Su­per­la­ti­ve im Schwarz­wald

Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen, die Part­ner­stadt von Fried­richs­thal, bie­tet Aha-Er­leb­nis­se

Saarbruecker Zeitung - - REGIONALVERBAND - Von SZ-Re­dak­teur Jörg Las­kow­ski

Fe­ri­en­zeit, Aus­flugs­zeit. Aber wo­hin? Wie wär’s mal mit den Part­ner­städ­ten der Re­gio­nal­ver­bands­kom­mu­nen. Bei­spiels­wei­se mit Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen, der Part­ner­stadt von Fried­richs­thal. Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen liegt im Schwarz­wald, die Fahrt führt al­so in ei­ne schö­ne Land­schaft – und das Ziel hält ein paar Über­ra­schun­gen be­reit.

Saar­brü­cken. Fah­ren Sie doch mal nach Vil­lin­gen-Schwen­ni­gen. Sie ken­nen das nur vom Na­men her – und wis­sen nicht mal, wo das liegt? Nun, das lässt sich än­dern: Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen ist die deut­sche Part­ner­stadt von Fried­richs­thal und liegt am süd­öst­li­chen Rand des Schwarz­wal­des.

Frü­her wa­ren so­wohl Vil­lin­gen als auch Schwen­nin­gen selbst­stän­di­ge Städ­te. Vil­lin­gen ge­hör­te zu Ba­den, Schwen­nin­gen zu Würt­tem­berg. Seit 1971 ge­hö­ren sie zu­sam­men. Und schon kommt die ers­te weit­hin un­be­kann­te Sen­sa­ti­on: Da­mals ent­schied das Volk. In Vil­lin­gen wa­ren rund 64 und in Schwen­nin­gen rund 77 Pro­zent der Bür­ger für die Fu­si­on. Von da an wuchs zu­sam­men, was nach Mei­nung der Be­völ­ke­rung zu­sam­men­ge­hört. Und zwar oh­ne grö­ße­re Pro­ble­me.

Das ist des­halb so be­mer­kens­wert, weil es be­weist: Wenn die Bür­ger sich zu­sam­men­tun wol­len, dann fal­len ruck, zuck al­le Gren­zen – selbst wenn die Na­tur sie ge­zo­gen hat. Zwi­schen Vil­lin­gen und Schwen­nin­gen ver­lau­fen näm­lich zwei sol­che Gren­zen. Die ei­ne trennt Ba­den von Würt­tem­berg – ganz im Sin­ne der al­ten Faust­re­gel: Es gibt Ba­di­sche und Un­sym­ba­di­sche. Und die an­de­re Gren­ze ist so­gar noch be­deu­ten­der. Es ist die eu­ro­päi- sche Was­ser­schei­de. Wenn ei­ner bei Re­gen in Schwen­nin­gen aus dem Fens­ter spuckt, dann spuckt er prak­tisch in den Neckar. Wür­de er in Vil­lin­gen spu­cken, dann wär’s in die Do­nau. Denn das Schwen­nin­ger Moos ist das Qu­ell­ge­biet des Neckar. Und Vil­lin­gen liegt an der Bri­gach. Das ist ei­ner der bei­den Qu­ell­flüs­se der Do­nau – Faust­re­gel: Bri­gach und Breg brin­gen die Do­nau zu weg. Al­ler­dings tref­fen sich Bri­gach und Breg erst in Donaueschingen. Aber das ist ein Kat­zen­sprung oder Ta­ges­aus­flug von Vil­lin­genSchwen­nin­gen. Und auf dem Hin­weg geht es nur berg­ab. War­um? Und jetzt kommt noch ein ge­hei­mer Su­per­la­tiv: Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen hat rund 81 000 Ein­woh­ner, liegt 758 Me­ter über dem Mee­res­spie­gel und ist da­mit die größ­te deut­sche Ge­mein­de, so­gar das größ­te deut­sche Ober­zen­trum in über 700 Me­tern Hö­he.

Das heißt aber nicht, dass dort schon dün­ne Luft herrscht. Nein. Aber ha­geln tut’s dort gern. Die Ge­gend um Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen hat das größ­te Ha­gel­ri­si­ko in Deutsch­land – wie­der ein Su­per­la­tiv. Wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht wur­de die­ses Phä­no­men wie­der­um von ei­ner ganz be­son­de­ren In­sti­tu­ti­on – näm­lich von der Uni­ver­si­tät Saar­brü­cken.

Die ist be­kannt­lich auf der Hö­he der Zeit. Und mit dem Stich­wort Zeit sind wir auch schon wie­der beim Su­per­la­ti­vFun­dus von Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen. Dort wur­de die Zeit zwar nicht er­fun­den, aber doch lan­ge Jah­re im Zaum ge­hal­ten. Vor al­lem in Schwen­nin­gen. Das war näm­lich mal ein Zen­trum der Uh­ren­in­dus­trie. Die Schwen­nin­ger Fir­ma Ki­enz­le brach­te 1956 die ers­te bat­te­rie­ge­trie­be­ne Uhr auf den Markt und bau­te eben­falls 1956 auch die ers­te So­lar-Uhr.

Erst das Auf­kom­men der Quart­z­uh­ren brach­te das En­de der Schwen­nin­ger Uh­ren­in­dus­trie. Von ih­rer Hoch­kon­junk­tur zeugt heu­te das Uh­ren­in­dus­trie­mu­se­um Vil­lin­genSchwen­nin­gen.

Aber auch wenn heu­te die meis­ten Uh­ren aus Fer­n­ost kom­men – die Bür­ger der Dop­pel­stadt er­ken­nen nach wie vor die Zei­chen der Zeit. Und die ste­hen be­kannt­lich auf Spa­ren. Als 2012 die Stadt­po­li­tik für 47 Mil­lio­nen Eu­ro ein neu­es Rat­haus zwi­schen Vil­lin­gen und Schwen­nin­gen bau­en woll­te, da stimm­ten wie­der die Bür­ger dar­über ab. Ergb­nis: 80 Pro­zent mein­ten, das kön­nen wir uns spa­ren. Klar in Ba­den-Würt­tem­berg hat Spar­sam­keit be­kannt­lich Tra­di­ti­on.

Und wer die Dop­pel­stadt be­sucht, kann beim Bum­mel durch die mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­tei­le füh­len, dasss hier Ge­schich­te lebt. Wer mehr Na­tur braucht, macht ei­nen Ab­ste­cher an den Tri­ber­ger Was­ser­fall, mit dem Au­to knapp 30 Mi­nu­ten.

Wer noch wei­ter fah­ren will, ist in et­was über ei­ner St­un­de am Ti­ti­see oder in Frei­burg – es sei denn, er stoppt vor­her in St. Wil­helm und wan­dert von dort auf den Feld­berg. Da oben ist die Luft dann schon et­was dün­ner. Und auf dem Gip­fel in­for­miert ei­ne In­fo­ta­fel über wei­te­re ge­hei­me Su­per­la­ti­ve aus dem Schwarz­wald.

SZ-AR­CHIV­FO­TO: PATRICK SEEGER DPA

Schwen­nin­gen war einst ein Zen­trum der Uh­ren­in­dus­trie. Na­tür­lich weiß man dort bis heu­te, wie man Ku­ckucks­uh­ren baut. Die sind der­zeit vor al­lem in den USA ge­fragt.

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