­len Be­völ­ke­rungs­schich­ten tie­fe Teil­nah­me und Trau­er aus­ge­löst.“Zu le­sen war dies im „Scran­ton Wo­chen­blatt“. Den Tod Weis­ger­bers auf dem Schlacht­feld bei Ypern am 10. Mai 1915 mel­de­te es nicht.

Die li­be­ra­le Zei­tung er­schien von 1865 bis 1918, als nach dem Kriegs­ein­tritt der USA die Sym­pa­thi­en für al­les Deut­sche schnell schwan­den und die meis­ten deutsch­spra­chi­gen Zei­tun­gen ihr Er­schei­nen ein­stel­len muss­ten. Scran­ton ist ei­ne Stadt von et­was über 70 000 Ein­woh­nern im Bun­des­staat Penn­syl­va­nia. Einst war Scran­ton ein wich­ti­ger Ei­sen­bahn­kno­ten­punkt für Koh­le­trans­por­te – es liegt in ei­nem An­thra­zit­koh­le­ab­bau­ge­biet. Heu­te ist es die Stadt mit der höchs­ten Ar­beits­lo­sig­keit in Penn­syl­va­nia.

FO­TO: SSK

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