Yuan wei­ter auf Tal­fahrt

Deut­sche Wirt­schaft fürch­tet ei­nen Wäh­rungs­krieg

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT -

Die deut­sche Wirt­schaft be­trach­tet die Ent­wick­lung in Chi­na mit Skep­sis und warnt vor ei­nem Wäh­rungs­krieg. Die Ab­wer­tung des Yuan dür­fe nicht zu ei­nem glo­ba­len Wett­lauf um die schwächs­te Wäh­rung füh­ren.

Pe­king. Chi­nas Zen­tral­bank hat den Yuan den zwei­ten Tag in Fol­ge auf Tal­fahrt ge­schickt. Die No­ten­ban­ker wer­te­ten die Lan­des­wäh­rung er­neut deut­lich ab. Die EU-Kom­mis­si­on in Brüssel nann­te den über­ra­schen­den Po­li­tik­wech­sel ei­ne „po­si­ti­ve Ent­wick­lung“. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) sprach von ei­nem „will­kom­me­nen Schritt“, weil der Markt ei­ne grö­ße­re Be­deu­tung bei der Be­stim­mung des Wech­sel­kur­ses er­hal­te. Die in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­en­märk­te re­agier­ten je­doch ver­schreckt. Sie fürch­ten, die Ab­wer­tung könn­te ein Zei­chen für ei­ne sich zu­spit­zen­de Kri­se der chi­ne­si­schen Wirt­schaft sei.

Nach An­sicht von Ex­per­ten geht es Pe­king bei dem Schritt nicht nur dar­um, ei­ne markt­ori­en­tier­te Wäh­rung zu schaf­fen. „Der IWF und die EU den­ken, dass Chi­na ei­ne frei han­del­ba­re Wäh­rung schaf­fen will. Aber das ist nur ein Aspekt“, sagt Zheng Chaoyu, Pro­fes­sor an der Pe­kin­ger Ren­min Uni­ver­si­tät: „Die Zen­tral­bank hat die Kon­trol­le nie­mals wirk­lich aus der Hand ge­ge­ben.“Zheng zu­fol­ge geht es bei der Ab­wer­tung in ers­ter Li­nie dar­um, die

Yuan-Schei­ne wer­den ge­zählt und ge­bün­delt. Die chi­ne­si­sche Wäh­rung hat in zwei Ta­gen mas­siv an Wert ver­lo­ren.

Ex­por­te und die Wirt­schaft des Lan­des zu sta­bi­li­sie­ren.

Chi­nas Zen­tral­bank setz­te den Re­fe­renz­kurs ges­tern auf 6,3306 Yuan je US-Dol­lar fest – ein Ab­schlag von wei­te­ren 1,6 Pro­zent im Ver­gleich zum Vor­tag. Be­reits am Di­ens­tag hat­te die Bank den Re­fe­renz­kurs um 1,9 Pro­zent ge­senkt und da­mit die chi­ne­si­sche Wäh­rung im Ver­hält­nis zum US-Dol­lar auf den nied­rigs­ten Stand seit vier Jah­ren ge­schickt.

Der Deut­sche In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) fürch­tet, dass die er­neu­te Ab­wer­tung den Druck auf deut­sche Un­ter­neh­men auf dem Welt­markt er­hö­hen wird. Zwar wür­den gera­de Tech­no­lo­gie­pro­duk­te vor al­lem über die Qua­li­tät ver­kauft. „Aber na­tür­lich spielt auch der Preis im­mer ei­ne Rol­le – und hier er­hal­ten chi­ne­si­sche Kon­kur­ren­ten durch die Ab­wer­tung nun ei­nen Vor­teil“, sagt DIHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Wans­le­ben.

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei der Markt­an­teil chi­ne­si­scher Un­ter­neh­men welt­weit ge­stie­gen. So sei das Land bei­spiels­wei­se in­zwi­schen der größ­te Lie­fe­rant In­di­ens im Ma­schi­nen­bau. An­de­rer­seits pro­fi­tier­ten Im­por­teu­re in Deutsch­land von der Wäh­rungs­ab­wer­tung, weil Zu­lie­fe­run­gen aus Chi­na nun güns­ti­ger wür­den. „Wich­tig ist vor al­lem, dass es jetzt nicht zu ei­nem glo­ba­len Wett­lauf um die schwächs­te Wäh­rung kommt, bei dem am En­de al­le ver­lie­ren“, mahn­te Wans­le­ben.

Fol­gen hat die Ab­wer­tung des Yuan auch für deut­sche Fir­men, die in Chi­na pro­du­zie­ren. Sie könn­ten nun nur noch ei­nen ge­rin­ge­ren Ge­winn nach Deutsch­land trans­fe­rie­ren, sagt Wans­le­ben. Ins­ge­samt hät­ten die deut­schen Un­ter­neh­men ih­re Er­war­tun­gen aber be­reits an die neue wirt­schaft­li­che Rea­li­tät in Chi­na an­ge­passt.

Die zweit­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt wächst der­zeit so lang­sam wie seit 1990 nicht mehr. Zu­letzt hat­ten sich schwa­che Da­ten ge­häuft. Die chi­ne­si­sche Füh­rung re­agiert mit dras­ti­schen Maß­nah­men. Vor ei­ni­gen Wo­chen hat­te Pe­king nach Bör­sen­tur­bu­len­zen auch am Ak­ti­en­markt ein­ge­grif­fen.

FO­TO: AFP

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