Groß­ar­ti­ge Kom­pli­zen

„Sing In­to My Mouth“von Iron And Wi­ne und Ben Bridwell – Um­wer­fen­des Co­ver-Al­bum von den Folk-Ro­ckern

Saarbruecker Zeitung - - MUSIK - Kai Flo­ri­an Be­cker

Hin­ter Iron And Wi­ne ver­birgt sich der aus Ch­a­pin, South Ca­ro­li­na, stam­men­de Sin­ger-Song­wri­ter Sam Beam. Er hat bis da­to un­ter dem be­sag­ten Pseud­onym fünf So­lo­al­ben ver­öf­fent­licht. Im glei­chen Bun­des­staat, ge­nau­er ge­sagt im we­ni­ge Mei­len ent­fernt lie­gen­den Ir­mo, wuchs Ben Bridwell auf. Er ist be­kannt als der sin­gen­de und Gi­tar­re spie­len­de Front­mann der fa­mo­sen US-Folk­rock-Band Band Of Hor­ses. Bei­de ken­nen sich seit jun­gen Jah­ren. So ist et­wa Bens Bru­der Michael ein gu­ter Freund von Beam. Und Michael war es auch, der An­fang der Nul­ler­jah­re ein Iron And Wi­ne-De­mo an ei­ni­ge Mu­sik­kri­ti­ker wei­ter­reich­te und da­durch da­zu bei­trug, dass Beam als­bald ei­nen Plat­ten­ver­trag bei Sub Pop Re­cor­ds un­ter­schrei­ben konn­te.

Sam Beam und Ben Bridwell ver­band aber noch et­was: ih­re Lei­den­schaft für Mu­sik. Wes­halb sie sich schon da­mals re­gel­mä­ßig dar­über aus­tausch­ten, wel­che Künst­ler und Songs sie gera­de am liebs­ten hö­ren. Vor knapp 15 Jah­ren konn­te al­ler­dings noch kei­ner der bei­den ah­nen, dass Heu­er bei­de als be­gab­te Sin­ger-Song­wri­ter mit tol­ler Stim­me und dem ge­wis­sen Ge­spür für Me­lo­di­en an­ge­se­hen wer­den wür­den.

Für ih­re ers­te mu­si­ka­li­sche Ko­ope­ra­ti­on „Sing In­to My Mouth“(Black Cri­cket/ Ca­ro­li­ne/Uni­ver­sal) ha­ben sie sich auf ih­re Ur­sprün­ge

Ben Bridwell (l.) und Sam Beam ken­nen sich seit jun­gen Jah­ren.

be­son­nen: Künst­ler, die sie maß­geb­lich be­ein­flusst ha­ben. Da­bei ka­men zwölf Songs ganz un­ter­schied­li­cher Mu­si­ker bzw. Bands zu­sam­men. Die Band­brei­te reicht von den Tal­king Heads („This Must Be The Place“) über Sa­de („Bul­let­proof Soul“) und Pe­ter Seeger („Co­yo­te, My Litt­le Bro­ther“) bis hin Spi­ri­tua­li­zed („The Strai­ght And Now Nar­row“). Mit die bes­ten Co­vers sind „Am I A

Good Man“, im Ori­gi­nal aus der Fe­der des Sech­zi­ger Jah­re-Soul-Du­os Them Two, und „The­re Is No Way Out Of He­re“. Das er­schien 1976 auf dem Uni­cornAl­bum „Too Ma­ny Crooks“. Ein ge­wis­ser Da­vid Gil­mour von Pink Floyd hat­te das Al­bum der bri­ti­schen Coun­try/ Folk-Ro­cker pro­du­ziert und den Song 1978 auf sei­nem ers­ten So­lo­al­bum „Da­vid Gil­mour“ge­co­vert und be­rühmt ge­macht.

Die Son­gaus­wahl von Beam und Bridwell ist er­staun-

lich. Es sind nicht nur Songs aus ganz un­ter­schied­li­chen mu­si­ka­li­schen Wel­ten, son­dern auch aus ver­schie­de­nen De­ka­den. Das Ku­rio­se dar­an ist: Wenn man es nicht bes­ser wüss­te, wür­de man mei­nen, es sei­en ih­re ei­ge­nen Lie­der. Denn Beam und Bridwell ha­ben al­le in den In­diefolk/Sin­ger-Song­wri­ter/Coun­try-Kon­text trans­for­miert, in dem sie heut­zu­ta­ge agie­ren. Viel­leicht sind sie durch „Sing In­to My Mouth“auf den Ge­schmack ge­kom­men und wer­den ir­gend­wann mal ein ge­mein­sa­mes Al­bum mit Ei­gen­kom­po­si­tio­nen auf­neh­men. Das könn­te span­nend wer­den.

Sweet Ba­boo „The Boom­box Bal­lads“( Mo­shi Mo­shi/PIAS): Klas­si­sche Bal­la­den-Struk­tu­ren fin­den sich auf die­sem Werk zwar nicht, da­für aber aus­ge­spro­chen lie­be­voll in­sze­nier­te Folk-Pop-Per­len, die den Geist von Van Dy­ke Parks und den Beach Boys at­men. An­hän­ger die­ser Spar­te pop­kul­tu­rel­ler Er­run­gen­schaf­ten wer­den die Wei­sen des Wa­li­sers Ste­phen Black ali­as Sweet Ba­boo lie­ben, sich an Strei­cher-Mee­ren la­ben, an ak­ku­ra­ten Blä­ser­Sät­zen und den fei­nen Stim­men, an über­ra­schen­den Wen­dun­gen, dra­ma­tur­gi­schen Fi­nes­sen und wun­der­ba­ren Ar­ran­ge­ments. Und lässt man sich da­bei die Au­gust-Son­ne auf den Pelz schei­nen und dreht zu­gleich den Laut­stär­ke­reg­ler an­ge­mes­sen auf, lässt sich auch der po­ten­ti­el­le Ver­dacht ei­ner all zu gro­ßen Leicht­ge­wich­tig­keit au­gen­blick­lich ad ab­sur­dum füh­ren.

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