Hier krach­te es mit der Saar­bahn

In­ner­halb von drei Jah­ren gab es 89 Un­fäl­le auf Saar­brü­ckens ein­zi­ger Stra­ßen­bahn­li­nie

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - Von SZ-Re­dak­teur Fa­bi­an Bos­se

Un­fäl­le mit der Saar­bahn sind sta­tis­tisch ge­se­hen nicht häu­fig. Doch wenn es knallt, dann tra­gen Be­tei­lig­te oft star­ke Ver­let­zun­gen da­von. Wo es die meis­ten Un­fäl­le gibt, ha­ben wir ein­mal zu­sam­men­ge­tra­gen.

Saar­brü­cken. Ein Mann will von der Nau­wie­ser Stra­ße in die Bleich­stra­ße, über­quert da­bei die Saar­bahn­schie­nen – trotz ro­ter Am­pel. Ei­ne Saar­bahn rauscht her­an, lei­tet ei­ne Voll­brem­sung ein – doch das reicht nicht. Der Mann wird von der Bahn er­fasst, zehn Me­ter mit­ge­schleift, be­vor der Zug zum Ste­hen kommt. Er wird schwer ver­letzt. Der Fah­rer steht un­ter Schock.

Die­ser schlim­me Un­fall in St. Jo­hann ge­schah En­de Ju­ni. Ei­ner je­ner Un­fäl­le mit der Saar­bahn, wie sie im­mer wie­der in Saar­brü­cken pas­sie­ren. Im ver­gan­ge­nen Jahr stie­ßen sechs Men­schen ent­we­der zu Fuß oder mit dem Fahr­rad in Saar­brü­cken mit ei­ner Stra­ßen­bahn zu­sam­men. 13-mal krach­ten 2014 zwi­schen Rö­mer­kas­tell und Pa­ri­ser Platz in Mal­statt Au­tos ge­gen die Saar­bahn.

Sa­rah Sch­mitt, die Un­ter­neh­mens­spre­che­rin, hat auf SZAn­fra­ge nach­ge­zählt: Zwi­schen 2012 und 2014 gab es zwi­schen den oben ge­nann­ten Hal­te­stel­len ins­ge­samt 89 Un­fäl­le. „In den weit­aus meis­ten Fäl­len er­eig­nen sich die Un­fäl­le, weil an­de­re Ver­kehrs­teil­neh­mer (Pkw

Oft bie­gen Au­tos falsch ab: Ei­ne Saar­bahn mit ih­rem enor­men Ge­wicht kann so schnell nicht stop­pen.

oder Lkw) un­er­laubt ab­bie­gen, al­so die Ver­kehrs­re­geln miss­ach­ten und dann un­se­re Bah­nen ram­men“, sagt Sa­rah Sch­mitt.

Zu­sam­men­stö­ße mit Per­so­nen­scha­den ge­be es sel­ten. In der In­nen­stadt ma­che sich die Bahn für que­ren­de Fuß­gän­ger ja mit der lau­ten Klin­gel in der Re­gel deut­lich be­merk­bar. Weil ei­ni­ge Pas­san­ten den­noch im­mer wie­der die Glei­se an da­für nicht vor­ge­se­he­nen Stel­len über­que­ren, weist die Saar­bahn-Spre­che­rin noch ein­mal dar­auf hin: „Da­mit brin­gen die Fuß­gän­ger vor al­lem sich selbst, mög­li­cher­wei­se auch den Fah­rer und die Fahr­gäs­te ei­nes her­an­na­hen­den Saar­bahn-Zu­ges in Ge­fahr.“

Die meis­ten Un­fäl­le in Saar­brü­cken pas­sie­ren zwi­schen Cott­bu­ser und Pa­ri­ser Platz: 24-mal stieß die Saar­bahn zwi- schen 2012 und 2014 ent­we­der mit ei­nem Au­to, Fuß­gän­ger oder Fahr­rad­fah­rer zu­sam­men. Eben­falls ein Un­fall­schwer­punkt ist die Stre­cke zwi­schen den Hal­te­stel­len Land­wehr­platz und Jo­han­nes­kir­che: Hier pas­sier­te es im ge­zähl­ten Zei­t­raum ins­ge­samt 19-mal.

Nun ist der An­teil von Un­fäl­len mit der Saar­bahn an der Ge­samt­zahl von Zu­sam­men­stö­ßen in der Stadt sehr ge­ring. Zum Ver­gleich: Im Jahr 2014 mel­de­te die In­spek­ti­on St. Jo­hann für ih­ren Zu­stän­dig­keits­be­reich, St. Jo­hann ein­schließ­lich Esch­berg, ins­ge­samt 2678 Un­fäl­le.

Aber gera­de wenn Men­schen oder Fahr­rad­fah­rer in Un­fäl­le ver­wi­ckelt sind, sind schwe­re Ver­let­zun­gen meist die Fol­ge. Auf­fäl­lig: Bei den bei­den Un­fall­schwer­punk­ten sind Fuß­gän­ger na­he an den Saar­bahn- schie­nen und müs­sen sie über­que­ren, wie in der In­nen­stadt und in der Le­ba­cher Stra­ße.

Nun ist es of­fen im Stadt­bild sicht­bar: Vie­le Fuß­gän­ger und Fahr­rad­fah­rer ha­ben Kopf­hö­rer auf und star­ren auf die Dis­plays ih­rer Smart­pho­nes. Gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen feh­len­der Auf­merk­sam­keit durch Kopf­hö­rer und Un­fäl­len? Das las­se sich schwer prü­fen, sagt Tho­mas Worm, Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar und Spre­cher der Ver­kehrs­po­li­zei im Saar­land. Denn: Es ist nicht ver­bo­ten, dass Fahr­rad­fah­rer Stöp­sel im Ohr ha­ben. Pa­ra­graph 23 der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung sagt über die Pflich­ten von Fahr­zeug­füh­rern: „Wer ein Fahr­zeug führt, ist da­für ver­ant­wort­lich, dass sei­ne Sicht und das Ge­hör nicht durch die Be­set­zung, Tie­re, die La­dung, Ge­rä­te oder den Zu­stand des Fahr­zeugs be­ein­träch­tigt wer­den.“Da­her wer­de bei Un­fäl­len von der Po­li­zei auch nicht au­to­ma­tisch in den Un­fall­pro­to­kol­len ver­merkt, ob ein Fahr­ra­do­der Au­to­fah­rer Kopf­hö­rer im Ohr hat­te. Är­ger droht nur, wenn man durch Zeu­gen nach­wei­sen kann, dass die Mu­sik so laut war, dass er die Um­welt drum­her­um nicht mehr rich­tig wahr­nahm. Das spie­le dann be­son­ders bei zi­vil­recht­li­chen Pro­zes­sen ei­ne Rol­le.

An­de­re Län­der sind da aber ri­go­ro­ser, sagt Tho­mas Worm: „In Frank­reich sind Kopf­hö­rer im Ohr mitt­ler­wei­le ein Straf­tat­be­stand, sei es im Au­to oder auf dem Fahr­rad.“

AR­CHIV­FO­TO: BE­CKER&BREDEL

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.