Angst vor dem Nah­ost-Kon­flikt am Pa­ri­ser Strand

Pa­ris fei­ert Tel Aviv am Sei­ne-Ufer – Pa­läs­ti­nen­ser-Sym­pa­thi­san­ten ru­fen zur Ge­gen­ver­an­stal­tung auf – Si­cher­heits­kräf­te fürch­ten Es­kal­ti­on

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - Von SZ-Kor­re­spon­den­tin Christine Lon­gin

Tel Aviv ist heu­te zu Gast beim Pa­ri­ser Sommerereignis Pa­ris Pla­ges. Doch pro-pa­läs­ti­nen­si­sche Grup­pen und die Link­s­par­tei kri­ti­sie­ren das Event, das un­ter mas­si­vem Po­li­zei­schutz statt­fin­det.

Pa­ris. Fei­ner wei­ßer Sand, blaue Son­nen­schir­me, Aus­blick auf die Sei­ne: das ist je­des Jahr für vier Wo­chen „Pa­ris Pla­ges“. Doch heu­te wird der Sand­strand mit­ten in der fran­zö­si­schen Haupt­stadt von hun­der­ten Po­li­zis­ten be­völ­kert, die ver­hin­dern sol­len, dass die Som­meridyl­le ei­ne po­li­ti­sche Di­men­si­on be­kommt. Denn die is­rae­li­sche Küs­ten­stadt Tel Aviv ist für ei­nen Tag Gast an der Sei­ne. Ein Er­eig­nis, das seit Ta­gen für Är­ger sorgt, da pro-pa­läs­ti­nen­si­sche Grup­pen dar­in ein Be­kennt­nis zur Sied­lungs­po­li­tik Is­ra­els se­hen. Ei­ne Pe­ti­ti­on, die die Ab­sa­ge des Events for­dert, hat­te zu Wo­chen­an­fang be­reits 19 000 Un­ter­schrif­ten. Aber die Stadt­ver­wal­tung hält an „Tel Aviv sur Sei­ne“fest. „Wir weh­ren uns da­ge­gen, die Stadt Tel Aviv und die is­rae­li­sche Re­gie­rungs­po­li­tik, die wir ver­ur­tei­len, in ei­nen Topf zu wer­fen“, ver­tei­digt der stell­ver­tre­ten­de Bür­ger­meis­ter Bru­no Jul­li­ard ges­tern im Ra­dio die Initia­ti­ve.

Des­halb sol­len heu­te wie ge­plant is­rae­li­sche DJs am Sei­neStrand auf­le­gen und Food­trucks is­rae­li­sche Spe­zia­li­tä­ten ver­kau­fen. Al­ler­dings hat die pro-pa­läs­ti­nen­si­sche Or­ga­ni­sa­ti­on Eu­ro­pa­lesti­ne be­reits zur Ge­gen­ver­an­stal­tung Ga­za Pla­ge auf­ge­ru­fen – nur ein paar Me­ter von den Sei­ne-Strän­den ent­fernt. Span­nun­gen sind al­so pro­gram­miert. Doch die Stadt will auf al­le Fäl­le ver­hin­dern, dass es zu ähn­li­chen Sze­nen kommt wie vor ei­nem Jahr. Im Som­mer 2014 wa­ren De­mons­tra­tio­nen ge­gen die is­rae­li­schen An­grif­fe auf den Ga­za­Strei­fen in An­ti­se­mi­tis­mus um­ge­schla­gen. Im Groß­raum Pa­ris grif­fen Ju­gend­li­che Sy­nago­gen an und ver­wüs­te­ten jü­di­sche Ge­schäf­te.

Un­ter­stützt wur­den die an­ti-is­rae­li­schen Kund­ge­bun­gen da- mals von Par­tei­en am lin­ken Rand. Auch zu „Tel Aviv sur Sei­ne“mel­den sich Link­s­par­tei und Kom­mu­nis­ten kri­tisch zu Wort. „Ein Jahr nach dem Mas­sa­ker

Die Pa­ri­ser zieht es an den Sei­ne-Strand zum Ent­span­nen: Heu­te droht das Stadt-Idyll Schau­platz des Nah­ost-Kon­flikts zu wer­den.

von Ga­za or­ga­ni­siert Pa­ris ’ Tel Aviv bei Pa­ris Pla­ges’“, twit­tert die Stadt­rä­tin und Ko­or­di­na­to­rin der Link­s­par­tei, Da­ni­el­le Si­mon­net. „Wir for­dern die Ab­sa­ge.“Die Geg­ner des Er­eig­nis­ses ver­wei­sen vor al­lem auf den Brand­an­schlag jü­di­scher Ex­tre­mis­ten im West­jor­dan­land, bei dem En­de Ju­li ein pa­läs­ti­nen­si­sches Klein­kind und sein Va­ter ge­tö­tet wur­den. Doch Bür­ger­meis­te­rin An­ne Hi­dal­go kon­tert mit der all­seits be­kann­ten Welt­of­fen­heit der is­rae­li­schen Ha­fen­stadt, die auch den or­tho­do­xen Ju­den ein Dorn im Au­ge ist. „In Tel Aviv wa­ren die größ­ten So­li­da­ri­täts­kund­ge­bun­gen mit der Fa­mi­lie des ver­brann­ten Kin­des“, schreibt die So­zia­lis­tin in ei­nem Bei­trag für die Zei­tung „Le Mon­de“. Au­ßer­dem un­ter­streicht die Bür­ger­meis­te­rin die pa­läs­ti­nen­ser­na­he Hal­tung der Stadt­ver­wal­tung, die früh die An­er­ken­nung Pa­läs­ti­nas als Staat for­der­te.

Ei­ne sym­bo­li­sche For­de­rung, die auch die von den So­zia­lis­ten do­mi­nier­te fran­zö­si­sche Na­tio­nal­ver­samm­lung im De­zem­ber for­mu­lier­te. Laut kon­ser­va­ti­ven Kri­ti­kern woll­te die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung da­mit vor al­lem die mus­li­mi­sche Wäh­ler­schaft zu­frie­den­stel­len. Denn Frank­reich hat mit rund fünf Mil­lio­nen Mit­glie­dern die größ­te mus­li­mi­sche Ge­mein­de Eu­ro­pas. Gleich­zei­tig le­ben mit rund 500 000 auch eu­ro­pa­weit die meis­ten Ju­den dort. Al­ler­dings wan­der­ten im ver­gan­ge­nen Jahr rund 7000 fran­zö­si­sche Ju­den nach Is­ra­el aus – ein trau­ri­ger Re­kord, der mit der dra­ma­ti­schen Zu­nah­me an­ti­se­mi­ti­scher Ge­walt­ta­ten zu­sam­men­hängt. Mit Tel Aviv als Gast bei Pa­ris Pla­ges will die fran­zö­si­sche Haupt­stadt nun zu To­le­ranz bei­tra­gen.. „In die­sem Sin­ne la­de ich die Pa­ri­se­rin­nen und Pa­ri­ser ein, zahl­reich zu kom­men“, schreibt Hi­dal­go.

FO­TO: AFP

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