Mit Esel und La­ma auf Du und Du

Auf dem Ja­kobshof in Au­ers­ma­cher kann man ge­mein­sam mit Tie­ren zur Ru­he kom­men

Saarbruecker Zeitung - - LOKALES - Von SZ-Mit­ar­bei­te­rin Astrid Karger

Es gibt Hö­fe, die be­son­ders sind. Auf de­nen es au­ßer­ge­wöhn­li­che An­ge­bo­te gibt, und wo be­hin­der­te und nicht­be­hin­der­te Men­schen zu­sam­men­kom­men kön­nen. Sol­che et­was an­de­ren Hö­fe stel­len wir in ei­ner klei­nen Rei­he vor. Wir be­gin­nen mit dem Ja­kobshof in Au­ers­ma­cher.

Au­ers­ma­cher. „Esel­schreck“steht auf dem Was­ser­sprü­her, der bei all­zu vor­wit­zi­gem Vor­drin­gen der Tie­re in die gu­te Stu­be zum Ein­satz kommt. Sechs „Kin­der“ha­ben Birgit Erbs und Da­ni­el Schultz, drei Esel. Und drei Ka­mel­i­den – das La­ma Franz und die bei­den klei­ne­ren, schwar­zen Al­pa­kas.

Ein­zig­ar­tig sei ihr An­satz, die lang­hal­si­gen Tie­re aus der Neu­en Welt mit den lang­oh­ri­gen Tie­ren aus Sar­di­ni­en zu­sam- men­zu­brin­gen, sa­gen die bei­den. In Au­ers­ma­cher auf dem Ja­kobshof funk­tio­niert es.

Die Tie­re ha­ben viel Platz. Im Cha­rak­ter sind sie un­ter­schied­lich. Men­schen­be­zo­gen und neu­gie­rig die Esel, scheu­er das La­ma und die zwei Al­pa­kas, die Be­rüh­run­gen nicht wirk­lich schät­zen.

Birgit Erbs und Da­ni­el Schultz ma­chen ein groß­zü­gi­ges An­ge­bot: Je­der kann sich auf ih­rem Grund­stück ei­nen Mo­ment der Ru­he gön­nen, die Nä­he der un­be­stech­li­chen Tie­re ge­nie­ßen. Mit fei­nen Sen­so­ren neh­men Esel wie auch Pfer­de und an­de­re Säu­ger wahr, was Men­schen glau­ben ver­ber­gen zu kön­nen. Sie spie­geln Ängst­lich­keit und Ab­leh­nung wie Si­cher­heit und Of­fen­heit.

Das An­ge­bot ist the­ra­peu­ti­scher Na­tur, die Tie­re wir­ken be­ru­hi­gend. Der Blick aus den gro­ßen Au­gen der wol­li­gen Wie­der­käu­er und die zu­trau­li­che Freund­lich­keit der Esel ver­feh­len ih­re Wir­kung nicht.

Die dis­tan­zier­te Art der La­mas ant­wor­te in schwer er­klär-

Birgit Erbs schmust auf dem Ja­kobshof mit ei­nem ih­rer Esel. Auch Gäs­te dür­fen sich bei die­sen Tie­ren auf­hal­ten.

li­cher Wei­se auf die Be­rüh­rungs­ängs­te au­tis­ti­scher Men­schen, er­klärt Birgit Erbs. Ei­ne Art ge­gen­sei­ti­ger Sym­pa­thie trägt ei­nen stum­men Dia­log. Sie kön­nen sich rie­chen, wie man so sagt.

Die Welt hat das Paar Erbs und Schultz ge­se­hen. Da­ni­el Schultz hat als Ent­wick­lungs­hel­fer in Afri­ka ge­ar­bei­tet. Ren­nen, auch Pa­ris-Da­kar, ist er mit dem Lkw ge­fah­ren. Sei­ne Frau Birgit und er be­reis­ten mit ei- ner aus­tra­li­schen Co­ver­band und spä­ter als Rei­se­bus­fah­rer ganz Eu­ro­pa. Die Initi­al­zün­dung für das na­tur­na­he Le­ben mit Tie­ren gab ein klei­nes Mäd­chen, das mit­ten auf dem Ze­bra­strei­fen hielt, weil „es sei­ne Tie­re ver­sor­gen muss­te“– vir­tu­el­le Tie­re, ein piep­sen­des Elek­tro­nik­spiel­zeug. „Wenn die Kuh li­la ist und die Tie­re in ei­nem klei­nen Com­pu­ter ste­cken, soll­te man Kin­dern wie­der die Mög­lich­keit ge­ben, die Na­tur ken­nen­zu­ler­nen“, fand Schultz.

Ganz wich­tig ist ih­nen, dass je­der kom­men kann, der Be­such kos­tet nichts. Mel­den sich gan­ze Kin­der­grup­pen an, von För­der­schu­len zum Bei­spiel, wird pro Kind ein Kos­ten­bei­trag von fünf Eu­ro fäl­lig. Da­für be­kom­men die jun­gen Gäs­te die Tie­re er­klärt. Sie dür­fen sie füt­tern, mit ih­nen spie­len, sie be­ob­ach­ten, zur Ru­he kom­men. Spä­ter gibt es Birgit Erbs Mar­mor­ku­chen und Saft von ei­ge­nen Äp­feln. „Wir ma­chen al­les selbst,“sagt sie. Der Ja­kobshof lebt als ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein von Mit­glieds­bei­trä­gen und Spen­den.

FO­TO: KARGER

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